Kritik: Downsizing (USA 2017)

© Paramount

Downsizing is about saving yourself. We live like kings.

Stell dir vor du wärst 12cm groß. Was würdest du tun? Anhand dieser sicherlich nicht neuen, aber dennoch kreativen und interessanten Prämisse, entwirft Regisseur Alexander Payne eine gesellschaftskritische Tragikomödie, die leider keinem ihrer Bestandteile wirklich gerecht wird. Dieses Werk nennt sich Downsizing und sein Titel ist gleichsam der Name eines wissenschaftlichen Wunders, einer neuartigen Methode, die es erlaubt alles und jeden in eine Miniatur seiner selbst zu verwandeln – mit Ausnahme einiger Fische und Meeresfrüchte. Verkauft wird dieser Durchbruch in der Forschung als Rettung der Menschheit. Klimaerwärmung, Überbevölkerung, Wasser- und Nahrungsknappheit – alle Probleme scheinen wie weggewischt, wenn der Mensch plötzlich nur noch einen Bruchteil seiner vorherigen Größe einnimmt.

Dem Ottonormalbürger dient diese Argumentation nur als fadenscheiniger Vorwand, was Downsizing plakativ, aber dennoch treffend auf den Punkt bringt. Stärker wiegt dabei vor allem der finanzielle Aspekt, denn selbst wer im echten Leben mehr schlecht als recht um die Runden kommt, wird in den zahlreichen Miniaturgemeinden spielend zum Multimillionär. Auch Paul und Audrey Safranek (Matt Damon und Kristen Wiig, darstellerisch der Inbegriff von Mittelmaß) erliegen der Verlockung. Gerade in seiner ersten Hälfte ist Downsizing dabei auf eine angenehme Art und Weiße altmodisch, eben klassisches Erzählkino, wie man es heutzutage leider immer seltener erleben darf. Behutsam etabliert Regisseur Payne Szenario und Figuren, porträtiert innere Konflikte und lockert die Geschehnisse dazwischen ein ums andere Mal mit pointiertem Humor auf.

Dabei ist Downsizing zunächst vor allem eins, nämlich sympathisch. Alexander Payne, seines Zeichen Fachmann für die gekonnte Synergie von Drama und Komödie, nimmt sich die Zeit seine Grundidee gebührend in Szene zu setzen und zudem ein sicheres Fundament für das satirische Potential der Ausgangslage zu festigen. Seinen Höhepunkt findet Downsizing in einer Szene, die den komplexen Prozess des Schrumpfens mit liebevollen Details anreichert, auf interessante Weiße mit den Gedanken des Zuschauers spielt und zudem für präzise Lacher sorgt. Danach kommt es zu einem heftigen Bruch und Payne verlagert das Geschehen vom Gesellschaftlichen ins Private. Anstatt tiefer im satirischen Potential seiner Idee zu graben, erzählt er fortan die Leidensgeschichte von Paul, der langsam aber stetig zum liebenswerten Trottel mutiert. Ab diesem Zeitpunkt geht es weniger um größere Zusammenhänge, wenige um die vielversprechende Welt. Stattdessen tritt ein banales Einzelschicksal in den Mittelpunkt, anhand dessen natürlich alsbald die Schattenseiten des kleinen Daseins aufgezeigt werden – ebenso erwartungskonform wie zahm.

Die Prämisse rückt dabei nach und nach in den Hintergrund, verkommt selbstzweckhaft zum Inhalt einiger billigen Sprüche und schwebt ansonsten seltsam unbeteiligt über dem Geschehen. Die ungenutzten Möglichkeiten nehmen zusehends frustrierende Dimensionen an, während die gesellschaftskritischen Anleihen im Nichts verpuffen. Über weite Strecken agiert Downsizing furchtbar mutlos. Eine Satire also, die sich nicht traut, dorthin zu gehen, wo es wehtun und ihre Zuschauer durchgehend in deren Komfortzone verweilen lässt. Das wäre zu verschmerzen, würde Payne wenigsten den tragisch-komischen Aspekt seiner Geschichte geltend machen – doch auch der verflüchtigt sich zusehends in der Belanglosigkeit seiner uninteressanten Figuren. Was bleibt ist eine sehenswerte erste Hälfte, die den Film trotz aller Bemühung nicht aus dem unteren Durchschnitt hinaushieven kann.

Downsizing läuft seit dem  18.01.2017 in den deutschen Kinos.

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