"Goon" (CAN/USA 2011) Kritik – Seann William Scott lässt die Fäuste fliegen

„Wenn du Prügel verdient hast, kassierst du sie.“

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Sportfilme sind schon immer ein wichtiges Thema in der Filmgeschichte gewesen. Auch die großen Filmpreise küren gerne einen dieser Sportfilme zum Gewinner. Inzwischen sind auch wirklich so gut wie alle Sportarten abgedeckt und haben ihren ganz eigenen Film, der sich in Fankreisen zum Kult avanciert hat. Im Boxfilm sind es natürlich die meisten Vertreter, von Silvester Stallones ‚Rocky‘, Martin Scorseses ‚Wie ein wilder Stier‘, David O. Russells ‚The Fighter‘ oder auch Michael Manns ‚Ali‘. Wenn wir einen Film über Baseball sehen wollen, greifen wir zu ‚Die Indianer von Cleveland‘ und beim Football ist es ‚An jedem verdammten Sonntag‘ oder ‚Unbesiegbar‘. Selbst das Ballett hat mit Darren Aronofskys ‚Black Swan‘ seinen etwas anderen Film bekommen und auch MMA wurde in Gavin O’Connors ‚Warrior‘ thematisiert. Im Jahr 2011 nahm sich Regisseur Michael Dowse mit ‚Goon‘ dem nächsten Sportfilm an. Diesmal rundum das Eishockey, einen Genre-Klassiker hat er damit jedoch nicht inszeniert.

Doug Glatt ist Türsteher und weiß seine Fäuste einzusetzen. Seine Familie hat jedoch Erwartungen an ihn, die er kaum bewerkstelligen kann, denn dafür ist er einfach nicht schlau genug. Seine Brüder haben es zu etwas gebracht, doch Doug steht auf der Stelle, bis er bei einem Eishockeyspiel einen der Spieler so verdrischt, dass er vom Coach der Halifax Highlanders als Goon engagiert wird. Das heißt im Klartext, er soll anderen Spielern mal so richtig die Fresse polieren, damit deren Moral sinkt und die eigene steigt. Doug scheint seine Bestimmung gefunden zu haben und auch die niedliche, aber vergebene Eva zeigt sich interessiert an dem harten Prügelknaben. Doch die Schattenseiten lassen natürlich auch sich warten und Doug steht vor seinem einstigen Idol Ross „The Boss“ Rhea, der auf der Gegenseite steht und auch gerne richtig austeilt.

Schauen wir uns ein Fußballspiel an, dann sehen wir in jedem Spiel unzählige Fouls. Aber was heißt im Fußball schon Foul? Ein leichtes Schubsen, ein kurzer Trikotzupfer und ein sanftes Beinchen stellen sind hier an der Grenze des Erlaubten und sorgen bei mehreren Wiederholung schon zum Platzverweis. Bekommt hier mal jemand einen Ellenbogen etwas fester ab, dann bricht das große Chaos auf den Rängen auf und auf dem Platz sieht man einen sterbenden Schwan nach dem anderen. Schauspielkunst und Lächerlichkeit sind ein ebenso fester Bestandteil des heutigen Fußballs, wie Freistöße und Eckbälle. Schauen wir jetzt einmal rüber zum kanadischen Eishockey, dann bekommt der Ausdruck „körperbetonter Sport“ eine ganz andere Bedeutung. Geschubst wird hier sicher auch, allerding so hart, dass man ohne Halt mit dem Körper gegen die Banden knallt. Aber das zählt hier noch zum guten Willen. Richtig feiern tut das Publikum erst, wenn die Eishockeyspieler ihre Handschuhe ausziehen und das Spielfeld zum Boxring machen, um sich mal so richtig die Nasen einzuschlagen. Und das zählt hier nicht als Tätigkeit, sondern zeigt den Einsatzwillen für das Team.

