"A Million Ways to Die in the West" (USA 2014) Kritik – Nichts los im Wilden Westen

Autor: Pascal Reis

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„You really shouldn’t drink and horse.“

Albert ist Inhaber einer Schaffarm und seine Person wird vom Großteil der Bevölkerung des Kleinstadt Old Stumpf eher mit Spott gehandelt. Durch die von der harten Hand seines Vaters geprägte Kindheit sieht Albert im Wilden Westen nur Tod und Ödnis, was ihn selbst zu einem echten Angsthasen gemacht hat, der nicht mal den Weg zum Plumpsklo ohne Bedanken antreten kann. Als ihn dann auch noch seine Freundin Louise verlässt und in die Arme des Schnurrbartträgers Foy flüchtet, sieht sich Albert endgültig auf dem Tiefpunkt angekommen. Mit Anna kommt eines Tages jedoch eine Frau in sein Kaff, die ihm anfangs dabei helfen möchte, zurück zu seiner Louise zu finden, doch zwischen Albert und Anna beginnt das Knistern ebenfalls langsam. Was Albert nicht bewusst gewesen ist: Anna ist eigentlich mit dem berühmt-berüchtigten Banditen Clinch Leatherwood liiert, und der versteht überhaupt keinen Spaß. Es droht ein Duell, in dem Albert endlich seinen Mann stehen muss..

Es gehört schon viel filmaffines Geschick dazu, heutzutage einen Western auf die Beine zu stellen, der nicht nur durch seine Kulissen überzeugt, sondern sich auch den Geist dieses uramerikanischen Genres einverleibt hat: Man soll den Western eben nicht nur sehen, man soll ihn auch fühlen. Quentin Tarantinos Ausflug in die Südstaaten mit „Django Unchained“ war bereits wenig erquickend, während Gore Verbinski mit „Lone Ranger“ und einem üppigen Budget von über 200 Million Dollar eine echte Sause zündete, die durch ihren düsteren Grundton – trotz angenehmen Augenzwinkern an den richtigen Stellen – eher dem Italo-Western zugeneigt war. Nun ist der kreative „Family Guy“ und American Dad“-Schöpfer Seth MacFarlane an der Reihe, um sich im Wilden Westen so richtig auszutoben. Und obwohl sein Markenzeichen, jedenfalls bei seinen massig frequentierten Trickserien, der gnadenlos subversive Humor ist, geriet sein erster Kinofilm mit „Ted“ zu einem müden Turnus aus grölenden Zoten und konservativen Wunschvorstellungen.

Mit „A Million Ways to Die in the West“ entwickelt sich Seth MacFarlane als Filmemacher jedoch kein Stück weiter und setzt sich selbst, anstatt eines kiffenden, promisken Teddys in Szene. Mit den Landschaftsaufnahmen des durch John Ford legendär gemachten Monument Valley, hat MacFarlane immerhin die richtigen Bilder zu bieten, die die Leinwand in ihrer Anmut vorbehaltlos elektrisieren und den Zuschauer durchaus in eine gewisse Stimmung bringen. Jenseits dieser Fotografien aber stagniert „A Million Ways to Die in the West“. MacFarlanes Ägide würde sich gerne mit einer Cleverness brüsten, die in ihrer referenziellen Penetranz allerdings nicht existent ist: Zwischen monotonem Pennälerhumor, inszeniert sich MacFarlane als Albert zum ängstlichen Nerd, der dem Zuschauer in jeder sich ihm bietenden Möglichkeit die Gefahr des Wilden Westen (Ob verbal oder visuell) vor Augen führt. Mit der von Charlize Theron gespielten Anna, wird ihm eine Frau an die Seite gestellt, die ihn durch ihre emanzipierte, geduldige und gutmütige Art reflektiert und so langsam aus der Reserve lockt.

Dumm nur, dass „A Million Ways to Die in the West“ auch mit erhobenen Haupt einzig für gelangweilte Gesichter sorgen wird. Über den zuweilen äußerst ruppigen Schnitt und den genretypischen, aber eben auch generischen Soundtrack von Joel Neely sieht man hinweg, wie inkompetent und blasiert MacFarlane allerdings seine Stars durch das Szenario schiebt, grenzt schon an – für seine Verhältnisse – Arbeitsverweigerung. Neben den guten Gags, die wohl an einer Hand abzuzählen sind, ist es dann ausgerechnet der obligatorische Drogenrausch, der seit „21 Jump Street“ wieder in Mode gekommen ist, der MacFarlanes dösiges Konzept etwas aufbricht: Surreal schweben riesige Fische durch die Luft, Schafe tanzen auf Stelzen und ein Kondor mit ordentlichen Testikeln bedroht Albert im Sturzflug. Allein dieser Moment wirkt wie losgelöst und unbefangen, ist nach zwei Minuten aber auch schon wieder passé. „A Million Ways to Die in the West“ ist abgedroschen sexistisches Kino ohne jedes Feingefühl, Pfiffigkeit oder Reibungspunkte. Ein Film, wie man ihn von Seth MacFarlne nach „Ted“ nun mal erwartet hat. Anarchistisch sieht anders aus.