"Die Verdammten des Krieges" (USA 1989) Kritik – Zwischen Moral und Pflicht

Autor: Pascal Reis

null

„Diese Männer haben Scheiße gebaut. Aber wenn Sie jetzt formell gegen sie Anzeige erstatten, ist dem Mädchen damit in irgendeiner Weise geholfen?“

Brian DePalma’s ‚Die Verdammten des Krieges‘ von 1989 basiert auf einem wahren Vorfall während des Vietnamkrieges im Jahr 1966. Ein emotionales Meisterwerk über ein moralisches Dilemma während des Krieges. In ‚Die Verdammten des Krieges‘ geht es um den Frischling Eriksson der einem Trupp angehört, der eine junge Vietnamesin entführt und nacheinander vergewaltigt. Eriksson fühlt die meisten Schuldgefühle, obwohl er das Mädchen als einziger nicht vergewaltigt hat.

Die Hauptrollen des Films übernehmen Michael J. Fox und Sean Penn. Fox spielt den unerfahrenen, warmherzigen von Schuldgefühlen geplagten und mehr und mehr traumatisierten Eriksson. Michael J. Fox spielt mehr als herausragend. Er füllt seine Rolle mit derartiger Tiefe und bringt seine Gefühle grandios rüber. Fox ist kein Held, er spielt einen normalen Menschen. Einer von uns. Voller Mitgefühl und doch so hilflos. Sean Penn, der den kaltschnäuzigen Sergeant Meserve spielt, zeigt schon einige Jahre vor seinen großen Erfolgen, dass er ein ausgezeichneter Darsteller von schwierigen Charakteren werden kann. Thuy Thu Le, spielt die Rolle des Vergewaltigungs-Opfers extrem authentisch. Ihre Angst ist förmlich greifbar. In weiteren Nebenrollen sind u.a. Leute wie John C. Reilly, Ving Rhames und Don Harvey zu sehen.

Die starke Kameraführung, die erschütternden Bilder und der grandiose Score, unter anderem vom großen Ennio Morricone, machen den Film zu einem unvergesslichen Erlebnis. DePalma, der 2007 mit ‚Redacted‘ wieder ein solches Thema behandelt, diesmal im Irak-Krieg, hat mit ‚Die Verdammten des Krieges‘ ein Kriegs-Drama inszeniert, das noch lange in den Köpfen der Zuschauer bleiben wird. Ein erschreckender und unvergesslicher Film, voll Wut und Verzweiflung. Aber auch ein Film der uns ein wenig Hoffnung gibt. Hoffnung auf Gerechtigkeit.

Fazit: ‚Die Verdammten des Krieges‘ zeigt uns ein erschreckendes Thema, hochemotional verfasst und hervorragend gespielt, vor allem von Michael J. Fox, der hier wohl seine beste schauspielerische Leistung bringt. Ein intensives, bitteres und verstörendes Meisterwerk, das trotzdem am Ende ein leichtes optimistisches Gefühl hinterlässt. Ein Film, der unter die Haut geht.

„Vielleicht hätten Sie dabei sein müssen, Sir. Vielleicht hätten Sie die Schreie hören müssen.“