Meine Lieblingsfilme 2012: Souli stellt seine 10 Favoriten vor

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Das Kinojahr 2012 neigt sich dem Ende entgegen. Zeit, sich noch einmal an all die guten und weniger guten Filme zu erinnern, die man sich dieses Jahr zu Gemüte geführt hat und seine persönliche Top 10 zu küren. Hier also meine persönlichen Highlights des Kinojahres 2012:

Platz 10: „Cosmopolis“

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Robert Pattinson reißt sich von seinem verhassten Twilight-Image los und dreht mit David Cronenberg eine Art „Apocalypse Now“ des Finanzmarktmillionärs Eric Packer. Eric Packer hat nur ein Ziel: Den Friseur. Doch das Ziel scheint unerreichbar, ähnlich wie Captain Willard treibt er durch eine besudelte Stadt, Demonstrationen versperren ihm in seiner geräumigen Limousine den Weg, Frauen kommen und gehen und die Gespräche um Sex wie der Akt selbst sind immer vertreten. Wenn Packer am Ende auf Benno Levin, gespielt von einem genialen Paul Giamatti, trifft, der Colonel Kurtz-Verschnitt aus Don DeLillos Romanvorlage, dann kommen wir zu einem 20 minütigen Dialog, der mit zu den besten überhaupt zählt. „Cosmopolis“ lebt im Allgemeinen von seinen geschliffenen Dialogen, doch in diesem Moment wird das Ganze auf den eisigen Höhepunkt getrieben.

Platz 9: „Prometheus“

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Die Erwartungen an Ridley Scotts „Prometheus“ waren schlichtweg astronomisch. Die Hoffnungen auf ein kommendes Meisterwerk à la „Alien“ seit den ersten bewegten Bildern tief verankert, doch die Realität sieht mal wieder anders aus, dabei ist die eingetroffene Ernüchterung gar nicht so gravierend, denn Scott hat mit „Prometheus“ alles andere als einen schlechten Film abgeliefert. In erster Linie ist es schon erfreulich, dass „Prometheus“ sich äußerlich zwar genüsslich in den bebenden Bockbuster-Mantel kuschelt, ihn aber nicht zwanghaft ausfüllen möchte. Antworten auf den Ursprung, auf den Sinn des Lebens und den Schöpfer der Menschheit gibt es hier zu keiner Sekunde, vielmehr stellt „Prometheus“ am laufenden Band neue Fragen, die ihrer bahnbrechenden Auflösung nachjagen, daraufhin aber von neuen Fragen erdrückt werden. Und genau das macht den großen Reiz des Filmes aus. Scott hat keine Antworten, natürlich nicht, aber begeht nicht den Fehler, uns noch mehr Humbug zu servieren und lässt jede Menge Gedankenspielraum für den Zuschauer. Teil 2 ist in diesem Fall sehr gerne gesehen.

Platz 8: „Verblendung“

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David Fincher zählt nicht nur zu den stilsichersten Regisseuren seiner Zeit, er kann auch handlungstechnisch zumeist punkten und seine Geschichte in hervorragender Art und Weise inszenieren. Mit „Verblendung“ nahm sich Fincher dann der schwedischen Krimi-Vorlage an und erzielte genau diese Symbiose in exzellenter Form. Visuell ist „Verblendung“ ein Leckerbissen, die unterkühlten Bilder, der pessimistische und düstere Grundtonus und der exzellente Schnitt von Kirk Baxter und Angus Wall. Dazu wurde der Plot, rundum die Suche nach dem verschwundenen Mädchen, noch packender als vorher umgesetzt und mit Daniel Craig und ganz besonders Rooney Mara fantastisch besetzt. „Verblendung“ ist hochspannend und wunderbar anzusehen. Ein großartiger Krimi.