Um einen solchen speziellen Schläger kümmert sich auch ‚Goon‘, die man ebenfalls Goon oder Enforcer genannt. Diese Klopper brauchen dazu nicht mal Eishockey spielen können, sondern nur ihre Fäuste sprechen lassen. Dazu bedient sich ‚Goon‘ aus einer wahren Geschichte und basiert auf der Biografie von Adam Frattasio und Doug Smith, die die Kämpfe auf dem Eis ausleuchteten und die Menschen hinter den Schlägern beschrieben, wobei es Hauptfigur Doug (Seann William Scott mit seiner besten Karriereleistung als Brecher mit Herz) wohl eher nicht zum Polizisten schaffen wird, wie Autor und Verfasser Smith. Doug hat eigentlich keine Ziele in seinem Leben und lebt viel mehr in den Tag, als sich einen wirklichen Plan über seine Zukunft zu machen. Als Securitymann einer Kneipe prügelt er die Leute raus, die nicht bezahlen wollen oder sich daneben benehmen. Mit seinen homosexuellen Brüdern hat er recht wenig gemeinsam, denn wo sie als Ärzte ihr Geld verdienen, steht Doug weiterhin auf der gleichen belanglosen Stelle. Doch auch seine Tage sollen noch Folgen. Es muss Schicksal gewesen sein, dass Doug bei einem Eishockeyspiel von 0 auf 100 durchstartete und das nicht mal als Spieler, sondern als Zuschauer, der einem Spieler auf der Tribüne mal ein paar Schläge eindonnert, die er nicht mehr vergessen wird. Er wird zum Enforcer der Halifax Highlanders und soll da vor allem als Beschützer vom einstigen Talent Xavier LaFlamme fungieren, der von Dougs Idol Rhea aufs übelste verprügelt wurde. Die Karriere scheint endlich zu laufen, Doug wird zum Star und auch ein Mädchen lernt der eigentlich nette, aber etwas tumbe Mann kennen. Aber wie es bei jedem Sportler so ist, holen ihn auf irgendwann die Zweifel ein und die „glanzvolle“ Laufbahn steht in Gefahr und Doug muss sich darauf besinnen, wer er ist und wer er sein will.

‚Goon‘ schafft es jedoch nicht, in irgendeiner Art und Weise wirklich etwas Neues zu bieten. Die Geschichte vom Underdog, der sich mit seinem Kämpferherz nach oben arbeitet und durch die pure Willenskraft sein Ziel erreicht, haben wir schon oft gesehen und auch einige Male um Längen besser. Die Charaktere selbst, so liebenswert und sympathisch sie auch mögen sein, sind oberflächlich und der Weg ist vorhersehbar. Man weiß, wie es ausgehen wird und Überraschungen kann man hier lange suchen. Michael Dowse serviert uns einen rotzigen und rohen Gewaltfilm, der sich nicht nur auf die Brutalität auf dem Feld konzentrieren, sondern auch die menschlichen Zwischentöne beherrschen will. Auch das gelingt ihm nicht immer, eben weil die Charaktere nun mal einfach nicht sorgfältig ausgearbeitet wurden und in altbekannte Schablonen passen. Hier fallen Zähne in Zeitlupe zu Opernmusik, es fliegen die Fäuste in ihrer gröbsten Härte, das Blut spritzt durch die Luft und färbt das Eis rot. Im nächsten Moment sehen wir Doug, dessen Schädel einem Pachycephalosaurier gleicht, wie er zu zarter Musik in sich gekehrt nachdenkt und sich sogar als Gentleman erweist. Nette Gegensätze wo man nur hinsieht, aber einfach nicht klar genug, um den Funken wirklich überspringen zu lassen. ‚Goon‘ ist mit Sicherheit nicht langweilig und auch kein schlechter Film, aber dennoch zu konstruiert und bekannt aufgezogen, als das er wirklich etwas Besonderes sein könnte.

Fazit: In ‚Goon‘ fließt das Blut und es gibt Gefühl. Das hätte wieder eines der klaren Highlights des Sportfilms werden können, wenn man die Geschichte nicht schon zu oft gesehen hätte. Schlecht ist der Film nicht und nennenswerte Durchhänger gibt es ebenfalls nicht. Dennoch sind die Charaktere in ihrer Art zu simpel ausgearbeitet, auch wenn man sich mit ihnen anfreunden kann, genau wie der Verlauf des Films. Die Schauspieler tun ihr Bestes und gerade Scott zeigt, dass man auch in Zukunft noch weitere ernste Rollen von ihm erwarten darf. ‚Goon‘ kann man sich ansehen und man wird es auch nicht bereuen, nur etwas wirklich Neues sollte man nicht erwarten.

Bewertung: 6/10 Sternen