Klassiker-Tipp der Woche "French Connection" (USA 1971) Kritik – Gene Hackman im Brennpunkt Brooklyn

„Bist du verrückt mich so zu behandeln? Ich hab doch keine Nonne gebumst!“

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Polizeifilme sind seit Anbeginn der Filmgeschichte ein beliebtes und ansprechendes Thema, sowohl für das Unterhaltungspublikum, als auch die Kritiker, die dem vielschichtigen Stoff immer wieder neue Ansätze entnehmen können. Wenn wir uns ein Jahrzehnt herauspicken, dann können wir dort mit ziemlicher Sicherheit immer eine Handvoll mindestens sehenswerter Polizeifilme finden. Wenn wir in die 70er Jahre gehen, dann müssten unweigerlich Filme wie ‚Dirty Harry‘ mit Clint Eastwood und Sidney Lumets ‚Serpico‘ mit Al Pacino fallen, die sich ihren Status in der Filmwelt für die Ewigkeit gesichert haben. Zu Recht natürlich. Doch es gibt noch einen weiteren unheimlich wichtigen Vertreter des Polizeifilms, der heute ebenfalls als prägender Klassiker gilt und seiner Zeit bei der Oscar Verleihung gleich fünf goldene Trophäen abstauben konnte: William Friedkins Debütfilm ‚French Connection‘ aus dem Jahr 1971.

Die New Yorker Polizisten Doyle und Russo geraten durch einen Zufall auf die Spur eines französischen Großdealers namens Charnier, der sein Drogen in der USA verbreiten hat. Doyle und Russo wollen mit der Fahndung nach dem Rauschgifthändler beginnen, doch ausgerechnet in diesem Moment schaltet sich das FBI ein und erklärt den Fall für zu groß für die beiden Cops. Doyle lässt sich davon nicht stören und führt seine Ermittlungen zusammen mit Russo auf eigene Faust weiter und bekommt es dabei nicht nur mit Auftragskillern zu tun. Der Tag der großen Drogenübergabe rückt immer näher und Doyle und Russo müssen ihren eingeschlagenen Weg bis zum letzten Schritt gehen…

Eine große Stärke von Friedkins Filmen waren schon immer die Atmosphären, die sich auf den Zuschauer legten und in ihre Welten zogen. Ob ‚Der Exorzist‘ oder auch ‚Cruising‘. In French Connection bewies Friedkin zum ersten Mal, was eine dichte Atmosphäre für ihn bedeutet und erzeugte in Verbindung mit der tollen Kameraarbeit von Owen Roizman etwas ganz Besonderes. Roizman leistet im Allgemeinen wirklich herausragende Arbeit und positioniert seine Kamera immer an den richtigen Ecken und Winkeln, die das Geschehen auf den Punkt festhalten und einige legendäre Einstellungen lieferten. Der tolle und hämmernde Score von Ellis & Webb tut sein Übriges und begleitet den Film in seiner finsteren Sichtweise genau richtig und kann schon gleich in der Eröffnungssequenz für Gänsehaut sorgen.

Die größte Rolle des Films spielt Gene Hackman als Det. Jimmy „Popeye“ Doyle. Nicht unverdient bekam er den Oscar für den besten Darsteller und füllt seinen frustrierten und hasserfüllten Polizisten mit seiner ganzen Klasse aus, die er inzwischen unzählige Male eindrucksvoll bewiesen hat. Man denke nur an seine impulsive Darstellung in ‚Mississippi Burning‘, wo er wieder einen groben Polizisten gespielt hat. An Hackmans Seite glänzt Roy Scheider als Det. Buddy „Cloudy“ Russo, der unverständlicherweise in seiner ganzen Filmlaufbahn immer wieder unterschätzt und unterschlagen wurde. Scheider war ein toller Schauspieler, das hat er auch hier bewiesen und fällt neben Hackman nicht im Geringsten ab, sondern verkörpert seinen Charakter mit viel Präsenz und Können. Als französischer Drogenboss Alain Charnie sehen wir Fernando Rey, der seine intelligente Figur ebenfalls gut ausfüllt, aber sicher nicht die große Zeit zugesprochen bekommt. Der Cast wird von Marcel Bozzuffi, Tony Lo Bianco und Frederic de Pasquale passend abgerundet.