Platz 7: „Michael“

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In „Michael“ geht es um einen jungen Mann aus der Mittelklasse, der von seinen Nachbarn immer als unauffällig bezeichnet werden würde, in Wahrheit aber ein schreckliches Geheimnis hütet: In seinem Keller hält der pädophile Michael einen kleinen Jungen namens Wolfgang gefangen. Regisseur Markus Schleinzer hat sich da eine Thematik ausgesucht, die leider aktueller denn je ist und uns durch die Nachrichten mit zunehmender Häufigkeit schockiert: Kinder werden entführt, Kinder werden misshandelt, Kinder werden tot aufgefunden. In „Michael“ geht Schleinzer auf die Psyche des Täters ein und fass das Geschehen mit unaufgeregten Normalität an, dass jede offene sexuelle Darstellung vollkommen deplatziert erscheinen würde. Michael ist Arbeiter, Sohn, Freund und doch krankhaft Getriebener, der die verfälschte Vaterrolle in der imitierten Familienidylle ausspielt. Der die Liebe sucht, die er von anderen nicht bekommt. Ein Film der schmerzt, der aufwühlt und einen lange Zeit nicht mehr loslassen wird.

Platz 6: „The Avengers“

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Mit „The Avengers“ hat Joss Whedon DEN Blockbuster des Jahres inszeniert. Das Problem bei Blockbustern ist meistens ja, dass sie zwar tolle Schauwerte zu bieten haben, CGI-Effekte die alles andere in den Schatten stellen, aber dafür mit flachen Charakteren und eine lahmen Story kämpfen müssen. In „The Avengers“ ist das alles anders, nur sollte man hier kein komplexes Charakter-Mosaik mit vielfältiger Story-Grundlage erwarten, in erster Linie ist das hier immer noch ein Unterhaltungsfilm. Dafür aber ein richtig, richtig guter! Mit den charismatischen Figuren Iron Man, Thor, Black Widow, Hawkeye, Captain America und Hulk ziehen wir in den Kampf gegen Loki und seine Welträummächte. Ein Feuerwerk an Spaß, Action und Spannung wird entfacht und zieht jeden in seinen Bann. 150 Minuten beste Unterhaltung ohne Durchhänger sind hier absolut garantiert.

Platz 5: „We Need to Talk About Kevin“

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Wieder ein schwieriges Thema. Lynne Ramsay erzählt uns hier von der Mutter eines Amokläufers und springt durch die Zeiten, um den zeitlichen Punkt zu finden, an dem ihre mütterliche Erziehung grundlegend versagt hat. We Need to Talk About Kevin“ macht nicht den furchtbar dummen Fehler, seiner soziopathischen Titelfigur ein abgestandenes Motiv zu verleihen. Lynne Ramsay empfängt uns mit einem herkömmlichen Familienbild. Zwei Menschen verlieben sich, zwei Menschen lieben sich, zwei Menschen freuen sich auf die Geburt. Ist Kevin allerdings erst mal auf die Welt gekommen, bahnen sich die schwerwiegenden Probleme an. Schreie werden mit dem übertönende Hämmern des Presslufthammers kompensiert, das Wort „Mami“ geht ihm nicht über die Lippen und ein Blick in die Augen des Erstgeborenen offenbart keinen kindlichen Frohsinn, sondern nur die innere und unerklärliche Leere des Seins. Wer trägt die Verantwortung? Wo darf man mit den Schuldzuweisungen beginnen? „We Need to Talk About Kevin“ lässt den Zuschauer konsequent im prasselnden Regen stehen, die Sprachlosigkeit siegt, die Lakonie zieht ihre Wellen und die surrealen wie symbolischen Zwischensequenzen entfernen sich von einer schlüssigen Replik, gehen die schwierige Thematik aber so bestmöglich an.

