"Der Club der toten Dichter" (USA 1989) Kritik – Der wahre Wert des Lebens

„Das Mark des Lebens in sich aufnehmen heißt nicht, am Knochen zu ersticken“

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Wer sich für die Poesie und Lyrik interessiert und auch einen Faible für diese literarischen oder sprachlichen Bereichen hat, der wird zugeben, dass es kaum etwas schöneres gibt, als sich in den Wort- und Satzkreationen vergangener wie moderner Poeten zu verlieren und gleichermaßen zu schwelgen. Ob stille Dramen oder große Epen, die Literatur eröffnet uns ganze poetische wie lyrische Welten der Grenzenlosigkeit, voller Romantik und Schönheit. Doch nicht nur in Schreibform auf Papier ist Poesie und Lyrik reizvoll, sondern auch auf Zelluloid gebrannt und in den großen Lichtspielhäusern kann man Filme über diese wunderbaren Dinge erleben, in dem sich Regisseure in ihrer ganz eigenen visuellen oder erzählerischen Poesie offenbaren. Ob Andrew Dominiks „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“, oder auch David Lynchs „The Straight Story“, die beide noch einen ganz eigenen philosophischen Wert in sich tragen. Aber auch der australische Regisseur Peter Weir, der uns Werke wie „Die Truman Show“, „Master & Commander“ oder „The Way Back“ geschenkt hat, hat sich der Poesie und ihrer Bedeutung schon angenommen. Und zwar in seinem wundervollen Film „Der Club der toten Dichter“ aus dem Jahre 1989.

In der strengen Privatschule Hellton gibt es für die Schüler in den fünfziger Jahren nicht gerade viel zu lachen, außer man ist unter sich. Hier wird strickte Disziplin und eiserne Leistungsbereitschaft erwartet und schlechte Noten sind eine Untat. Mit dem ehemaligen Schüler John Keating, der jetzt jedoch Englischlehrer in Hellton ist, ändert sich der grobe Ton für die Schüler. Keating ist nicht in den alten Zeiten hängengeblieben und weiß mit seinen modernen Lehrmethoden sofort von sich zu begeistern und seine Schüler mit der grenzenlosen Poesie des Lebens anzustecken. Sie gründen darauf den Club der toten Dichter, ein ehemaliger Club von Keating, doch der lockere Lehrer wird von der Schule und den Eltern der Schüler aufgrund seiner Methoden nicht gerne gesehen und als es zu einem schrecklichen Zwischenfall kommt, sucht man in Keating den Schuldigen…

„Der Club der toten Dichter“ ist wieder einer dieser Filme, in denen Bilder und Musik einen einfühlsamen Einklang finden. Komponist Maurice Jarre weiß seinen emotionalen wie herzlichen Score immer wieder unaufdringlich um die Szenen zu legen und Kameramann John Seale setzt das idyllische wie ländliche Aufnahmen des Internats, die er mit seinen warmen und ruhigen Fotografien stimmig in Szene setzt. Aber nicht nur visuell und musikalisch spielt „Der Club der toten Dichter“ in der ersten Liga, sondern auch das Oscar prämierte Drehbuch von Tom Schulmann weiß mit geschliffenen Dialogen vollkommen zu überzeugen und hat den begehrten Preis nicht umsonst entgegennehmen dürfen. Komplettiert wird das Ganze dann noch durch wunderbar gewählte Schauspieler, die wirklich genau in ihre Szene passen. Angefangen mit Robin Williams als lockerer Lehrer John Keating. Eine Sympathiefigur, die ihresgleichen sucht und nicht nur freundlich oder einladend ist, sondern auch den wahren Wert des Lebens vermittelt. Williams ist die Idealbesetzung und beweist, dass er ein hervorragender Charaktermime sein kann, wenn man ihm nur die passende Rolle gibt. Aber auch die Rollen der Jugendlichen wurden fein ausgewählt. Robert Sean Leonard gibt Neil Perry, Ethan Hawke gibt Todd Anderson, Josh Charles ist Knox Overstreet und Gale Hanson verkörpert Charlie Dalton. Dazu darf noch Kurtwood Smith als strenger Vater Tom Perry den Cast stark abrunden.

„Der Mensch wird weinend geboren und hat er keine Tränen mehr, dann stirbt er.“

„Der Club der toten Dichter“ versteht es sofort, sich mit der Seele des Zuschauers zu verständigen und gleichzeitig das Herz zu berühren. Peter Weir begrüßt uns in einem stocksteifen Internat, konservativ bis in die letzte verstaubte Ecke und jede Modernität wird mit Füßen getreten. Hier zählen nur vier Dinge: Tradition, Ehre, Disziplin und Leistung. Bis der junge Lehrer Keating den Schülern eine Welt voller Schönheit, Romantik, Poesie und Liebe eröffnet und als einziger nicht auf die strikte Regeln pocht, sondern den Heranwachsenden die Möglichkeit gibt, sich selber zu entwickeln und eine eigene Persönlichkeit zu formen. Natürlich werden Veränderungen in diesem altmodischen und prüden System nicht akzeptiert und müssen schnell verdrängt werden. „Der Club der toten Dichter“ dreht sich dabei nicht nur um die Lehrer-Schüler-Beziehung, sondern geht auf jeden Charakter ein, zeigt die Probleme, ob der Liebe wegen, oder mit den Eltern, doch viel mehr erzählt uns Weir hier über die Dinge, die ein Leben ausmachen: Der freie Wille, die freie Meinung und die freien Gedanken. Jeder Mensch hat das Recht zu träumen, jeder Mensch sollte seinen Wünschen folgen und man muss sein Leben aus der eigenen Perspektive betrachten und sich nicht andauernd den aufgezwängten Erwartungen beugen. „Der Club der toten Dichter“ steht für Selbstfindung, Erwachsenwerden und Zusammenhalt. Carpe diem. Nutze den Tag.

Fazit: „Der Club der toten Dichter“ ist emotionales, berührendes und wunderschönes Kino, voller Poesie, Gefühl und Träumen. Die letzte Szene zählt dabei nicht nur zu den schönsten der Filmgeschichte, sondern beweist uns auch, was menschliche Größe bedeutet. Mit einer einfühlsamen Inszenierung, einem feinen Drehbuch, tollen Darstellern, schönen Bildern und passender Musik, wird „Der Club der toten Dichter“ zu einem Film, der uns über das Leben und die Menschen erzählt, ohne Schubladendenken, falscher Rührseligkeit oder unnötigen Pathos.

„Pflücke die Knospe, solange es geht,
und die Blüten, wenn sie noch prangen.
Denn bald sind die Rosenblätter verweht.
Wie schnell kommt der Tod gegangen.“

– Robert Herrick