Malmö bei CinemaForever: Von Supercomputern und Holzfällern – Unser filmischer Song Contest

Autoren: Pascal Reis, Sebastian Groß

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Gestern saß die deutsche Fernsehnation gespannt vor der Flimmerkiste und sah sich wie jedes Jahr an, wie Bands und Interpreten aus ganz Europa um den Sieg beim Eurovision Song Contest trällerten. Musik zieht die Menschen halt in ihren Bann. Schön. Nur blöde, dass wir ein Film-Blog sind. Aber, wir wissen uns zu helfen. Wir haben in den Nachwehen der gestrigen Mega-Veranstaltung 24 Songs zusammengetragen und machen ganz einfach unseren eigenen kleinen Cinema Forever Song Contest. Wer sich jetzt schon euphorisch darauf freut, hier Musicals zu finden, den müssen wir enttäuschen. Wir haben nur Filme genommen, die kein Musical sind. Uns geht es um das Lied, weniger um die Inszenierung. Okay, das ist ganz weit weg vom Eurovision Song Contest, aber dass hier ist ja auch nicht Europa. Das hier ist Cinema Forever.

23. (T)RAUMSCHIFF SURPRISE – PERIODE 1 – Miss Waikiki

Beginnen wir gleich mit etwas sehr schrägem. So schräg und dabei nicht sonderlich lustig, dass es einfach zu einem Song Contest gehört. Die Crew des (T)Raumschiffs darf ohne Rhythmus, dafür aber mit hoher Tuntigkeit ein kleines Liedchen singen. Danke. Aber jetzt runter von der Bühne, bevor sie auch noch mit Stefan Raab diesen „Space Taxi“-Song einstimmen.

22. BEAN – DER ULTIMATIVE KATASTROPHENFILM – Yesterday

Okay, jeder kennt „Yesterday“ von den Beatles und jeder ist bestimmt schon mal alleine oder mit einem Freund volltrunken nachts über die Straßen gewankt. Genau deswegen haben wir uns für hier für entschieden. Zwar ist es irgendwie seltsam, dass Mr. Bean hier so „gesprächig“ ist, aber wenn er mit seinem betrunken Freund über die Straßen wankt und den Sternen und dem Bordstein sein Leid in Form von „Yesterday“ klagt, dann kommt einem dies doch irgendwie vertraut vor. Kunstfiguren sind halt auch nur Menschen.

21. TED -Donner-Song

Naja, der „Donner-Song“ aus der vulgären Komödie „Ted“ ist wohl inzwischen jedem Menschen bekannt, der sich hin und wieder mal durch die Unweiten des World Wide Web tummelt. Weil Mark Wahlberg in seiner Kindheit Angst vor dem Donner hatte, hat er zusammen mit seinem flauschigen Kumpel immer ein Lied gesungen, wenn es mal wieder zu einem solchen Fall kommen sollte. Naja, was beim ersten Anlauf noch im Ansatz amüsant war, ist dank dem unendlichen Hype nur noch mit einem gelangweilten Schulterzucken zu konsumieren. Nein, dieser Song ist wirklich nicht für die Ewigkeit und deswegen zu Recht in unserer Liste weit hinten angesiedelt.

20. LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH – Beyond the Sea

Ewan McGregor hat sich schon durch Baz Luhrmanns „Moulin Rouge“ geträllert. Doch schon vorher konnte der geneigte Zuschauer zeuge seiner Singstimme werden. In Danny Boyles „Lebe lieber ungewöhnlich“ toniert der Schotte den Klassiker „Beyond the Sea“. Es ist das Hingebungsvolle, das Unperfekte und das Träumerische, was seine Interpretation für uns so wohlwollend macht. Dennoch sind wir froh darüber, das McGregor für „Moulin Rouge“ dann doch ein bisschen Gesangstraining bekam.

19. CHILLERAMA – Love bit me on the ass

Das gewollt schlechte Trashfest „Chillerama“ bietet unzählige Abscheulichkeiten, der finale Schlusssong „Love bit me on the ass“ gehört aber nicht dazu. Dieses Stück Musik hat Klasse und geht gleichermaßen ins Ohr sowie in die Beine. Los, ab auf die Tanzfläche und Spaß haben. Einfach den Stress des Alltags vergessen. Alles wegtanzen was einen belasten. Zombies, Werbären, riesengroße Spermien die Menschen fressen, dies alles ist unwichtig im auditiven Rausch von “Love bit me on the ass“.