William Friedkin nahm sich für sein Erstlingswerk einem echten Polizeifall der 60er Jahre an. Am Ende gewann ‚French Connection‘ den Oscar für den Besten Film, die Beste Regie, den Besten Hauptdarsteller, das Beste adaptierte Drehbuch und den Besten Schnitt, dazu noch drei Golden Globe und drei weitere Oscar Nominierungen, unter anderem für Scheider als Besten Nebendarsteller. Eine doch recht deutliche Sprache, wenn man sich von Preisen beeinflussen lässt und Interesse an ihnen zeigt. Würde man aus heutiger Sicht ‚French Connection‘ in ein solchen Kampf und den Oscar schicken, würde dabei wohl nur noch höchstwahrscheinlich Hackman die größten Chancen auf einen Sieg haben und auch das stände noch in den Sternen. Wir begeben uns jedenfalls mit den beiden Polizisten Doyle und Russo in die kalten 70er Jahre und in den New Yorker Stadtteil Brooklyn. Russo und ganz besonders Doyle sind gut in ihrem Job und ziehen einen kleinen Straßendealer nach dem anderen aus dem Verkehr. Doch einen richtig dicken Fisch konnten sie noch nicht Angeln. Sie langweilen sich schon beinahe, die Routine der Festnahmen schleicht sich ein und doch können sie nicht genug davon bekommen. Ihre große Chance kommt mit dem Drogenboss Chantier, den sie trotz absagen hochnehmen und auf eigenen Mitteln festnehmen wollen. Dabei gestaltet sich die Charakterzeichnung von Doye als interessant, dessen Charakter durch seine rohe und rassistische Ader keine Sympathiefigur darstellt und man sich als Zuschauer trotzdem immer mehr mit ihm anfreunden kann. Sein Handeln ist nicht immer richtig, doch er will das Beste für die Polizei erreichen, selbst wenn er darüber Töten muss. Doyle bekommt es jedoch nicht mit einem dummen Straßengauner zu tun, sondern mit einem klugen Denker, der ihn in der grandiosen U-Bahn-Verfolgung durch einen simplen, aber ausgefuchsten Trick abhängt.

Das Drehen an Originalschauplätzen machte sich natürlich bezahlt und ‚French Connection‘ atmet in jedem Moment die pure Authentizität aus. Das Brooklyn, in das uns Friedkin schickte, ist jedoch alles andere als ansprechend. Jeder Augenblick spielt sich in blassen und kalten Hinterhöfen wie zerfallenden Bruchbuden ab. Wärme gibt es hier keine und die graue Großstadtballade wird zum stillen Gesang der dumpfen Farblosigkeit. Unser Protagonist ist eigentlich keiner, denn sein Hass auf die Gesellschaft wie auf Ausländer und sein grober Sadismus lassen die Trennlinien zwischen Polizist und Verbrecher fast vollkommen verblassen. Doch Doyle ist ein Kämpfer, ein zäher Brocken, der sich für das Recht einsetzt und jeden Schritt gehen würde und als Zuschauer werden wir von Friedkin zu keiner Sekunde gezwungen ihn zu mögen, sondern wir schließen uns ihm einfach an. ‚French Connection‘ lebt von seinem Realismus, denn hier gibt es keine überzogenen Schießereien oder unnötige Effekthascherei. Ein kaputter, emotionsloser aber ehrgeiziger Cop geht seinen konsequenten Weg, selbst wenn dieser sein Ende bedeuten würde und schreitet durch eine Welt, in der kein Platz für zwischenmenschliche Beziehungen ist. Frag nicht nach Sonnenschein, hier regiert die düstere Realität.

Fazit: ‚French Connection‘ taucht so ziemlich in jeder Liste der besten Polizeifilme aller Zeiten auf. Verdient. Friedkin zeichnete eine düstere und dreckige Welt der Ermittlungsarbeit und setzt dabei nicht auf Helden, sondern auf Menschen, die für ihre Arbeit leben und sterben. Die dichte Atmosphäre, die tolle Kameraarbeit, der starke Score, die hervorragenden Darsteller und Friedkins tolle Inszenierung machen ‚French Connection‘ zu einem wahren Klassiker, der auch noch heute blendend funktioniert.

Bewertung: 8/10 Sternen