"Rambo" (USA 1982) Kritik – Ein ewiger Krieg

„Wollen Sie einen Krieg, den Sie nie gewinnen können?“

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Mit dem Namen Rambo betitelt man heutzutage einen Menschen, der sich eher draufgängerisch und grob durch die Welt bewegt. Ein harter Kerl, der am liebsten mit dem Kopf durch die Wand geht und dessen äußere Schale unzerbrechlich scheint. Doch hinter dem Wort Rambo verstecken sich auch noch ganz andere Dinge. Zum einen lässt sich Rambo noch aus dem japanischen als „unstillbare“ oder „unbezwingbare Gewalt“ übersetzen. Auch soll ein amerikanischer Soldat den Namen Rambo getragen haben, der als erstes Opfer im Vietnamkrieg gefallen ist. Was verbindet man aber noch mit dem Namen Rambo? Ganz klar den gleichnamigen legendären Actionfilm ‚Rambo‘ von Ted Kotcheff, aus dem Jahr 1982, basierend auf dem Roman „First Blood“ von David Morrell. Kotcheff inszenierte einen hochspannenden und konsequenten Film, der viel Gesellschaftskritik in sich trägt.

John Rambo ist ein ehemaliger Green Beret, die beste Kampfmaschine seiner Einheit in Vietnam, doch nun konnte er aus seiner Gefangenschaft flüchten und ist im zivilen Leben wieder angekommen. Eigentlich wollte er nur in Frieden leben, doch ein aufdringlicher und übereifriger Kleinstadt-Sheriff ist mit Rambos Gegenwart gar nicht einverstanden und will ihn schnell wieder aus der Stadt vertreiben. Das lässt sich Rambo nicht gefallen und landet darauf im Gefängnis der Kleinstadt, wo ihn die anderen Polizisten wie Dreck behandeln. Er prügelt sich den Weg frei und versteckt sich in den Wäldern, wo ihm der Sheriff bald die Nationalgarde an den Hals hetzt. Für Rambo beginnt ein neuer Krieg, doch seinen schlimmsten Kampf führt er in seinem Inneren…

‚Rambo‘ hat einige starke Naturaufnahmen der schneebedeckten Wälder und der felsigen Landschaft zu bieten. Dabei überzeugt Kameramann Andrew Laszlo mit kraftvollen Kamerafahrten und unaufdringlichen Einstellungen, die das Geschehen rund um die gnadenlose Menschenjagd toll einfangen. Dazu der pochende und eindringliche Soundtrack von Jerry Goldsmith, der den Film wirklich grandios begleitet und die Spannung wie Atmosphäre immer weiter antreibt und dazu natürlich der tolle Song „It’s A Long Road“ von Dan Hill, der ebenfalls fantastisch eingespielt wird und den Film passend abrundet.

Als John J. Rambo ist Sylvester Stallone zu sehen, der hier neben Rocky eine seiner legendären Rollen spielt. Sicher ist Stallone kein großer Charakterdarsteller, doch er gibt sein bestes und füllt seine Figur mit viel Intensität und Kraft aus und allein seine Ausstrahlung des zerrissenen Kriegshelden ist absolut überzeugend. Brian Dennehy spielt den Kleinstadt Sheriff Will Teasle, der Rambo unbedingt mit seiner Macht verdrängen will. Auch Dennehy weißt zu überzeugen und zeigt eine starke Leistung. Dann wäre da noch Richard Crenna als Col. Samuel Trautman, der ehemalige Vorgesetzte von Rambo. Crenna bekommt zwar nicht viele Szenen zugesprochen, kann mit seinem seriösen Auftreten aber genauso überzeugen und bekommt gegen Ende des Films eine der besten Szenen mit Sylvester Stallone zugesprochen.

