"The Wicker Man" (USA 2006) Kritik – Ein Ritual der untersten Schublade

„Die Droge wird getötet!“

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Ab und an gibt auch die Ausnahmen von unnötigen Remakes, dir war ja bereits zu genüge hassen lernen durften. Das sind die Remakes von Filmen, die auch in ihrem Original eigentlich nie wirklich die große Aufmerksamkeit bekommen haben und einer eher kleineren oder auch ganz bestimmten Genre-Publikum ein Begriff sein dürften. Gerade so ein Remake könnte auch dazu beitragen, dass der Originalfilm endlich von mehreren Zuschauern entdeckt und auch gewürdigt werden kann. 2006 nahm sich Regisseur Neil LaBute einem solchen Fall und inszenierte ein Remake von ‚The Wicker Man‘ aus dem Jahre 1973 mit dem großen Christopher Lee. Was LaBute jedoch aus seinem ‚The Wicker Man‘ gemacht hat, ist schlichtweg eine riesige Frechheit und geht in die Geschichte als eines der schlechtesten und dümmsten Remakes überhaupt ein.

Den Polizisten Edward Malus plagen die Schuldgefühle von einem Autounfall, den er nicht verhindern konnte. Als ihn seine Ex-Freundin kontaktiert und ihm sagt, dass ihre kleine Tochter verschwunden ist, macht sich Malus auf den Weg zur sommerlichen Insel Summersisle. Die Einwohner sind eigenartig und haben ihr Leben ganz nach einer alten Tradition ausgerichtet. Malus merkt gleich, dass irgendetwas auf der Insel nicht stimmt und helfen will ihm bei den Ermittlungen auch niemand. Malus will seinen alten Fehler wieder ausbügeln und sucht immer versessen nach einer Antwort auf die Rätsel, die sich immer weiter eröffnen. Währenddessen kommt auch die alljährliche Zeremonie der Inselreligion immer näher…

In der Hauptrolle sehen wir Nicolas Cage, der zuvor in Filmen wie ‚The Weather Man‘ und ‚Lord of War‘ starke Leistungen zeigen konnte. In ‚The Wicker Man‘ leitete er allerdings seinen endgültigen Sturz ein und wurde zur Lachnummer Hollywoods. Cage spielt den traumatisierten Cop Edward Malus. Dass Cage einen Hang zum Overacting hat, weiß inzwischen jeder, doch es hat immer zu seiner Rolle gepasst, hier ist das nun auch anders. Er übertreibt immer zunehmender, flippt in den normalsten Situationen aus, hat sich kaum unter Kontrolle und doch sieht man ihm an, dass er einfach keine Lust auf den Film hatte. Gelangweilte Übertreibungen quasi, mit immer peinlicher werdenden Gesichtsausdrücken. Furchtbar. Aber die anderen Darsteller sind auch nicht besser, wobei sich hier natürlich alles um die Lachnummer Cage dreht. Da hätten wir Schauspieler wie die tolle Ellen Burstyn, die einfach ihre Sätze runterkurbelt und möglichst geheimnisvoll durch die Gegend glotzen will, aber ein Schatten ihrer selbst bleibt. Ebenso Kate Beahan und Leelee Sobieski.

Neil LaBute meinte es gut, dass kann man ihm wohl nicht absprechen. Der Hauptcharakter wurde etwas verändert und der hochreligiöse Polizist wird zum geplagten Verkehrspolizisten, der seine Schuldgefühle mit dem Auflösen des Falls aus sich treiben will. Auch die mysteriöse Frauensekte auf der Insel bekommt keinen wirklichen Hintergrund, was durch einige Andeutungen im Film nur erkennbar ist, bleibt so eigentlich noch geheimnisvoller, als die schottisch-heidnische Gruppierung aus dem Original. Interessante Ansätze sind also durchaus gegeben. Aber Ansätze machen keinen Film aus und LaBute schaffte es sogar im Eiltempo auch diese Ansätze im Keim zu ersticken. So machen wir uns eben mit Malus auf die Reise zur schönen Insel, irgendwo an der Nordwestküste. Alles ist hier ein bisschen komisch, alle Leute gucken Malus ein bisschen seltsam an und Malus guckt ganz verwirrt zurück. Versucht Unterstützung zu bekommen, versucht mal einen Witz zu reißen und tölpelt von A nach B. Wahnsinnig Innovativ und man fragt sich berichtigt, ob das Drehbuch überhaupt von irgendjemandem der Crew gelesen wurde. Genauso ist die Frage gerechtfertigt, ob irgendjemand von den Verantwortlichen sich den fertigen Film auch nur einmal ganz angeguckt hat, ohne im Schnelldurchlauf vorzuspulen. Wahrscheinlich nicht, dementsprechend sieht das Endergebnis auch aus.

Wir sehen Nicolas Cage also gut 100 Minuten dabei zu, wie er kreuz und quer über die schöne Insel schlendert, Fahrräder mit gezückter Waffe klaut, Frauen verprügelt, mit besagtem Fahrrad durch die Gegend radelt, brüllt, träumt, verzweifelt, vor Bienchen wegrennt und sich dann auch mal im peinlichen Höhepunkt ein Bärenkostüm anzieht um weitere Frauen zu vermöbeln. Das klingt jetzt ziemlich amüsant, hätte es auch sein können, nur leider nimmt sich ‚The Wicker Man‘ ab dem ersten Moment so furchtbar ernst, dass einem selbst hierbei das Lachen vergeht. Unfreiwillige Komik ist im Kern sicher vorhanden und ein leichtes, ungewolltes Schmunzeln ist unvermeidbar, doch das Ganze ist einfach nur schmerzhaft mitanzusehen. Mr. Overacting zeigt sich von seiner schlimmsten Seite und wenn er dann durch ein Holzbrett bricht und dabei so hochdramatische Musik gespielt wird, als müsste er den Tod seiner eigenen Familie beobachten, muss man den Kopf einfach unglaubwürdig schütteln. Und das bleibt durchgehend so. Die aufgezwungene Seriosität, die pseudo-psychologischen Durchhänger, die unzähligen Logiklöcher und der Twist, der eigentlich gar keiner ist, sondern belanglos mit dem Strom des Films schwimmt, machen ‚The Wicker Man‘ zu einem extremen Totalausfall. Aber was solls, eine Story musste der Film ja eh nicht folgen, denn er hatte keine. Alle sind hier Irre und Sekten sind immer böse, alles kommt, wie es kommen muss und ein Handy geht sowieso nie auf einer Insel. Grusel? Mysteriöses? Spannungskurve? Fehlanzeige. Über die grausamen Dialoge sollte man auch einen schweigenden Schleier legen, denn wenn Cage zwei Frauen fragt, ob sie einen Hai in der Tasche hätte, muss man sich kneifen um wirklich zu realisieren, dass man nicht in einem Alptraum gefangen ist. Hochprozentige Sinnlosigkeit.

Fazit: Der Film hätte man genau wie die Weidenfigur gleich mitverbrennen sollen. ‚The Wicker Man‘ ist eine Beleidigung an das Original und an jeden Zuschauer, der sich ihn angeguckt hab. Keine Energie, kein Biss und keinerlei Spannung. Ein grausam schlechtes Machwerk, welches auf den Meeresboden verbannt gehört. Am schlimmsten hat es jedoch Johnny Ramone getroffen, denn ihm wurde der Film gewidmet und selbst er darf nicht mehr wegen diesem Dreck in Frieden ruhen. Traurig.

Bewertung: 1/10 Sternen