Kritik: The Jungle Book (USA 2016)

© Disney

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You change your hunting ground for a few years, and everyone forgets how the Law works. Well, let me remind you. A man-cub becomes a man, and man is forbidden!

Wenn Bär Balu Probiers mal mit Gemütlichkeit in Disneys Zeichentrick-Klassiker von 1967 anstimmt, gibt es kein Halten mehr. Kaum ein Song ist so im kollektiven Gedächtnis für Entspannung und Wohlfühlen eingebrannt, nicht umsonst ist Das Dschungelbuch nach wie vor der erfolgreichste Film (nach Besucherzahlen) der je in Deutschland im Kino lief. Satte 49 Jahre später hat es sich nun Regisseur und Schauspieler Jon Favreau (Iron Man) zur Aufgabe gemacht eine Neuauflage des weltweit bekannten Filmes, ebenfalls unter der Schirmherrschaft von Disney, in die Kinos zu bringen. Mit fantastischen Animationen, abgesehen vom jungen Mogi (Neel Sethi) sind alle Tiere sowie der komplette Dschungel im Computer entstanden, fühlt man sich sofort in eine andere Welt gezogen, die in sich wunderbar stimmig ist. Problematisch ist nur dass Favreau sich nicht so recht entscheiden konnte ob er sich vom Disney-Klassiker entfernen oder doch lieber eine Hommage an ihn machen möchte. So ist der spannend-rasante The Jungle Book vor allem ein Fest für die Augen (und in der englischen Originalversion für die Ohren!), der aber oft nicht den richtigen Ton zwischen kindlicher und erwachsener Unterhaltung zu treffen weiß und so etwas ziellos daherkommt. Für einen spaßigen Kinobesuch mit der (etwas abgehärteten) ganzen Familie, taugt das 3D-Spektakel aber allemal.

Nachdem der Panther Baghira (Ben Kingsley) das junge Menschenkind Mogli (Neel Sethi) im tiefsten Dschungel findet, zögert er nicht lange und bringt ihn zu seiner eigenen Sicherheit zum Wolfsrudel unter der Leitung von Akela (Giancarlo Esposito). Als vollwertiges Mitglied des Rudels fällt es dem Jungen schwer sich den Verhaltensweisen eines Wolfes anzupassen und als der bösartige Tiger Shir Khan (Idris Elba) von ihm erfährt und damit droht Mogli zu töten, gibt es nur einen Ausweg: Mogli muss zurück zu den Menschen. Doch auf dem Weg zur Siedlung treffen er und Baghira nicht nur auf die hypnotische Riesenschlange Kaa (Scarlett Johansson), sondern auch auf den verrückt-paranoiden Riesenaffen King Louie (Christopher Walken), der von Mogli unbedingt erfahren möchte wie man Feuer macht…

Eine Warnung vorweg: Wer mit der Erwartungshaltung eines vorlagengetreuen Remakes des Zeichentrickfilms ins Kino geht, wird enttäuscht werden, denn in The Jungle Book wird kaum gesungen, auch wenn Balu kurz über die Bear Necessities trällern und King Louie anstimmen darf, wie gern er ein Mensch wäre. Allgemein sind die Profile der Dschungelbewohner doch deutlich von der Vorlage entfernt, so agiert vor allem Balu als verfressener Bär viel egoistischer und zu seinem eigenen Vorteil bedacht, bevor sich zwischen ihm und Mogli eine ungleiche Freundschaft entspinnt. Hier liegt dann auch gleich der größte Kritikpunkt des Films: Anstatt sich komplett von allem Vorhergehenden zu befreien und eigene Akzente zu setzen, bedient sich Jon Favreau immer wieder bei der filmischen Vorlage, die dem Erzählgestus und dem Voranschreiten der Geschichte eher abträglich wirkt. Das ist vor allem auch in der gezeigten Gewalt in einigen Szenen zu spüren, Eltern sollten auf jeden Fall gewarnt sein, The Jungle Book spart nicht an schaurigen Momenten und hat selbst den ein oder anderen Redakteur in der Pressevorführung aus dem Kinosessel gehoben (auch wenn sich die FSK schlussendlich fragwürdigerweise für eine Freigabe ab 6 entschieden hat).

Das soll aber nicht heißen dass The Jungle Book ein schlechter Film ist. Schon von der ersten Minute an, wenn Mogli mit seinen Wolfsbrüdern durch die Bäume jagt, ist das Tempo hoch. Der fantastisch animierte Dschungel macht unglaublich viel her und gerade in 3D ergibt sich eine wunderbar organische Welt, die durch die interessanten Tiere nur noch lebendiger wird, auch wenn die Gratwanderung zwischen Realismus und Cartoon teilweise nicht ganz gelingt. Doch vor allem die Tiere, beziehungsweise die Stimmen, geben dem Film schlussendlich den nötigen Raum für Interaktion mit Schauspieler Neel Sethi, welcher als Debütant eine ordentliche Leistung abliefert. Ben Kingsley als Baghira, Bill Murray als Balu Scarlett Johansson als Kaa oder Christopher Walken als King Louie – alle Vertonungen füllen die Charaktere mit unglaublich viel Leben (ich rate unbedingt zur Sichtung der Originalversion!) und es macht einfach nur Spaß dabei zuzusehen wie fantastische Animation auf großartige Vertonung trifft. Da stören die Ausflüge in die Songs von damals fast schon, denn hätte Favreau hier die nötige Kaltschnäuzigkeit an den Tag gelegt und sich noch mehr von der Vergangenheit gelöst wäre aus einem guten Film bestimmt noch mehr geworden, so wirkt die erzählerische Unausgeglichenheit schwerer als die (wenn auch tolle) Erinnerung von damals.

Fazit: Rasant-unterhaltsamer Spaß für einen Familienbesuch im Kino, dem das Herz am rechten Fleck leider etwas fehlt…