"Urlaubsreif" (USA 2014) Kritik – Tolle Familien, armes Afrika

Autor: Sebastian Groß

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„Wir beiden brauchen diesen Fist Bump.“

Mit besonders vielen Regisseuren hat Adam Sandler noch nicht zusammengearbeitet. Mit Dennis Dugan drehte er gleich 8 Filme, mit Frank Coraci ist „Urlaubsreif“ die vierte Zusammenarbeit. Mit Dugan lieferte Sandler komödiantische Hits wie „Leg dich nicht mit Zohan an“ ab, aber auch Totalausfälle wie „Jack & Jill“ und das elend konformistische Sandler-Buddy-Treffen „Kindsköpfe“. Das Duo Coraci/Sandler hingegen legen meist mehr Wert auf – trotz Chaos-Klamauk – liebenswerten Witz, der (zu) oft die Grenzen zur Schmerzgrenze des Kitschigen sprengt, dafür aber nicht das Nervenkostüm seines Publikums mit teils derben Infantilitäten herausfordert. Ihr „Eine Hochzeit zum Verlieben“ aus dem Jahre 1997 markiert darüber hinaus auch das erste filmische Zusammentreffen zwischen Adam Sandler und Drew Barrymore. Bereits damals, als die beiden gemeinsam mit dem poppigen Soundtrack der romantischen Komödie auf die Leinwand projiziert wurden, war klar, dass zwischen dem frechen Wuschelkopf und der kecken Blondine die Chemie einfach stimmt. Kein Vergleich zu den leidlichen, weiblichen Konterparts, mit denen es Sandler Jahre später zu tun bekam (bspw. Jennifer Aniston in „Meine erfundene Frau“ oder Kate Beckinsale in „Klick“). Auch in „50 erste Dates“ überzeugte ihr Zusammenspiel und dass sie nun wieder in „Urlaubsreif“ zusammentreffen lässt hoffen, dass diese Komödie mit Adam Sandler seit längerer Zeit mal wieder ein Genre-Vertreter ist, dessen Anschauen sich lohnt, bzw. der sich nicht als schmerzvoller Fehler herausstellt.

Lauren, zweifache Mutter und frisch geschieden, last sich auf ein Blind Date mit Jim ein. Dieser ist zwar auch alleinerziehend, doch ansonsten gibt es keine Gemeinsamkeiten und das Treffen endet damit, dass sich beide sehr sicher sind, dass sie sich hassen. Als wäre ein mieses Blind Date nicht schlimm genug, begegnen die beiden sich mit Anhang im Urlaub wieder und müssen sich sogar eine Luxus-Suite teilen.

„Urlaubsreif“ ist gewiss weit davon entfernt Schmerzen zu verursachen. Gnadenlos geblödelt wird hier eher selten und dennoch bietet die Komödie eine recht hohe Gagdichte. Dass dabei nicht jede Pointe gepfeffert sitzt ist kein Grund, diesen Sandler-Film zu verteufeln, denn die Autoren Clare Sera und Ivan Menchell holen aus der regressiven Geschichte doch allerhand komische Momente heraus. Clever sind die wenigsten davon, Schenkelklopfer die meisten, aber sie kommen ihrer Funktion nach das Publikum auf einfache Art und Weise zu unterhalten. Ja, „Urlaubsreif“ ist der witzigste Film mit Kritikerschreck Sandler seit dem er 2008 als Zohan eine Karriere als Friseur in New York versuchte. Was Zohan allerdings gelang war, dass er seine humanistische wie liberale Aussage gut unter einem spaßigen Berg aus Wahnsinn versteckte. „Urlaubsreif“ hingegen suhlt sich regelrecht in seinem recht konservativen Weltbild. Patchworkfamilie wird zwar als gut funktionierendes Konzept hochgehalten, aber wenn die alleinerziehenden Singleeltern Barrymore und Sandler während ihres Luxusurlaubs erkennen müssen, dass eine vernünftige Erziehung erst dann glattgehen kann, wenn es Mutter und Vater gibt, dann gibt die Komödie ihren recht biederen Kern preis.