18.SCREAM 2 – I think I love you

Als kleiner, dicker Junge wurde Jerry O’Connell in der hervorragende Stephen King-Verfilmung „Stand By Me“ bekannt, auch wenn er bis heute nie zur A-Riege der Darsteller zählen durfte. Sympathisch ist der Gute und seinen Körper hat er auch in eine beachtliche Form gebracht. Doch das ist vollkommen beiläufig, denn viel schöner ist die Erinnerung an seinen Auftritt in „Scream 2“, wo er in einer vollbesetzten Schulmensa „I Think I Love You“ vorträgt und seine Liebe für Sidney Prescott vor versammelter Mannschaft eingesteht. Passt natürlich nicht in das Gesamtkonzept von „Scream“, wirkt aber keinesfalls so befremdlich, wie es sich in diesem Moment anhören mag. Muss man gesehen haben!

17. NIGHTMARE ON ELM STREET – 1,2..3

Stimmt schon. Wenn man an prägende Musikeinlagen der Filmgeschichte denkt, dann springt einem nicht sofort Wes Cravens Klassiker „Nightmare on Elm Street“ ins Gedächtnis. Dabei gibt es hier den wohl berühmtesten Kinderreim der Horror-Geschichte von einigen Mädchen beim Seilchenspringen vorgetragen. Und wenn die kleinen Mädels singen, dann wird klar, die Realität ist dem Traum gewichen und egal wo wir uns gerade befinden: Wir sind in Lebensgefahr. Deswegen bloß nicht einschlafen, die Scherenhände klopfen schneller an der Zimmertür, als man es sich erwünscht. 1,2, Freddy kommt vorbei…

16. EINE HOCHZEIT ZUM VERLIEBEN – Do you really want to hurt me

Ursprünglich sollte aus der liebenswerten RomCom der Song „Somebody kill me“ genommen werden, doch dann wäre Adam Sandler hier doppelt vertreten, deswegen haben wir nicht den von Sandler eigens komponierten Song genommen, sondern uns für das Cover des Culture Club Klassikers entschieden. Im Film werden die Partygäste mit diesem Lied regelrecht malträtiert, ähnlich wie es die Radiostationen mit uns an Weihnachten machen, wenn sie Whams „Last Chistmas“ rauf und runter laufen lassen. Wir mögen den Song in dieser Version aber, weil der Interpret anscheinend nur dieses eine Lied kennt und daraus keinen Hehl macht. „Do you really want to hurt me?“ Anscheinend ja. Aber diesen musikalischen Narzissmus wollen wir dennoch mit einer Platzierung belohnen. Auch wenn’s irgendwie schon weh tut.

15. DIE WUTPROBE – I feel pretty

Adam Sandler und Jack Nicholson? Postpubertäre Blödeleien gegen einen gestandenen Hollywoodtitan? Wie das zusammen passt? Naja, eigentlich gar nicht. Doch es gab ein Zusammentreffen dieser beiden Gegensätze in der Sandler-Komödie „Die Wutprobe“, in dem Nicholson den Antiaggressionstrainer Buddy Rydell gibt und in einer Szene Adam Sandler auf befahrener Straße dringlich befiehlt, „I feel Pretty“ aus dem Musical „West Side Story“ im Auto zu singen. Natürlich wird er dabei immer wieder von seinem egozentrischen Gefährten vom Nebensitz unterstützt. Herrlich.

14. TANZ DER TEUFEL – Wir werden dich kriegen

Zugegeben in den Bierzelten wird man dieses Liedchen wohl kaum finden. Aber es beweist, dass auch Dämonen musikalisch sind. Natürlich dient dieser Song dazu, um Angst und Schrecken zu verbreiten, aber dies sind ja auch Emotionen und ein guter Song sollte nun mal Emotionen auslösen. Auch im Remake ist dieses Lied zu finden, auch wenn er aus der Kinofassung verbannt wurde. Macht ja nix, auf DVD und Blu-ray soll er dann wieder zu finden sein. Dann kann man ihn als verantwortungsvolle Eltern seinen Kindern vorspielen, während man mit ihnen Verstecken im dunklen Keller spielt. Musik, die Generationen zusammenführt. Toll.

13. 10 DINGE, DIE ICH AN DIR HASSE – Can’t Take My Eyes Off You

Das waren noch Zeiten: Heath Ledger war noch der australische Schönling, der noch nicht unbedingt in der Filmwelt gekommen war und an seiner Seite war in der Teenie-Komödie „10 Dinge, die ich an dir hasse“ ebenfalls ein Grünschnabel namens Joseph Gordon-Levitt zu sehen. Heute wird man natürlich wehmütig, wenn man an den tragischen und viel zu frühen Abschied von Heath Ledger denkt, doch solche Momente wie seine Performance von „Can’t Take My Eyes Off You“ bleiben ewig. Und schlecht singt der Bursche auch nicht! Wenig überraschend, dass Julia Stiles doch noch Interesse an ihm zeigte.

