"School of Rock" (USA 2003) Kritik – Jack Black in seinem Element

„Die Sache ist so: Ich hab einen dicken Kopf. Wer weiß was das bedeutet?“ – „Dass Sie betrunken sind?“ – „Nein. Das bedeutet, ich WAR gestern betrunken.“ – „Es bedeutet, dass Sie ein Alkoholiker sind.“ – „Falsch.“ – „Sie würden nicht mit einem Kater zur Arbeit kommen, wenn Sie kein Alkoholiker wären. Sie sind echt krank.“

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Wenn man heute nach dem Musikgeschmack gefragt wird und diese Frage mit Rock beantwortet, dann spielen sich inzwischen bei zu vielen Leuten die folgenden Bilder im Kopf ab: Lautes, aussageloses Geschrei, verzerrte Gitarrenriffs und Drums, die keinen Halt kennen, aber eigentlich kein Stück zum „Gesang“ oder der Melodie passt. Im Klartext: Hauptsache die Musik hämmert, aber einen tieferen Sinn erkennen die Außenstehenden und Desinteressierten nicht. Das ist natürlich vollkommener Quatsch, genau wie es Quatsch ist zu behaupten, HipHop und Rap würde nur aus Schimpfwörtern und Beleidigungen bestehen. Eigentlich hatten beide Musikrichtungen in ihrer Entstehung den gleichen Grund, denn sie wollten sich gegen die gesellschaftlichen Einschnürungen und Vorschriften auflehnen, gegen die Vorgesetzten, die sich einen Dreck um ihre Arbeitnehmer kümmerten, genau wie der Staat selbst, der die eigenen Bürger verachtend aus den Augen verlor. Natürlich dürfen an dieser Stelle auch die Filme über die Musik und die Wirkung des Rocks fehlen, wie zum Beispiel „Detroit Rock City“ oder „Anvil“. Aber auch Richard Linklaters Musik-Komödie „School of Rock“ lässt sich in diese Liste eintragen, wenn auch mit einigen Abzügen.

Kurz bevor Dewey mit seiner Band beim „Battle of the Bands“ seinen großen Durchbruch haben konnte, wird er kurzerhand aus ihr geworfen. Grund dafür war sein etwas übertriebenes Verhalten, das sich neben endlosen Solos auch noch durch seine mehr als überzogene Selbstdarstellung entfalten hat. Ein ganz anderes Problem: Dewey braucht dringen Geld, denn bei dem Auftritt und einem Sieg wäre ordentlich Geld in seine Börse geströmt, so steht er allerdings wieder mit leeren Hosen da, ganz zum Ärgernis seines Freundes Ned und seiner launischen Freundin Patty, bei denen Dewey unterkommt und nie die Miete aufbringen kann. Wie das Schicksal es so wollte, klingt eines Tages das Telefon und eine noble Privatschule ist am anderen Ende, die eigentlich Ned als Aushilfelehrer braucht. Dewey gibt sich für Ned aus, hatte natürlich nur das Geld vor Augen, und setzt sich zum Ziel, die Stunden in der Schulklasse einfach mit Langweilen und Entspannen rumzubekommen. Als Dewey jedoch feststellt, das in den Kindern viel musikalisches Potenzial steckt, setzt er sich ein neues Ziel: Er will mit den talentierten Kindern den „Battle oft he Bands“-Wettbewerb gewinnen, doch sein Lügengerüst droht langsam zu zerbrechen…

Die wichtigste Sache in einem Musikfilm ist natürlich die Musik selbst. Und da hat „School of Rock“ so einiges zu bieten. Neben dem genialen Gesang von Hauptdarsteller Jack Black greift der Film auf die Größen des Rocks zurück. Da hätten wir die legendären Ramones, Pink Floyd, AC/DC, Rush, The Who, The Doors und sogar Led Zeppelin, die es eigentlich gar nicht erlauben, dass man ihre Songs in Filmen spielt, doch auch hier darf in den Genuss von The Immigrant Song kommen, eines ihrer Meisterstücke. Die Stimmung ist dementsprechend sofort da und wer mit diesen Bands nichts anfangen kann, der wird auch mit dem Film nichts anfangen können, denn das Wort Rock steckt nun mal nicht umsonst im Filmtitel. Neben der Musik ist jedoch Hauptdarsteller Jack Black nicht minder wichtiger. Der pummelige Amerikaner ist ein Sympathiebolzen sondergleichen und kann sein gesangliches Talent nicht nur im Film beweisen, sondern auch in seiner eigenen Band Tenacious D, die tragischerweise immer noch viel zu unbekannt ist. Jack Black ist voll in seinem Element und darf durchgehend, mit oder ohne Instrument in der Hand, vollkommen durchdrehen, sich austoben und der Rockmusik huldigen. Aber auch die Kinderdarsteller, die allesamt echte Musiker sind, wissen in ihren Rollen überwiegend zu überzeugen und gehen vor allem nicht auf die Nerven, wie es andere Kinderdarsteller schon zu genüge taten.

Wer mit Rockmusik etwas anfangen kann und auch Energiebolzen Jack Black mag, der hier ohne Wenn und Aber die Idealbesetzung ist, wird „School of Rock“ auch zu schätzen wissen und seinen Spaß am bunten Treiben haben. Denn dort liegt auch die Stärke von Regisseur Richard Linklater, der seinem Film einfach eine charismatische Lockerheit schenkt, das es einfach nur höchst unterhaltsam ist, Dewey beim „lehren“ zuzusehen und wie er die Kinder mit seinem Rock ansteckt, denn für ihn ist diese Musik nicht einfach nur etwas, was sie gut anhört, sondern eine Religion. Eine Religion, die die Menschen erfüllt und von allen Zwängen befreit. Die ersehnte Auflehnung, die die Bonzen und Bosse in ihre Schranken weist und ebenso zerstört. Die Sympathie- und Unterhaltungspunkte hat „School of Rock“ also ohne Frage auf seiner Seite und die gut 100 minütige Laufzeit erweist sich auch als kurzweilige Spaßgranate, natürlich dank Jack Blacks toller Darstellung. Doch wenn sich der Film seinem Ende nähert, dann ist die Vorhersehbarkeit nicht das einzige Problem, sondern auch die Inszenierung und das Auftreten des Geschehens wird immer zahmer und freundlicher. Wo am Anfang noch von Rebellion gesprochen wurde, fügt sich „School of Rock“ den Mustern und Vorgaben des Familienkinos und verliert dadurch leider seinen erzeugten Reiz. Zweifler werden zu Fans, Mittellose zu Vorbildern und Kinder zu Stars. Das kennt man ja schon.

Fazit: Spaß ist hier garantiert, wenn man nicht gerade eine starke Abneigung gegen Rock und Hauptdarsteller Jack Black hat, der hier wie aufgedreht aus allen Zwängen springt und eine haltlose Performance der Extraklasse abliefert. Darüber hinaus ist natürlich auch die Rockmusik wunderbar, ebenso Blacks Gesang, der den Zuschauer einfach immer in das richtige Feeling zieht. Wäre das Ende nicht so klar gestrickt, genau wie der Ablauf der Story, dann wäre „School of Rock“ ein wirkliches Genre-Highlight geworden. So bleibt schlussendlich ein unterhaltsamer Film, den man sich zwischendurch gerne ansehen kann, aber man sollte in keinem Fall etwas Weltbewegendes erwarten.

Bewertung: 6/10 Sternen