Bis es zu diesem entlarvenden Urlaub kommt, vergeht jedoch Zeit. Gefühlt viel zu viel Zeit. Wirkt Coracis Inszenierung zu Beginn noch flink und scheint sich nicht mit großen Ballast zu beschäftigen, zerrt er schon wenig später alle möglichen Stränge der Handlung in die Länge, damit wohl auch der kurzsichtigste Zuschauer begreifen kann, welche Figur welches seelisches Zipperlein mit sich herum schleppt. Zwar sind auch hier bereits die Gagkanonen auf Dauerfeuer eingestellt, richtige Volltreffer kommen wegen der zähen Narration aber doch eher selten zu Stande. Auch zum Schluss, wenn das Happy Ending eigentlich nur noch Formsache ist, findet Coraci nicht den richtigen Zeitpunkt seinen Film ohne Zähigkeiten zum Abspann zu bringen. Auch hier verfällt er der Unsitte alle noch offenen, aber subtextuell längst auserzählten Konflikte abzuschließen. „Urlaubsreif“ ist eben einfachstes Kino. Ein Kino was seinem Publikum das eigene Denken ersparen will. Vor allem dank der Paarung Drew Barrymore und Adam Sandler kommt aber meistens nie das unschöne Gefühl der Bevormundung vor.

Das „Urlaubsreif“ narrativ schwächelt, liegt auch daran, dass hier einfach zu viele Figuren aufeinandertreffen: Eine alleinerziehende Mutter mit zwei Söhnen (der eine hyperaktiv, der andere fest im Griff der Pubertät und sexuellen Schwärmereien für seine Babysitterin) und der verwitwete Singlevater mit drei Töchtern, die ebenfalls alle ihre eigenen Probleme und Eigenheiten in den Film integrieren. Daraus resultiert zwar auch ein großer Teil der Komik, jedoch sind es auch immer wieder Hürden in der Erzählung. Zumindest versucht der Film die Probleme einigermaßen ernst zu nehmen. Auch wenn es Gags gibt, die auf Kosten der Figuren gehen, so versucht Frank Coraci doch immer mit den beiden Familien zu lachen und nicht nur über sie. Etwas anders sieht dies im Umgang mit Afrika aus. Wenn Sandler und Barrymore ihren Luxusurlaub im paradiesischen Südafrika abhalten, wirft „Urlaubsreif“ einem fratzenhafte Stereotype für die Netzhaut. Afrikaner sind in „Urlaubsreif“ nicht mehr als billige Klischees, in den schlimmsten Momenten verfällt der Film sogar in eine hässliche Agonie. Wenn Gloria von Thun und Taxis zu diesen Zeitpunkten im Film auftauchen würde, die sich einst in einer TV-Talkshow als einfältige Rechtspopulistin outete, u.a. weil sie die AIDS-Problematik mit einem lapidaren „Der Schwarze schnaxelt halt gerne“ abtat, würde ihre Präsenz nicht verwundern. Sie würde sogar leider passen.

Wenn es etwas gibt, was bei „Urlaubreif“ als Gescheitert anzusehen ist, dann dass er nicht nur im Bereich der Familie ein Weltbild propagiert, welches längst angestaubt in der hinterletzten Ecke hängen sollte. „Urlaubsreif“ ist genormte Spießigkeit, eingepfercht im südafrikanischen Erholungs- und Abenteuerressort, welche gefühlt alle Afrikaner als Kasperl degradiert. Doch um fair zu sein, eine wirkliche böse Absicht lässt sich dabei nicht erkennen, nur eine bedauerliche Mutlosigkeit. Dennoch sollte die dritte Kooperation des Duos Barrymore/Sandler nicht alleine darauf reduziert werden. Nach „Der Chaos-Dad“ und „Jack & Jill“ erweist sich „Urlaubsreif“ endlich wieder einmal als ein Sandler-Vehikel, welches nicht ausschließlich aus platten Derbheiten besteht und sich wirklich Mühe dabei gibt Pointen zu generieren. Mit mehr Courage und einer größeren Weltoffenheit, hätte „Urlaubsreif“ sogar die Chance gehabt den Zohan vom Thron zu stürzen.