"Die Croods" (USA 2013) Kritik – Familie Feuerstein 2.0

Autor: Stefan Geisler

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„Verlasse nie die Höhle!“

1960 eroberte die Hanna-Barbera-Produktion „Familie Feuerstein“ (Originaltitel: „The Flintstones“) die amerikanischen Fernsehbildschirme. Erfrischend fortgeschritten präsentierten sich dabei die animierten Steinzeitmenschen: Starke Frauen, besserwisserische Männer, und die alltäglichen Probleme des Ehelebens standen im Fokus dieser Zeichentrickserie um Fred Feuerstein und sein Gefolge. Nun macht sich eine neue Generation von Urzeitmenschen daran, die Lichtspielhäuser der Welt zu erobern, ihr Name: Die Croods. Dabei haben die Croods mehr als einen Anlauf gebraucht, um sich ihren Weg auf die Leinwand zu bahnen, denn eigentlich sollte der Film bereits 2005 von Aardman Animations als Stop-Motion-Film nach einem Drehbuchentwurf von Pythons-Legende John Cleese und Kirk DeMicco in die Kinos kommen. Doch das Warten hat sich gelohnt, denn der neuste Animationsstreich aus dem Hause Dreamworks ist ein rasantes, detailverliebtes, farbenfrohes und vollkommen durchgeknalltes Animationsabenteuer für die ganze Familie.

Steinzeitvater Grug (Nicolas Cage) hat zwei einfache Regeln aufgestellt, die das Überleben sichern sollen. Vor Einbruch der Nacht sollten alle sich Familienmitglieder wieder in der schützenden Höhle eingefunden haben, doch viel wichtiger ist die zweite Regel: Sei nicht neugierig, denn Neugier endet immer tödlich. Doch als Tochter Eep (Emma Stone) eines Nachts ein seltsames Licht vor der Höhle wahrnimmt, kann sie nicht widerstehen und folgt dem geheimnisvollen Licht in die finstere Nacht, wo sie auf den seltsamen Guy (Ryan Reynolds) trifft, der ihr von einer Bedrohung berichtet, die das Leben der jungen Höhlenbewohnerin gehörig auf den Kopf stellt…

Die Steinzeit war für unsere Vorfahren kein Zuckerschlecken, denn todbringende Gefahren konnten wirklich hinter jedem Felsen lauern. Allein die Suche nach einem Frühstücksei artet in Chris Sanders („Drachenzähmen leicht gemacht“) und Kirk DeMicco („Space Chimps – Affen im All“) „The Croods“ zu einem riskant-rasanten Unterfangen aus, bei dem sich die Familie in bester Football-Manier gegen Riesenvögel, Lauf-Echsen und allerlei weitere kuriose Kreaturen durchsetzen muss.

Doch diese rasante Eröffnungssequenz ist nur ein Vorgeschmack auf das was noch kommen soll, denn wenn die Croods ihre triste Höhlenlandschaft gegen ein wild-wucherndes Dschungelszenario eintauschen, scheinen der Fantasie keine Grenzen mehr gesetzt zu sein. Auf dieser liebevoll animierten Entdeckungsreise kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus, fühlt sich bald selber wie ein Expeditionsteilnehmer, denn fast im Minutentakt trifft man hier auf neue faszinierende Exemplare der Dschungel-Flora und -Fauna: Zwergelefanten, Camouflage-Säbelzahntieger, Fleischfressende-Pflanzen und fliegende Schildkröten. Ganz nebenbei erweitern die Croods auch stetig ihren eigenen Horizont und entdecken auf äußerst amüsante Weise die alltäglichen Kleinigkeiten der „modernen“ Welt, wie das Feuer, Popcorn, Schuhe oder die Vorzüge eines funktionierenden Gehirns.

So unkonventionell und verspielt sich „Die Croods“ auch im Figuren- und Landschaftsdesign präsentieren, so ausgetrampelt sind die Pfade, auf denen sich die Geschichte rund um die Abenteuer der Ex-Höhlenbewohner bewegt. Vater-Tochter-Konflikt, erste Liebe und die Moral, dass man für ein lebenswertes Leben auch mal Risiken eingehen muss. Gähn. Erstaunlicherweise fällt dieser Aspekt kaum ins Gewicht, denn eine ungewöhnliche hohe Gag-Trefferquote sorgt für kurzweilige Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Minute. Während sich die ältere Generation über die zynischen, augenzwinkernden und manchmal subtil-bitterbösen Momente freuen dürfte, können sich die Kleineren in den actiongeladenen Sequenzen vor Lachen ausschütten. Sogar einige „Feuerstein“-Gedächtnis-Momente lassen sich im Gag-Feuerwerk ausmachen, denn wenn Höhlenvater Grug im Erfinderrausch die Fotografie erfindet, oder die Tierwelt zweckentfremdet genutzt wird, dann werden die Erinnerungen an Feuerstein, Geröllheimer und Co. wieder lebendig.

Ganz im Sinne der Feuersteins ist auch die Figurenzeichnung. Neben Vater Grug, der ganz wie Fred Feuerstein im Problemfall immer mehr auf reine Muskelkraft, als auf seinen Verstand setzt, gibt es das unzähmbare, wenig gesprächige Kleinkind, dessen Muskelkraft weit über den normalen Maßstab hinaus geht und somit Erinnerungen an Baney Geröllheimers Adoptivsprößling Bam-Bam weckt. Und auch die Grood-Frauen, erweisen sich, ganz im feuersteinschen Sinne, als selbstbewusste Familienmitglieder, die sich so schnell von keinem was sagen lassen. Mit Hauptfigur Eep hat man zudem noch einen Charakter geschaffen, bei dem gewisse Parallelen zu Pixars „Merida“ nicht von der Hand zu weisen sind. Wenn die toughe Hauptfigur sich über den Kopf ihres Vaters hinwegsetzt, bewusst männlich auftritt und den rot-braunen Wuschelkopf Richtung Sonnenaufgang streckt, dann kann man in Eep durchaus eine prähistorische Merida-Variante sehen.

Fazit: Die Höhlenmenschen kommen! Grung, Eep, Guy und Co. fackeln in Chris Sanders und Kirk DeMiccos Urzeit-Animationsspektakel ein Gag-Feuerwerk für die ganze Familie ab, das man sich nicht entgehen lassen sollte.