„Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr“ (USA 2013) – Action bis zum Anschlag

Autor: Jan Görner

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„As a nation we are never stronger than tested.“

Nicht einmal zwölf Jahre. So lange dauert es also, bis auch Hollywood die traumatischsten Bilder des 11. September in den Mythenschatz überführt hat. In seinem Action-Thriller „Olympus Has Fallen“ lässt Regisseur Antoine Fuqua dann auch gleich Fluggeräte ins Washington-Monument und das Weiße Haus und damit in zwei Wahrzeichen amerikanischer Macht krachen. Und unterhält damit prächtig. Dass der „Training Day“-Regisseur dabei moralisch keine Gefangenen macht, lässt sich trotz zweistündiger Materialschlacht nicht übersehen.

Als Agent des Secret Service ist Mike Banning (Gerard Butler) nicht nur für die Sicherheit von Präsident Benjamin Asher (Aaron Eckhart) verantwortlich. Ihn verbindet inzwischen auch eine enge Freundschaft mit dem mächtigsten Mann der Welt. Als eines Winternachts die Limousine des Präsidenten von der Fahrbahn abkommt und in einen Fluss zu stürzen droht, hält sich Banning ans Protokoll: Er rettet Asher das Leben und opfert dafür dessen Frau (Ashley Judd). 18 Monate später: Banning ist inzwischen degradiert und ins Finanzministerium versetzt worden, als nordkoreanische Extremisten das Weiße Haus stürmen und den Präsidenten als Geisel nehmen. Bald findet sich der geschasste Agent als letzte Verteidigungslinie im Amtssitz wieder. Und nicht weniger als das Fortbestehen der freien Welt hängt von seinem Gelingen ab.

Fanatisierte Freischärler, die den globalen Frieden bedrohen, eine tickende Uhr und nur ein einsamer Held, der das Unheil noch aufhalten kann. Die klassischen Grundzutaten zahlreicher Actionfilme der letzten 30 Jahre variiert auch Antoine Fuqua nur geringfügig. Und tatsächlich liegen die Schreiber zahlreicher YouTube-Kommentare, welche hinter den ersten Trailern „Stirb langsam im Weißen Haus“ vermutet haben auch gar nicht so verkehrt. Wenn Banning und sein Gegenspieler (Rick Yune) beispielsweise über Funk versuchen das Gegenüber abzuschätzen, hat das schon deutlich etwas von John McClanes Ein-Mann-Show. Ob dies jedoch als augenzwinkernde Ehrerweisung an den Action-Klassiker gemeint oder dessen Wirkung auf die gängigen Tropen des Actionkinos geschuldet ist, bleibt mitunter unklar. Denn insgesamt nimmt „Olympus Has Fallen“ sich doch sehr ernst.

Den verheerenden Angriff auf das amerikanische Selbstverständnis deutet Fuqua derweil als sinnstiftende Erfahrung. Von der achtlosen Entsorgung der zerschossenen US-Flagge durch die fremden Eroberer bis zur unvermeidlichen Wiederauferstehung des Sternenbanners streut der Regisseur immer wieder heilsame Bauchpinseleien an „God’s Own Nation“. Wenn zum Beispiel eine Geisel zur Erschießung gezerrt wird und dabei trotzig den Fahneneid schreit, wird das nicht nur auf die Alte Welt mitunter befremdlich wirken. Aber es ist diese Symbolkraft, die „Olympus Has Fallen“ (nicht umsonst ein US-Kassenschlager) zu etwas Überlebensgroßem macht.

Andererseits muss es um die USA schlimmer bestellt sein, als man gemeinhin ahnt, wenn sie ein solch pathetisches Motivationsfilmchen nötig hat. Denn dass sein Streifen auch zu einer Lesart einlädt, nach der es Barack Obama ist, der eine feindliche Übernahme des Präsidentensitzes (ganz ohne Gewalt) hinbekommen hat, wird Fuqua hoffentlich nicht entgangen sein. Diverse Internet-Spinner haben den Köder nämlich geschluckt.

Besonders sehenswert ist die 13-minütige Schlacht um das Weiße Haus, welche uns Fuqua in Echtzeit um die Ohren haut. Zwar stößt das rund 70 Mio. Dollar veranschlagte Budget (im Übrigen nicht einmal halb so viel wie Roland Emmerichs PG-13-Konkurrenz „White House Down“) bei einigen CGI-Einstellungen an seine Grenzen, trotzdem ist dies schonungsloses Actionkino, wie es sein muss. Allerdings gelingt es dem Streifen nicht dieses Tempo über die gesamte Spielzeit von 120 Minuten zu halten. Dass in der Folge auch die Story abflacht und sich zu sehr auf bekannte Klischees verlassen wird, schmälert den Eindruck letztendlich doch. Besonders in der letzten halben Stunde scheint „Olympus Has Fallen“ ein wenig die Puste auszugehen.

Gerard Butler, seines Zeichens auch Produzent, ist Dreh- und Angelpunkt der Handlung. Der 43-Jährige, dessen schottischer Akzent zur allgemeinen Belustigung immer wieder mal zu Tage tritt, kommt mit Abstand auf die meiste Leinwandzeit. Morgan Freeman verleiht seiner Rolle als Oberbefehlshaber wider Willen die gewohnte Gravitas, während Aaron Eckhart als Präsident Asher bei Zeiten kaltgestellt wird, um der Rettung durch den in Ungnade gefallenen Butler zu harren. Der gibt einen standardmäßigen, von seinen Entscheidungen heimgesuchten Helden, welcher im richtigen Moment lernt, auf die eigene Kraft zu vertrauen. Dabei wird ohne allzu viel Federlesen das Personal munter reduziert. Dass allerdings auch der nicht allzu saubere Held dabei meuchelt und foltert, um an Informationen zu kommen, lässt Regisseur Fuqua leider völlig unkommentiert stehen. Auch dies weist „Olympus Has Fallen“ als Kind der Post-9/11-Ära aus. Ein Schelm, wer bei dem Titel an den Fall der antiken Großreiche denkt.