"Die Passion Christi" (USA 2004) Kritik – Ein blutiger Leidensweg

„Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.“

null

Im Jahr 2004 polarisierte kein Film die Welt mehr als Mel Gibsons ‚Die Passion Christi‘. Natürlich zog der Film nicht nur die Aufmerksamkeit der Filminteressierten auf sich, sondern auch die der Kirchen. Und die waren in den meisten Fällen so gar nicht zufrieden und erfreut. Gibson kann in Sachen Authentizität und Realismus zwar punkten, vergisst aber jeglichen Tiefgang und serviert uns einen charakterlosen Film.

Bestechen kann ‚Die Passion Christ‘ an erster Stelle durch seine handwerkliche Klasse. Die Kulissen sehen überdurchschnittlich gut aus und vor allem die Bilder von Caleb Deschanel sind atmosphärisch und mit einer feinen Grobkörnigkeit ausgestattet. Die mystisch berührte Musik von John Debney kann sich ebenfalls genau in den Film einfügen und sich gegen Ende nochmal so richtig in seiner ganzen Kraft entfalten.

Der strenge Christ James Caviezel darf Jesus Christus verkörpern und er macht seine Sache sogar verhältnismäßig gut. Das ihm leider keine Vielschichtigkeit zugesprochen wurde, liegt natürlich nicht an ihm oder seinem Schauspiel. Das Beste holt er jedenfalls mit seinem Darstellung raus und bleibt durchgehend glaubwürdig. Mit Maria Morgenstern als Maria und Monica Bellucci als Maria Magdalena ist der Film auch in den Nebenrollen gut besetzt, aber auch ihre Figuren dürfen nicht über den oberflächlichen Tellerrand schauen.

Wir begeben uns direkt in die letzten zwölf Stunden im Leben von Jesus Christus. Als er beim Beten vom Satan heimgesucht wird, ereilt ihm eine Vision und er sieht seine folgenden Stunden. Dem Angebot des Bösen widersteht er jedoch und wird kurz darauf wegen Gotteslästerung vom Volk zum Tode verurteilt. Römische Soldaten foltern ihn und er wird dazu gezwungen, sein eigenes Kreuz durch die engen Gassen von Jerusalem zu tragen, bis zur Schädelstätte Golgatha wo er schließlich ans Kreuz geschlagen wird. Sein Ende ist das jedoch nicht…

Das Mel Gibson ein Katholik der extremeren Sorte ist, haben wir durch den damaligen Pressewirbel zu genüge erfahren. Mit ‚Die Passion Christi‘ teilte er seine ganz eigene Sicht auf die damaligen Geschehnisse der ganzen Welt mit. Dass das auf reichlich Gegenwind stoßen wird, war mehr als nur absehbar.

Zuerst dürfte man sich an der doch ziemlich antisemitischen Haltung stören und Gibsons Interpretation der Bibel in Frage stellen und auch als Fehler ansehen. So verdreht er Handlungen wie Aussagen des Volkes und der römischen Soldaten zu seinen Filmgunsten. Aber auch die Oberflächlichkeit, mit der Gibson die Geschichte erzählt, ist einfach viel offensichtlich und macht den Film im Endeffekt zu simpel. Das Satan dazu auch noch in Gestalt einer Frau gezeigt wird, dürfte viele provozieren und als deutlichen Störfaktor annehmen.

Die Geschichte selbst wird mit einigen Rückblenden bereichert, in denen wir Jesus noch als unbeschwert lebenden Zimmermann sehen. Oder auch seine Vorhersage, das Petrus ihn verraten wird. Das gibt dem Charakter, der wohl selber vielschichtiger nicht sein könnte, keinerlei Tiefe und wir erleben eine Jesus-Darstellung, die durchgehend auf dem gleichen leeren Stand bleibt.

‚Die Passion Christi‘ beschränkt sich ganz klar, wie der Titel verrät, auf den Leidensweg Christi. Und hier kann Mel Gibson die große Stärke des Films auffahren. Denn sind wir ehrlich, zimperlich ging das zu der Zeit mit Sicherheit nicht von Statten und Jesus wurde bestimmt nicht ans Kreuz gestreichelt.

Die Brutalität ist schonungslos und drastisch in Szene gesetzt. Als Zuschauer ist auch der Anblick des Ganzen nicht nur schmerzhaft, sondern man leidet mit dem erniedrigten Messias. Die Kehrseite der Medaille hierbei ist, dass man nicht mit Jesus mitfühlen kann, sondern einen „nur“ die Umstände zerreißen.

Wenn die Soldaten Jesus fast 15 Minuten geißeln und dabei später zu Enterharken greifen, die ihm ganze Fleischbrocken aus dem Leib reißen, dann wird hier mehr als deutlich, in welche Richtung wir uns noch bewegen werden. Dass die Soldaten sich mit Freude das Blut, fast hysterisch beglückt, aus dem Gesicht wischen, ist dann aber doch etwas zu übertrieben. Die Unmenschlichkeit dieser Situation ist auch so schon extrem zu verstehen.

Mel Gibson kennt keine Gnade und zieht diese Darstellung konsequent bis zur Kreuzigung durch. Jesus ist völlig entstellt, blutverschmiert und sein zerfetzter Körper wird ans Kreuz geschlagen. Unnötigerweise werden einige Hammerschläge in Zeitlupe gezeigt. Ob das nun nötig war und das gezielte Herauszögern Sinn der Sache war, ist wohl streitbar und tendenziell eher mit Nein zu beantworten.

Das Gibson seinen Film aber in Hebräisch, Aramäisch und Latein verwirklicht hat, trägt natürlich auch noch seinen Teil zur Authentizität des Films bei, denn in diesem Punkt kann ‚Die Passion Christi‘ auch überzeugen. Wäre da nicht dieser einfache Grat, auf dem man sich immer bewegt, denn der zieht den Film einfach nur runter.

Fazit: ‚Die Passion Christi‘ kann ein authentisches und durchaus realistisches Bild überzeugen. Die Gewalt ist heftig und an manchen Stellen auch zu übertrieben. Die Geschichte selbst bietet keinerlei Tiefgang und Facettenreichtum, genau wie die Charaktere selbst. Als Religions-Fanatiker sollte man sich von dem Film wohl fernhalten, alle anderen dürfen das aber auch gerne tun. Wenn man mitreden will, darf man ihn sich natürlich angucken, denn dann ist das gerechtfertigte Meckern auch vertretbar.

Bewertung: 4/10 Sternen