Platz 4: „Shame“

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Hypersexualität, auch Sexsucht genannt. In den meisten Fällen nur belächelt, zeigt Steve McQueen in „Shame“ wie das Leben eines solchen Menschen aussieht. Steve McQueen inszeniert mit „Shame“ einen durch und durch kalten Film. Kaltes Aussehen, kaltes Handeln und kaltes Innenleben. Gefühle werden hier nur selten gezeigt, eigentlich erst gegen Ende. Das hat es dann allerdings extrem in sich, oder besser gesagt, die letzten 15-20 Minuten. Die brennen sich ins Gedächtnis und setzen dem Film in Sachen Eindringlichkeit noch die Krone auf. „Shame“ lässt sich kaum als Charakterstudie bezeichnen, vielmehr schenkt McQueen uns einen Einblick in eine Welt, die aus Einsamkeit, Sex und Verlorenheit besteht. Eine Welt, die uns fremd erscheinen mag, dafür sorgt auch die exzellente Inszenierung, uns aber trotzdem unglaublich interessiert und viel abverlangt. Dazu gibt es noch einen hervorragenden Michael Fassbender in der Hauptrolle, der „Shame“ zu einem der besten Filme des Jahres 2012 macht.

Platz 3: „Killer Joe“

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William Friedkin ist den meisten Filmliebhabern gerade für „French Connection“, „Der Exorzist“ und auch „Leben und Sterben in L.A.“ bekannt. Darüber hinaus hat der Altmeister jedoch nichts wirklich Nennenswertes mehr auf die Reihe bekommt und sich gerne im Durchschnitt herumgetummelt. Das Friedkin jedoch noch ordentlich Saft auf dem Stift hat, bewies er mit seinem White Trash-Bastard „Killer Joe“. Friedkin zieht uns mitten in den Trailerpark und lässt das besudelte Feeling der perspektivlosen Individuen ungeschönt in ihr eigenes Verderben rennen. Mit Emile Hirsch, Juno Temple, Gina Gershon, Thomas Haden Church und ganz besonders Matthew McConaughey ist „Killer Joe“ hervorragend besetzt. Ein cooler, abstoßender und einfach explosiver Fausthieb der fiesesten Sorte.

Platz 2: „Drive“

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Skorpionjacke, Lederhandschuhe, Zahnstocher und geballte wie wortkarge Coolness. Dass ist Ryan Gosling als Driver in Nicolas Winding Refns „Drive“. Mit beeindruckender Stilsicherheit, grandiosen Kamerafahrten und dem wunderbaren Soundtrack hat Refn hier ein Jahrhundertwerk erschaffen. Sicher hat sich der Däne an vielen Ecken und Enden bedient (Wer tut das heute nicht?), doch die Handschrift, die „Drive“ durchgehend trägt, ist eine ganz eigene. Ryan Gosling wird zur Mischung aus Travis Bickle und Jeff Costello und doch ist er ein Charakter, der sein Interesse durch eigene Reize erlangen kann. Ein Blick in seine Augen genügt, Worte sind unnötig. „Drive“ ist wunderschönes und brachiales Kino der unvergesslichen Sorte.

Platz 1: „Dame König As Spion“

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Für die einen eine pure Schlaftablette, für die anderen eine Großtat der Extraklasse. „Dame König As Spion“ ist für mich meine klare Nummer 1 aus dem Jahr 2012. Tomas Alfredson, der schon durch sein Vampir-Drama „So finster die Nacht“ auf sich aufmerksam machen konnte und zusammen mit Nicolas Winding Refn und Steve McQueen zu den großen Hoffnungen der Zukunft zählt, hat hier ein komplexen, kühlen und brillant erzählten Spionage-Thriller inszeniert, der seine Klasse erst nach mehreren Sichtung vollkommen entfalten kann. Zu viele Details, zu viele versteckte Einzelheiten lassen sich immer wieder entdecken. Dazu gibt es noch mit Gary Oldman, Tom Hardy, Colin Firth, Mark Strong, Benedict Cumberbatch, John Hurt und Stephen Graham den wohl besten Cast des Jahres. Was für ein Meisterwerk.