‚Rambo‘ spielt zu einer Zeit, in der die Kriegsveteranen wieder in ihre alte Welt zurückfinden müssen und sich neueinfügen. Hier ist es eben der Elite-Soldat John J. Rambo, der in nordvietnamesischer Gefangenschaft missbraucht wurde und flüchten konnte. Sein letzter Freund, der mit ihm zusammen im Vietnam war und diese Qualen ebenfalls mitbekommen hat, ist an Krebs gestorben und Rambo steht mit seinen Schmerzen ganz alleine da. Niemand, mit dem er diese Gefühle teilen kann, nur die alte Welt, die ihm jetzt so unbekannt geworden ist. Der Sheriff, der Rambo ohne weiteres zu einem Landstreicher abgestempelt hat, sieht nicht, was Rambo für das Land geleistet hat. Er sieht ihn als Störfaktor und Eindringling, der für Unruhe in der Kleinstadt sorgen wird. So gerät die Lage immer weiter außer Kontrolle. Rambo wird wieder eingesperrt, die Erinnerungen an die Kriegsgefangenschaft kehren zurück und ihm bleibt nur noch die Gewalt, die ihm in einem unaufmerksamen Moment den Weg an die Freiheit wieder gewährt. Rambo sieht sich wieder in einem neuen Krieg, in dem die Kleinstadt Polizisten und die Nationalgarde ihm erneut im Kugelgewitter das Leben nehmen wollen. Er muss erneut den Kampf aufnehmen und dabei auf seine angeeigneten Fähigkeiten vertrauen, die ihm zum besten Killermaschine in seiner Einheit gemacht haben. Doch hinter dieser tödlichen Schale tobt im inneren ein Krieg, den Rambo nie gewinnen wird und einzig sein Vorgesetzter, der Mann, der ihm früher das Töten befohlen hat, schafft es, etwas aus Rambo zu entlocken, wofür früher keine Zeit war: Emotionen.

‚Rambo‘ ist einer der Filme, die viel zu oft auf ihr Äußerliches reduziert werden. Viele erkennen in ‚Rambo‘ einfach nur einen brutalen Actionfilm, in dem sich ein Mann in bester Selbstjustiz-Manier gegen andere „Mächte“ wehrt, um sich selber zu schützen. Gerechtfertigte Gewalt, die etwas bewirken wird. Das ist auf den ersten Blick auch richtig. Rambo muss Gewalt anwenden, um sich zu schützen. Er muss den Menschen zeigen, womit sie sich angelegt haben, denn auf Worte wollten sie nicht reagieren. Rambos Verhalten, ist in diesem Falle nicht nur verständlich, sondern auch nachvollziehbar. Doch hinter all der Brutalität, die hier nicht im Ansatz zu Massentötungen verkommt, sondern gezielt und durchdacht eingesetzt wird, steckt eine viel größere und tiefere Aussage. In ‚Rambo‘ geht es nie um die Gewalt selbst, die brutale Menschenjagd ist hier nie das Kernthema, es geht um den Kampf von Rambo mit seiner Vergangenheit und den Erinnerungen, die ihn nie wieder loslassen werden. Er ist physisch in der Gegenwart angekommen und der Krieg liegt hinter ihm, doch psychisch wird er immer ein Kriegsopfer sein. Eine Zeit, in der Männer für ihr Vaterland töteten und getötet wurden, um dann von der Gesellschaft mit Demonstrationen und Missachtung bestraft zu werden.

Ted Kotcheff inszenierte hier mit Sicherheit einen spannenden Überlebenskampf, der über seine gut 90 minütige Laufzeit bestens unterhält. Die Auseinandersetzungen zwischen Rambo und dem Sheriff, die immer größere Kreise ziehen, bis sie schlussendlich in einem emotionalen Ausbruch explodieren, wurden von Kotcheff nicht nur packend dargestellt, sondern in ihren besten Momenten mit einem furchtbar ehrlichen Grundton eingefangen. ‚Rambo‘ ist ein Film über die Verlorenheit eines Heimkehrers, über die Integrationsversuche von Kriegsopfern, die in ihrem restlichen Leben immer ein Teil des ewigen Krieges sein werden und ihm nie entfliehen können. Ein Krieg, der keine Antworten finden kann und den Schritt in eine offene und ungewisse Zukunft einleiten wird.

Fazit: ‚Rambo‘ ist ein kritischer, brutaler und hochspannender Film über einen Mann, der von der Gesellschaft nicht mehr angenommen werden kann, weil er für sein Land in den Krieg gezogen ist und dem dort die Seele zerstört wurde. Mit guten Schauspielern, intensiven wie eiskalten Landschaftsaufnahmen, einem eindringlichem Soundtrack und Kotcheffs packender Inszenierung wird ‚Rambo‘ zu einem Actionfilm mit Tiefgang, der oft missverstanden wird, aber in Wahrheit einiges zu bieten hat.

Bewerung: 8/10 Sternen