12. 2001 – ODYSSEE IM WELTRAUM – Hänschenklein

Ganz klar, uns fehlt in der Liste die elektronische Musik. Im Sci-Fi-Meisterwerk von Stanley Kubrick darf der Super-Computer HAL-9000 zeigen, dass nicht nur Kraftwerk gute Sound mit Bits und Bytes zusammen basteln können. Seine Version des Klassikers „Hänschen klein“ verzichtet zwar auf fette Beats und massive Drums, spielt dafür aber mit der Geschwindigkeit des Gesangs und erinnerte fast schon an ein Solo-A-Capella, vorgetragen mit einem leeren Akku. Kein echter Ohrwurm, aber doch irgendwie künstlerisch.

11. ABOUT A BOY – Killing Me Softly

Auch Hugh Grant durfte in seinen Filmen bereits zum Mikrofon greifen, wobei es in diesem Fall eher die Gitarre als Unterstützung vom oft gemobbten Marcus(Nicholas Hoult) war. Um seiner suizidgefährdeten Mutter eine Freude zu machen, meldet sich der kleine Marcus an einem Schülerwettbewerb an und sing ihr Lieblingslied „Killing Me Softly“. Ein Desaster bahnt sich an, die anderen Schüler lachen lauthals, Marcus Stimme gleicht einer Kirchenmaus im Stimmbruch, bis Hugh Grant plötzlich auf der Bühne erscheint und Unterstützung leistet. Kein Wunder, dass „About a Boy“ zu den besten Filmen Hugh Grants zählt, besser und glaubwürdiger war er selten.

10. DIE SIMPSONS – DER FILM – Spiderpig Song

Ja, okay, ein Cover. Spielt aber bei unserem Song Contest eh keine Rolle. Der grandiose Kinoauftritt der gelben Kultfamilie hatte eine schweinische Geheimwaffe: den Spiderpig Song. Angelehnt an das legendäre „Spider-Man“-Theme erschuf der Meister des „Inception“-Horns, Hans Zimmer, einen wahren Meilenstein. Eine Sichtung von „Die Simpsons – Der Film“ reicht aus, um dieses kurze, prägnante Lied für immer im Ohr und damit auch auf den Lippen zu haben. „Spiderpig, Spiderpig. Does whatever a Spiderpig does…“. Brillant.

9. HIGH FIDELITY – Let’s get it on

Dass Jack Black ein toller Musiker ist, wissen wir nicht erst seit „School of Rock“, sondern auch die Songs der eigenen Band „Tenacious D“ haben bereits vollkommen verdienten Kultstatus. Dass Jack Black dazu auch noch ein unheimlich liebenswerter Zeitgenosse ist, wissen wir noch viel länger, denn egal in welchem Film er auch auftreten mag, irgendwie ist er doch immer der heimliche Star und bereitet dem Zuschauer die schönsten Lacher, selbst wenn er hin und wieder übertreibt. In einem seiner besten Filme „High Fidelity“ glänzt er an der Seite von John Cusack und bekommt die Ehre, den Film mit seiner Eigeninterpretation vom berüchtigten Schenkelspreizer „Let’s get it on“ in den Abspann zu wiegen. Eine ganz tolle Szene.

8. SHAME – New York, New York

Nun ja, wer Steve McQueens Anti-Feel-Good-Movie „Shame“ gesehen hat, der weiß, dass man in diesem Film nicht unbedingt seinen Spaß an einer bestimmten Gesangseinlage haben darf. Doch es ist doch eine Szene, die in ihrer zerbrechlichen Emotionalität unglaublich berührt und zu den großen Highlights im eh schon brillanten „Shame“ zählt. Gemeint ist der Augenblick, in dem Carey Mulligan Frank Sinatras „New York, New York“ in einer ganz neuen Version zum Besten gibt und ihrem Bruder (Michael Fassbender) unter den Zuschauern zu Tränen rührt. Das ist ganz großes, tiefgehendes Kino.

7. DER MANN, DER ZUVIEL WUSSTE – Que Sera

Gut, geben wir es einfach mal zu: „Der Mann, der zuviel wusste“ gehört zweifelsohne zu den großen Klassikern in Hitchcocks Œuvre. Mit James Stewart und Doris Day dazu noch mit zwei der größten Stars der damaligen Periode besetzt, konnte eigentlich rein gar nichts für den Master of Suspense schiefgehen. Dabei hat der Film allerdings durch einen anderen Punkt ebenso viel Popularität gewonnen: Nämlich durch Doris Days Song „Que Sera“, der heute allein bei der Titelerwähnung schlagartig durch die Gehörgänge saust. Ob das nun bloße Selbstdarstellung war und Doris Day im Film eh fehlbesetzt wirkt, ist ein anderes Thema. Einen Meilenstein hat sie damit in jeden Fall geträllert.

