Kritik: Planet der Affen: Survival (USA/CAN/NZ 2017)

© Fox

I did not start this war. I offered you peace. I showed you mercy. But now you’re here. To finish us off… for good.

Was 2011 mit Planet der Affen: Prevolution begann, findet in diesem Jahr mit Planet der Affen: Survival seinen krönenden Abschluss. Wer hätte gedacht, dass sich die Planet-der-Affen-Reihe mit zum Besten entwickeln würde, was das Blockbusterkino des neuen Jahrtausends zu bieten hat? Allein der Prequel-Ansatz der Serie, die Vorgeschichte zum Sci-Fi-Klassiker aus dem Jahre 1968 erzählen zu wollen, weckte natürlich erst einmal den Verdacht, dass es sich bei Planet der Affen: Prevolution lediglich um ein weiteres Symptom der in Hollywood grassierenden Ideenarmut handeln würde. Letztendlich zeigt die Trilogie jedoch wie Franchise-Kino im Zeitalter stetiger Reboots, Remakes, Pre- und Sequels funktionieren kann – und glücklicherweise lässt auch der dritte Teil qualitativ nicht nach: Matt Reeves Planet der Affen: Survival ist bildgewaltiges, politisch angehauchtes Unterhaltungskino, das eine stetige Charakterentwicklung über groß angelegte CGI-Materialschlachten stellt.

Der Krieg Mensch gegen Affe ist in vollem Gange. Zwei Jahre nach dem Verrat durch Koba (Toby Kebbell) lebt Caesar (Andy Serkis) mit seinem Affen-Clan gut verschanzt in den dichten Wäldern Nordamerikas. Doch Ruhe findet die Kolonie auch hier nicht, denn der fanatische Colonel (Woody Harrelson) macht mit seiner Spezialeinheit Jagd auf die Primaten. Als durch einen Verrat aus den eigenen Reihen die versteckte Hauptbasis der Affen angegriffen wird, und auch Caesar einen schrecklichen persönlichen Verlust erleiden muss, sieht sich der Anführer zum Handeln gezwungen und bricht mit Maurice (Karin Konoval), Luca (Michael Adamthwaite) und Rocket (Terry Notary) auf, um sich an dem wahnsinnigen Militär zu rächen…

Dicht gedrängt stapft ein schwer bewaffneter Trupp durch das Dickicht des Waldes. Auf den Helmen Schriftzüge wie „Bad Monkey“ oder „Monkey Killer“. Mit dieser Szene, die Erinnerungen an einschlägige Vietnam-Kriegsfilme weckt, beginnt Matt Reeves Planet der Affen: Survival. Der Kampf Mensch gegen Affe geht also in die finale Runde. Ein eröffnender Kamerablick lässt die bekannten Muster jedoch ins Wanken geraten, denn unter dem Soldatentrupp lassen sich auch Affen ausmachen, die als Späher oder Lastenträger den Menschen zur Seite stehen. Bereits in den Vorgängern Prevolution und Revolution verschwammen die Grenzen zwischen Ideal und Wahn im Überlebenskampf. Diese selbstzerstörerische Tendenz hat auch das Affenkollektiv längst erreicht. Das Nachwirkungen des Putschversuches durch Koba haben das Lager der Primaten vollständig entzweit. Viele der ehemaligen Anhänger haben sich nach dessen gescheiterter Revolution in die Reihen der Menschen geflüchtet. Hier werden sie, mit Schmähnamen versehen, als Arbeitstiere geduldet, aber nicht respektiert. Caesars Leitspruch „Apes Together Strong“ wird zur inhaltsleeren Floskel, die im Film immer wieder gebetsmühlenartig vorgetragen, aber nicht einmal mehr vom Oberhaupt eingehalten wird.

Besonderes Augenmerk wird dabei auf eine stetige Weiterentwicklung des Affenclan-Anführers Caesar gelegt, der von Andy Serkis wieder einmal brillant verkörpert worden ist. Caesar, dessen Fell langsam zu ergrauen beginnt, wirkt nur noch wie ein Schatten seines früheren Ichs. Der Glaube an eine funktionierende Co-Existens mit den Menschen ist einer stetig wachsenden Kriegsmüdigkeit gewichen. Vollends bröckelt dessen überaffengroße Fassade jedoch mit einem großen emotionalen Verlust, den Caesar in Planet der Affen: Survival erdulden muss. Dessen stoische Arbeit für das größere Wohl muss menschlich-egoistischen Zielen weichen. Es ist ein großartiger Dreiakter der Figurenentwicklung, den Serkis über die Jahre mit seiner wohl beeindruckendsten Figur verwirklichen konnte und die nun in Matt Reeves Planet der Affen: Survival ihren gerechten Abschluss findet.

Planet der Affen: Survival hätte wohl der düsterste Blockbuster der Reihe werden können. Wenn die Affen unter unmenschlichen Bedingungen in engen Käfigen gehalten werden, ihnen Essen und Trinken verweigert wird und sie unter Aufsicht der Überläufer körperliche Schwerstarbeit für einen militanten Fanatiker verrichten müssen, mutiert der Sommer-Blockbuster plötzlich zum unangenehm realitätsnahen Affen-KZ-Drama. Dieser düstere Ton wird jedoch immer wieder durch den Comic-Relief-Charakter „Bad Ape“ (Steve Zahn) unterbrochen. Zwar ist dieser alte Schimpanse nicht per se unsympathisch, dennoch sorgen dessen alberne Auftritte dafür, dass der Film stellenweise zwischen düsterem Drama und der Kriegsgefangenen-Sitcom Ein Käfig voller Helden unentschlossen hin- und herschwankt.

Fazit: Trotz kleinerer Unstimmigkeiten ist Matt Reeves Planet der Affen: Survival ein fantastischer Sommer-Blockbuster und ein gelungener Abschluss der Planet-der-Affen-Prequel-Trilogie.

Planet der Affen: Survival  startet am 03.08.2017 in den deutschen Kinos.