"Ein Jahr vogelfrei!" (USA 2011) Kritik – Drei komische Vögel

„The birds wait for no man.“

null

Die Produzenten in Hollywood sind schon ein paar komische Vögel: Andauernd scheint für ambitionierte Projekte aufstrebender Regisseure das Geld zu fehlen, aber auf der anderen Seite entschließt man sich mal eben, für 41 Millionen US-Dollar einen Film über Vogelbeobachter zu produzieren. Mal ehrlich, wie teuer kann so ein Film schon werden? Wenn wie im Falle von „Ein Jahr vogelfrei!“ mit Owen Wilson („Darjeeling Limited“), Jack Black („School of Rock“) und Comedy-Urgestein Steve Martin („Der rosarote Panther“) drei der bestbezahltesten US-Komiker mit an Bord sind, dann kann auch ein Film über Vogelbeobachter ziemlich teuer werden. Und das, obwohl man einen großen Teil des Films fast kostenfrei mit Archiv-Aufnahmen von Vogelarten aus aller Herren Länder füllen kann. Dennoch erweist sich die neue Komödie von Regisseur David Frankel („Der Teufel trägt Prada“) nicht als totaler Reinfall, denn nach einem etwas zäh geratenen Einstieg, pendelt sich der Film im erträglichen Mittelmaß ein und hat zum Ende hin sogar noch den ein oder anderen gefühlvollen Höhepunkt parat.

Einmal im Leben legt jeder Ornithologe ein „Big Year“ ein. In diesem Jahr geht es für die leidenschaftlichen Vogelexperten darum, so viele verschiedene Vogelarten wie nur möglich in freier Wildbahn zu beobachten. Für Kenny Bostick (Owen Wilson), Brad Harris (Jack Black) und Stu Preissler (Steve Martin) haben sich unabhängig voneinander dazu entschlossen, in diesem Jahr ihr „Big Year“ zu veranstalten und natürlich möchte jeder von ihnen der Beste werden. Dabei hätten die drei Vogelnarren eigentlich genügend Probleme direkt vor ihrer eigenen Haustür zu klären…

Bietet „Birding“, so nennt der Fachkundige die professionelle Vogelschau, wirklich genügend Stoff für einen abendfüllenden Film? Nach „Ein Jahr vogelfrei!“ wird einem klar: Nein, bietet es nicht, denn „Birding“ ist genauso spannend, wie es sich anhört. Glücklicherweise geht es in „The Big Year“ auch nur bedingt um das liebe Federvieh, vielmehr steht das zwischenmenschliche Miteinander innerhalb der Familie, einer Beziehung oder einer echten Männer-Freundschaft, die unter dem unsäglichen Auswirkungen des „Birdings“ zu leiden haben, im Mittelpunkt. Leider nimmt sich der Film durch die unglückliche Thematik oftmals selber den Schwung, denn letztendlich drehen sich dann doch alle Gespräche irgendwie um das leidige Vogel-Thema, was den vogeluninteressierten Kinogänger nach spätestens einer Viertelstunde in Tiefschlaf versetzen könnte.

Egal ob nun „Im Dutzend billiger 2 – Zwei Väter drehen durch“, „Rosarote Panther“ oder „Shopgirl“, in den letzten Jahren musste man sich immer häufiger die Frage stellen: „Steve Martin, was ist nur aus dir geworden?“ Was der einst wirklich witzige Komiker Steve Martin, man erinnere sich nur an Klassiker wie „Tote tragen keine Karos“ oder den vielfach unterschätzten „Bowfingers große Nummer“, im neuen Jahrtausend bisher filmisch verbrochen hat, grenzt wahrlich an Körperverletzung. So gehört ihm allein für seine „Neuinterpretation“ des Inspectors Jacques Clouseau in der „Rosarote Panther“ die Comedy-Lizenz entzogen. Insofern bietet „Ein Jahr vogelfrei!“ tatsächlich eine willkommene Abwechslung, denn hier gibt sich der sonst eher aufdringliche Komiker angenehm unauffällig und kann sogar mit einigen leisen Tönen im Schlussakt überzeugen. Gleiches gilt auch für seine Schauspielkollegen Jack Black und Owen Wilson, die hier beide im Rahmen ihrer Möglichkeiten eine überzeugende Leistung als fanatische Vogelfetischisten abliefern.

Dennoch bleibt die Frage, warum nun ausgerechnet diese drei Komiker für die Rollen gecastet wurden. Wollte man denn eine falsche Erwartungshaltung seitens der Zuschauer geradezu erzwingen? Denn wer auf den typisch lautstarken und körperbetonten Humor steht, für den die drei Schauspieler eigentlich bekannt sind, dürfte von „Ein Jahr vogelfrei!“ maßlos enttäuscht und vor allen Dingen gelangweilt sein. Auf der anderen Seite wird die eigentliche Zielgruppe (vogelinteressierte Cineasten) gerade durch diese Besetzung abgeschreckt. Kein Wunder also, dass sich „Ein Jahr vogelfrei!“ als einer der größten Flops des letzten Jahres erwies, denn bei einem Budget von 41 Millionen spielte der Film gerade einmal knapp 7 Millionen US-Dollar ein.

Fazit: Nach „Wir kaufen einen Zoo“ jetzt die nächste tierische Komödie, die nicht weiß, was sie will. Komödie, Drama, Dokumentarfilm? „Ein Jahr vogelfrei!“ bietet von allem ein bisschen, kann jedoch auf keinem der Gebiete so richtig punkten.

Bewertung: 4/10 Sternen