6. EIN SONG FÜR DICH – Pop goes my heart

„Ein Song für dich“ ist kein wirklich guter Film. Aber darum geht es hier ja auch nicht. Es geht um Lieder und davon hat die RomCom mit Hugh Grant und Drew Barrymore ein ganz besonderes zu bieten. Bereits im Vorspann wird der Zuschauer Zeuge wie Grant als Teil eines Duos der Musik der 1980er frönt. „Pop goes my heart“ heißt der Song und es ist die pure Essenz aus diesem Jahrzehnt. Egal ob Schulterpolster oder Synthesizer, hier wird alles dargeboten was diese Zeit optisch und klanglich ausmachte. So richtig schrecklich. Schrecklich schön.

5. VERRÜCKT NACH MARY – There’s something about Mary

Liebe ist etwas Wunderbares und doch ist sie oftmals kompliziert und voller Melancholie. Jonathan Richman beweist dies mit seinem Titelsong zu „Verrückt nach Mary“. Mit lässiger Verzweiflung führt er das Publikum in die Irrungen und Wirrungen der Liebe ein. Sein Song ist dabei nicht nur eingänglich, sondern auch auf subtile Art und Weise amüsant und besitzt eine der ganz großen Wahrheiten die es zu dieser Thematik gibt, denn wie singt Richman so schön und richtig: „Die Liebe ist ein Aas“.

4. KEIN PARDON – Witzischkeit kennt keine Grenzen

So, jetzt gibt’s mal gute Stimmung pur. Das volle Programm Heiterkeit und Wahnwitz. Wenn der alte Bembel-Popper Heinz Schenk in Hape Kerkelings Medien-Satire „Kein Pardon“ den Titelsong seiner Show singt, dann bleibt keiner auf der Bierbank sitzen. Der Song ist ein Meisterwerk des karikierten Frohsinns, legt er doch die Beschränktheit solcher massenkompatibelen (Erkennungs-)Lieder offen und bohrt mit Wonne noch ein wenig in der Wunde herum. Top. Das gefällt sogar dem lustigen Glückshasen.

3. MANCHE MÖGEN’S HEIß – I Wanna Be Love By You

Schönheit, Grazie und Talent. All das verbindet die Hollywood Legende Marilyn Monroe in so gut wie jedem ihrer Auftritte. Eine Darstellung hat sich jedoch besonders in das kinematographische Gedächtnis eingebrannt: Ihre Performance in Billy Wilders Meisterwerk „Manche mögens heiߓ und die dazugehörige Gesangseinlage ihres „I Wanna Be Loved By You“, in dem sie sehnsüchtig auf die Ankunft ihres heimlichen Liebhabers in einem schmucken Nachtclub wartet. Wie könnte man sich also diese Frechheit erlauben und Monroes prägenden Auftritt einfach rücksichtslos vergessen? Eben, geht gar nicht.

2. MONTY PYTHONS WUNDERBARE WELT DER SCHWERKRAFT – Lumberjack Song

Die britische Komikertruppe mit dem unvergleichlichen Anarcho-Humor konnte schon immer mit ihrem musikalischen Talent glänzen. Was die Truppe allerdings mit ihrem herrlich „Lumberjack Song“ aus der filmgewordenen Gag-Sammlung „Die wunderbare Welt der Schwerkraft“ geleistet haben, ist Kunst in vielerlei Hinsicht. Kunst, die sich nicht in Worte fassen lässt, sondern einfach genossen werden muss, denn Michael Palin als glücklicher Holzfäller, der seinen Chor-Kollegen zum Ende ein offenherziges Geständnis hinlegt, ist einfach unantastbar und hat sich den zweiten Platz in unserer Liste mehr als nur verdient.

1. MAGNOLIA – Wise up

Es ist natürlich schon ein wenig unfair die Besetzung von „Magnolia“ auf Platz 1 zu setzen. Stimmlich reißt keiner auch nur einen Löwenzahn raus und dass sie im Grunde nur dass nachsingen, was Aimee Mann ihnen vorträllert, lässt durchaus auch einen gewissen Betrugsgedanken aufkeimen. Egal. Vollkommen egal. Wenn John C. Reilly, William H. Macy, Tom Cruise und all die anderen Schauspieler singen, dann klingt das wunderschön. Nicht weil sie die Töne treffen, sondern weil es von Herzen kommt. „Wise Up“ von Magnolia-Cast ist für uns das schönste Stück gesungene Musik der Filmgeschichte und deswegen unsere klare Nummer 1.