Kritik: Ant-Man and the Wasp (USA 2018)

© Disney

Do you guys just put ‚quantum‘ in front of everything?

Mit Ant-Man and the Wasp bewegen sich die Verantwortlichen aus dem Marvel Cinematic Universe (MCU) atmosphärisch sofort wieder aus jenen unerwartet dunklen Sphären heraus, die Avengers 3: Infinity War zuletzt heraufbeschworen hat. Vollständig von der Bildfläche verschwunden ist der Titan Thanos, welcher die Zukunft des MCU nach einem weitestgehend ernsten Blockbuster, in dem Leben ebenso auf dem Spiel standen wie beendet wurden, mit einem gewaltigen Cliffhanger in purer Ungewissheit hinterließ. Dramatisch wird es zu Beginn der Ant-Man-Fortsetzung höchstens, wenn dem von Paul Rudd erneut sympathisch gespielten Scott Lang die Ideen ausgehen, wie er sich die Zeit während seines gerichtlich angeordneten Hausarrests vertreiben soll. Die große Auseinandersetzung zwischen den Superhelden in The First Avenger: Civil War, in der Ant-Man auf eine gigantische Größe wuchs und allerlei Schäden verursachte, führte schließlich dazu, dass er vom FBI abgeführt wurde und den Rest seiner Strafe nun mit einer Fußfessel zu Hause verbringen muss.

Schon bald muss Scott das Gefängnis in seinen eigenen vier Wänden allerdings unfreiwillig verlassen, nachdem er von Hope, der Tochter seines ehemaligen Mentors und ursprünglichen Ant-Mans Hank Pym, aufgesucht und auf eine neue Mission mitgenommen wird, die von überaus privater Motivation geprägt wird. Vor Jahrzehnten ist Hopes Mutter und Hanks Frau Janet bei einer riskanten Aktion im subatomaren Raum namens Quantum Realm verschollen. Da sich Scott zuvor schon einmal in genau diesem Raum befand, ist er offenbar der Schlüssel, der nötig ist, um Janet womöglich wieder auf die Erde zurück zu holen. Tatkräftige Unterstützung erhält Scott hierbei diesmal von Hope, die im Anzug als Wasp über dieselben Fähigkeiten wie Ant-Man verfügt und den ständig zu Scherzen aufgelegten Superhelden ein ums andere Mal gehörig in seine Schranken weist. Was sich an Ant-Man and the Wasp zunächst gleichermaßen überraschend wie angenehm entpuppt, ist die Tatsache, dass hinter der schlicht gehaltenen Geschichte diesmal tatsächlich nichts anderes als eine reine Rettungsmission zu stecken scheint. Auch wenn sich das Drehbuch der insgesamt fünf Autoren, zu denen auch Rudd selbst zählt, im weiteren Verlauf der Handlung als durchaus zerfasert und überladen gestaltet, fehlt der Fortsetzung gar ein klarer Bösewicht, der sich den Superhelden als konkrete Gefahr in den Weg stellt und am Ende in einer überproportionierten Schlacht bezwungen werden muss.

Trotz beiläufig eingestreuter Kontrahenten wie die mysteriöse Ghost, die ohne feste körperliche Form durch physische Objekte gleiten kann, oder der Schwarzmarkthändler Sonny Birch ist Ant-Man and the Wasp zu weiten Teilen als temporeiche, mit visuellem Spektakel und einer Vielzahl an Gags angereicherte Verfolgungsjagd angelegt. Dabei wirkt der von Walton Goggins gespielte Schwarzmarkthändler selbst nur wie einer der typischen Erfüllungsgehilfen einer größeren Gefahr, die in dem Streifen jedoch nie auftaucht, während sich Ghost als tragische Figur entpuppt, die ebenfalls keineswegs in das klassische Bösewicht-Schema passt. Stattdessen schiebt Regisseur Peyton Reed die wenigen emotionalen Stützpfeiler der Geschichte, die sich neben der Motivation von Hope und Hank auch immer wieder aus den Szenen zwischen Scott und seiner kleinen Tochter ergeben, zur Seite, um voll und ganz auf die humorvolle Chemie zwischen allen Beteiligten zu setzen.

So wirkt Ant-Man and the Wasp zu großen Teilen wie eine überteuerte, sehr lang geratene Episode einer Sitcom, die neben Situationskomik und Wortwitzen zusätzlich durch einen ungemein verspielten Sinn für visuelle Attraktionen auffällt. Ant-Man mag in vielen seiner Szenen der kleinste aller Marvel-Superhelden sein, doch gerade dieser Umstand räumt der Ant-Man-Reihe ungeahnt kreative Freiheiten des visuellen Exzesses ein. Dadurch wirken die rar gesäten Momente innerhalb des Quantum Realms erneut wie ein bunter LSD-Trip, während das unentwegte Spiel mit wechselnden Größenverhältnissen, blitzschnellen Transformationen menschlicher Körper, Insekten oder beliebiger Gegenstände und Objekte diverse wahnwitzige Szenen mit sich bringt. Damit ist Ant-Man and the Wasp letztendlich vor allem ein kalkulierter Stimmungsaufheller, der mithilfe von spaßiger, seichter Kurzweil zwischenzeitlich wieder die Sonne im MCU scheinen lässt, nachdem es zuletzt Thanos war, der sich deren Aufgang mit diabolischer Gelassenheit ansah. Von dem fehlt allerdings, wie bereits erwähnt, jegliche Spur.

Ant-Man and the Wasp ist ab dem 26. Juli 2018 im Kino zu sehen.

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