"Warrior" (USA 2011) Kritik – Tom Hardys Aufwärmphase für The Dark Knight Rises

„So you found God, huh? That’s awesome. See, Mom kept calling out for him but he wasn’t around. I guess Jesus was down at the mill forgiving all the drunks. Who knew?“

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Es gibt Filme, ich möchte hier jetzt keine Namen anführen, die es bei uns vollkommen unverdient ins Kino schaffen. Und dann gibt es solche, bei denen man absolut nicht nachvollziehen kann, warum sie als Direct-To-DVD-Release erscheinen. Ein solcher Fall ist „Warrior“, der nicht nur ein sehenswerter Kampfsportfilm ist, sondern mit seiner Intensität und seiner Kombination aus Drama und Fight-Szenen sogar den grandiosen „The Fighter“ in die Tasche steckt.

Die Idee von „Warrior“ ist simpel. Es geht um zwei zerstrittene Brüder. Auf der einen Seite Tommy, der seinem Bruder Brendan nicht verzeiht, dass dieser ihn mit seiner todkranken Mutter und seinem cholerischen Vater alleine zurückgelassen hat, um mit seiner großen Liebe ein neues Leben anzufangen. Auf der anderen Seite steht Brendan, der zwar in einer glücklichen Ehe lebt, aber sich finanziell nicht über Wasser zu halten vermag. Was beide jedoch gemeinsam haben: Sie sind nicht zu bändigende Tiere, sobald sie sich ihrer Leidenschaft, dem Mixed Martial Arts, widmen. Beide entscheiden sich schließlich wieder in den Ring zu steigen und bei einem MMA-Turnier in Atlantic City teilzunehmen. Ein Aufeinandertreffen der beiden ist unausweichlich und vor allem Tommy hat noch eine Rechnung zu begleichen.

Ich mache es kurz: „Warrior“ ist für mich der beste Sportfilm seit dem unschlagbaren „Raging Bull“ aus dem Jahre 1980. Das hat folgende Gründe. Erstens wird in „Warrior“ nicht schon wieder eine Aufsteigergeschichte à la „Rocky“ erzählt, wie sie dem regelmäßigen Kinobesucher inzwischen zum Hals raushängen dürfte. Zweitens sind die Kampfszenen dermaßen intensiv umgesetzt, dass man irgendwann vergisst zu atmen. Vor allem sind es aber die eindringlichen schauspielerischen Leistungen, welche mich emotional umgehauen haben. Tom Hardy in der Rolle des Tommy, der gerade aus dem Irakkrieg zurückgekehrt ist und nun glaubt, er müsse seine Wut im Ring auslassen, reizt seine Figur voll aus und und bietet eine teils beängstigend realistische Show. Ebenso liefert Joel Edgerton, den man bisher aus so Armutszeugnissen wie „King Arthur“ kennt, als Brendan eine beeindruckende Performance, die vor allem in den Fight-Sequenzen voll zur Geltung kommt. Desweiteren überzeugen Nick Nolte als der Vater der beiden und Jennifer Morrison als Brendans Frau.

Regisseur Gavin O’Connor dürfte den meisten noch unbekannt sein. Vor allem sein „Gesetz der Rache“ war nicht gerade eine glanzvolle Arbeit. Jetzt aber hat er seine Fähigkeiten voll ausgeschöpft. Die Kamera, die Musik, die Darsteller und das Drehbuch harmonieren dermaßen gut, dass er, besonders im Ring, Szenen von beeindruckender Härte, Atmosphäre und Emotion geschaffen hat. Auf O’Connors kommenden Film „Born to Rock“ darf man gespannt sein.

Die Story von „Warrior“ ist sicherlich nicht die Beste und zieht sich daher anfangs auch ein wenig. Aber: Es wurde tatsächlich realisiert, dem Sportfilm neue Facetten abzugewinnen, das MMA in all seiner Härte darzustellen, dabei ein Familiendrama fernab von Klischees zu erzählen und uns daran zu erinnern, welche Stellung Familie, der Kampf um ein Ziel, Musik, Sport und andere Dinge in unserem Leben einnehmen. Das ist sicherlich das typische amerikanische Bild, welches immer wieder in Filmen suggeriert wird, nur die Weise, auf welche das in „Warrior“ vermittelt wird, dürfte sogar den letzten Kampfsportmuffel in ihren Bann ziehen.

Fazit: Einer der besten Sportfilme aller Zeiten. So schonungslos wie „Ip Man“, so dramatisch wie „Raging Bull“ und einfach nur grandios geschauspielert und inszeniert. Garniert wurde das Ganze mit einem epischen Soundtrack von Mark Isham. Damit ist „Warrior“ schon jetzt einer der Highlights des noch so jungen Jahres.

Bewertung: 8/10 Sternen