Kritik: T2 Trainspotting (GB, 2017)

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20 Jahre sind vergangen, seitdem Renton (Ewan McGregor) seine besten Freunde nach einem Drogendeal sitzen gelassen und sich mit dem erbeuteten Geld nach Amsterdam abgesetzt hat. Sag Ja zum Leben, hieß es im Schlussakkord von Danny Boyles Kultfilm. Aber was passiert, wenn das Leben nicht Ja zu einem zurücksagt? Dieser Frage geht nun T2 Trainspotting nach, denn obwohl es die vier immer wieder probiert haben, stehen sie 20 Jahre später eigentlich genau dort, wo sie angefangen haben. Vielleicht nicht mehr an der Nadel, dafür jedoch auf Kokain. Irgendwann zu Geld gekommen, aber doch wieder alles verbraten. Nicht immer allein gewesen, aber letztlich doch nur eine Exfrau mit Kind, das man nie sehen darf. Die Zeiten haben sich geändert, doch für die Hauptfiguren bleibt alles beim Alten.

Schon in der ersten Einstellung findet Boyle ein gelungenes Bild dafür. Damals ist Renton davongelaufen, nun befindet er sich am Laufband und tritt auf der Stelle. Dem Film selbst geht es dabei sehr ähnlich. Auch der tritt erzählerisch auf der Stelle und hat erwartungsgemäß recht wenig mitzuteilen. Rein inhaltlich wäre das nicht weiter schlimm, zeichnet sich der Vorgänger doch gerade dadurch aus, dass er weniger eine Geschichte im klassischen Sinn erzählen wollte, sondern vielmehr am Aufarbeiten eines Lebensgefühls, am Porträtieren eines Sujets interessiert schien. Problematisch wird es dann, wenn es auch über die Figuren nichts Neues zu berichten gibt und obgleich das Wiedersehen durchaus Freude bereitet, muss man sich doch eingestehen, dass T2 Trainspotting dem nur wenig hinzuzufügen hat.

Überhaupt scheint Danny Boyles Verlangen abermals einen Kultfilm abzuliefern omnipräsent im Raum zu schweben. Mit langen Montagen, schnellen Schnitten, grellen Filtern und unkonventionellen Bildern versucht er dem Zeitgeist gerecht zu werden und dem Film einen aktuellen Stempel aufzudrücken. Das ist der richtige Ansatz und stellenweise gelingt es ihm durchaus einige treffende Erkenntnisse in Bildern zu verpacken. Auf den kompletten Film bezogen ist das jedoch leider zu wenig und oftmals erscheinen seine Bilderfluten eher krampfhaft forciert, als tatsächlich gewinnbringend und aussagekräftig. Die gelungenen Einzelmomente, mal auf absurde Weiße amüsant, dann wiederum bitterböse, wollen im Gesamtkontext leider nie zu einer Einheit werden und so wirkt der Film final auch reichlich zerfahren.

Am gewichtigsten wiegt wohl leider Boyles Unvermögen sich vom Vorgänger zu distanzieren. Ja, Nostalgie ist zwar in Mode und kann durchaus funktionieren, doch scheint der Regisseur schlichtweg damit zu übertreiben. Ein ums andere Mal reicht es nicht aus die Figuren breit über die Vergangenheit sinnieren zu lassen, nein, es braucht sogar Bildmaterial aus dem Vorgänger. Dabei hilft es auch nichts, dass der Film diese Rückbezüge selbst zum Thema des Films macht und auf einer Meta-Ebene in die Handlung verwebt. Letztlich ist T2 Trainspotting sicherlich nicht das schlechteste Sequel der letzten Jahre, gemessen an den Erwartungen aber eines der Enttäuschendsten. Für unterhaltsame zwei Stunden im Kinosessel reicht es allemal, die Erwartungshaltung sollte man jedoch runterschrauben.

T2 Trainspotting startet am 16. Februar 2017 deutschlandweit in den Kinos.