"Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Part 2" (2011) Kritik

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ACHTUNG: Diese Kritik enthält Spoiler, sollte also von niemandem gelesen werden, der das Buch nicht kennt und ebenfalls den Film noch nicht gesehen hat.

‚Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2‘ ist wahrscheinlich einer der für mich am schwierigsten zu bewertenden Filme aller Zeiten. Aus reiner Fan-Sicht und aufgrund meiner Liebe zu den Büchern würde der Film über die drei Punkte nicht hinauskommen. Aber dann erinnere ich mich, an diese 12 Jahre, welche ich mit den Filmen, mit den Charakteren, mit der Geschichte verbracht habe. 12 Jahre, an die sich kein weiteres Jahr mehr anhängen wird, in dem ich denken werde: „Mal schaun, vielleicht wird ja der nächste Potter endlich die ganz große Verfilmung.“

David Yates, ich werde ihn auf ewig verfluchen. Zwar hat er das Potter-Universum nie schlecht gemacht, aber jeder der Filme wurde mehr oder weniger zu einer großen Enttäuschung für mich. Was diesem Regisseur fehlt? Vieles! So viel, dass ich nicht weiss, womit ich anfangen soll. Vor allem aber frage ich mich als Fan, ob dieser Mensch jemals die Bücher gelesen hat.

Die Liebe zum Detail und das Gefühl für epische Momente:

David Yates hat einiges in Petto, das möchte ich gar nicht bestreiten, nur hat er absolut keine Ahnung, wie sich die Potter-Welt definiert. Die kleinen Details, egal ob das ein Entgegennicken zwischen Harry und Malfoy in dem Kapitel „19 Jahre später“ ist, oder warum die Schlossgründe von Hogwarts komplett anders aussehen als in den Teilen 1-6. Ich weiss nicht, was sich dieser Mensch dabei denkt, oder wie er es sich erlauben darf, einfach die Geschichte abzuklappern, ohne auf die wichtigen Kleinigkeiten, die Emotionen und die epische Erzählung Rücksicht zu nehmen. Hektische Schnitte, Schnitte zum falschen Augenblick bzw. viel zu früh. Nie kann dadurch Atmosphäre aufgebaut werden. Klar ist sie ab und an anwesend, mehr aber auch nicht.

Das wäre ja nun noch alles zu ertragen, würde er nicht die entscheidenden Kämpfe und Szenen in den Sand setzen. Der Kampf zwischen McGonagall und Snape. In 5 Sekunden abgehandelt. Der Kampf zwischen Harry und Voldemort ins Lächerliche gezogen. Sätzelang wird Voldemort im Buch von Harry erniedrigt, wie armselig dieser doch sei. Es wird im Kreis gelaufen, die beiden starren sich an, mit Worten wird gekämpf, und man fragt sich: „Wann wird Voldemort zum alles entscheidenden Zauber ausholen?“ Die Spannung, welche J.K. Rowling dabei aufbaut, ist meisterlich. Nicht so im Film. Die beiden Kämpfen alleine, ohne die Menschenmenge der beiden Parteien um sich herum. Das ist langweilig, das ist enttäuschend und reine Effekthascherei im falschen Augenblick.

Ich hoffe ich konnte einen kleinen Eindruck davon geben, was mich an dem filmischen Finale nervt. Natürlich könnte ich auch den schlecht animinierten Ausbruch aus Gringotts, die peinliche Klamotten-Wechsel-Aktion oder die unwichtige Eröffnungsszene ansprechen. Es wird alles auf ein Ergebnis hinauslaufen: Yates ist unfähig, Yates Kunst ist die Kunst zu Enttäuschen, aber solange die Masse davon begeistert ist, kann ihm das ja egal sein.

Wieso gebe ich dem Film also bei aller Kritik noch ein sehr sehenswert? Es ist, wie bereits anfangs erwähnt, meine Liebe zu und gemeinsame Zeit mit dieser Welt, welche J.K. Rowling erschaffen hat. Es ist wie bei allen vorangehenden Filmen. Sie können noch so enttäuschend sein und dennoch werde ich sie mir immer wieder anschauen, denn es ist ja nicht so, als hätten sie gar nichts zu bieten. Sie sind sogar bei weitem besser als die meisten Blockbuster, die einem im letzten Jahrzehnt aufgetischt wurden. Zudem wurden, trotz aller Kritik, auch in „Deathly Hallows Part 2“ ein Haufen magischer und emotionaler Momente (z.B. Snapes Tod und Erinnerung) eingefangen. Der Film bietet trotz all seiner Schwächen einige Szenen, bei denen ich Gänsehaut bekam. Ich fühlte mich auch gut unterhalten, nie gelangweilt. Schade, Harry Potter, schade J.K. Rowling, dieses Meisterwerk der Literatur hat mehr verdient, aber sind wir froh, dass es nicht noch schlechter kam. Danke dafür Mr. Yates!

Bewertung: 7/10 Sterne