Autor: Pascal Reis

Filmkritiken

"[Rec]"-Evolution (ES 2007-2013) Kritik – Kamera an und der Horror beginnt

Autor: Pascal Reis "[Rec]" von Jaume Balagueró und Paco Plaza, mit Manuela Velasco und Ferran Terraza Besessenheit oder Krankheit? Teuflische Fügung oder rasender Virus? Wie auch immer: Mit ihrer faux-documentary „[Rec]“ haben Jaume Balagueró und Paca Plaza einen als reinrassige Genre-Reduktion interpretierten Neuinitator für viele, viele Found-Footage-Nulpen abgeliefert. Der hier allerdings gibt richtig Stoff. Ein Mehrfamilienhaus in der Innenstadt der spanische Metropole Barcelona wird zum labyrinthischen Horrorkomplex, in dessen Etagen das mysteriöse Grauen durch die Korridore keift. Natürlich glänzt der auf Hyperrealismus erpichte Stil nicht durch seine Originalität, er zieht den Zuschauer aber ganz unvermittelt durch die Linse von Kameramann Pablo und dem angsterfüllten Gesicht...
Filmkritiken

"Dumm und Dümmehr" (USA 2014) Kritik – Wenn die Dummheit tiefe Falten wirft

Autor: Pascal Reis „Check out the hottiest at 12 o'clock.“ - „That's three hours away. Why can't I check 'em out now?“ In katatonischer Starre kauert er seit 20 geschlagenen Jahren in seinem klapprigen Rollstuhl vor sich hin: Llyod (Jim Carrey) hat den Schmerz seiner unerfüllten Liebe zu Mary Swanson offensichtlich nie überwunden. Jeden Mittwoch, seit eben diesen 20 Jahren, besucht ihn sein treuer Kumpel Harry (Jeff Daniels) nun schon, hat ihm die vollen Windel gewechselt und versucht, Llyod aus seinem scheintoten Zustand zu befreien. Erfolglos, bisher jedenfalls, denn als Harry dieses Mal schon gesenkten Hauptes von dannen ziehen wollte, wird es ihm von seinem langjährigen Freund um die Ohren geschrien: „Verarscht“! Es ist der Eröffnungsgag, episch soll er sein, der die sich über zwei...
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"The Interview" (USA 2014) Kritik – Seth Rogen und James Franco pfeifen zur Revolution

Autor: Pascal Reis „They hate us 'cause they ain't us.“ Nachdem Sony Pictures Opfer eines Hackerangriffs auf ihre Datenbank wurde, der an die Forderung gekoppelt war, „The Interview“ einem Release zu entsagen, da sich dieser Film wie eine „unverhohlene Unterstützung von Terrorismus“ deuten lassen würde, lenkte der in Kalifornien ansässige Großkonzern ein und strich die geplanten Kinoauswertung, zu massiv war die Angst vor den möglichen Konsequenzen. Die Filmwelt stand Kopf, reichhaltige Meldungen um Kunstzensur und Feigheit mäanderten durch den medialen Raum und niemand wusste so recht, wohin das ganze Hin und Her überhaupt steuern soll. Barack Obama bezog Stellung, Nordkorea stritt jedwede Vorwürfe beharrlich ab und die Stars des Films, Seth Rogen („Beim ersten Mal“) und James Franco ...
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"Die Behandlung" (BE 2014) Kritik – Belgien bereitet sein persönliches Stigma auf

Autor: Pascal Reis „Ich habe ein Recht auf Behandlung!“ Wer sich mal wieder bis in den Erdboden und noch tiefer herunterziehen lassen möchte, dem sei Hans Herbots „Die Behandlung“ ans Herz gelegt. Der auf dem gleichnamigen Roman der englischen Schriftstellerin Mo Hayder basierende Krimi sorgte schon im Zuge des Fantasy Filmfests für bedröppelte Minen, als er dem nach kinematographischer Phantastik lechzenden Publikum vor die Nase gesetzt wurde. Man muss sich aber erst einmal mit dem globalen Ansehen Belgiens befassen, um die tiefgreifende Dimension einzusehen, die sich hinter „Die Behandlung“ befindet: Durch den wallonischen Triebtäter Marc Dutroux, der sich an mehreren Kindern und Jugendlichen vergangen hat und den Pädophilen-Ringen, die immer wieder durch Razzien gesprengt wurden, mu...
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Die besten Filme des Kinojahres 2014: Pascal von CinemaForever stellt seine Top 20 Spitzenreiter vor

Autor: Pascal Reis Wie es sich für einen angemessenen Abschluss eines jeden Jahres gehört, muss ein kleiner Rückblick her, der das Gesehene Revue passieren lässt und die Spreu vom Weizen trennt. 2014 war vielleicht nicht das beste, so oder so aber war es ein interessantes, abwechslungsreiches und durchaus mit einigen Überraschungen versehenes Filmjahr. Zu meiner Verteidigung muss ich gestehen, dass ich noch nicht alle Filme abhaken konnte, die ich mir vorgenommen habe zu schauen, trotz dem Verschleiß von ganzen 110 Filmen (+ 60 Direct-to-DVD-Starts) in diesem Jahr. Dennoch bin ich zufrieden mit meiner Auswahl, die vor allem herauskristallisieren wird, wie fintenreich die letzten knapp 365 Tage doch so in die Filmlandschaft gestrichen sind. Viel Spaß beim Lesen, Vormerken und Nase rümpfe...
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"Open Windows" (ES/FR/US 2014) Kritik – Wie viel Menschlichkeit bleibt im digitalen Zeitalter?

Autor: Pascal Reis „Ich will Ihnen nur helfen, es ihr heimzuzahlen.“ Der Begriff 'Fleischbeschau' sollte Sasha Grey nicht allzu fremd sein. Als Pornodarstellerin hat sie sich einen Ruf damit aufgebauten, immerzu bis an die Grenzen zu gehen und in einer Szene auch mal einen Verschleiß von über einem Dutzend Männern aufzuweisen. Sasha Grey hat diese freizügige und gesellschaftlich immer noch mit Verachtung gestraften Form der Selbstverwirklichung aus eigenen Stücken gewählt, wollte sie doch zum Aushängeschild moderner Pornographie heranwachsen und den Zuschauer zur Kreativität animieren, anstatt ihn einfach nur blindlings konsumieren zu lassen. Die Tage, in denen Ganzkörperbesamungen auf der Agenda von Frau Grey standen, sind inzwischen jedoch passe. Unter der Regie von Steven Soderbergh ...
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"Let’s be Cops – Die Party Bullen" (USA 2014) Kritik – Sheriffs mit Plastikmarken

Autor: Pascal Reis „I feel like Danny Glover before he got too old for this shit.“ Seitdem Jonah Hill und Channing Tatum in den quickfidelen Meta-Komödien „21 & 22 Jump Street“ die Leinwände als tapsig-liebenswertes Cop-Duo unsicher gemacht haben, ziehen sie sich wieder wie ein trendiger Rattenschwanz durch die Kinolandschaft: Unbedarft-nonchalante Buddy-Movies. Dass allerdings nicht jedes von diesen (Sub-)Genre-Vehikeln in der gleichen Liga wie etwa Phil Lords Überraschungserfolg von 2012 spielen kann und wird, hat zuletzt schon Tim Story mit seinem derben Fehlschlag „Ride Along“ bewiesen, in dem sich Nervsack Kevin Hart und Grummelbacke Ice Cube zum Affen machen ließen. Die Bankkonten der Beiden hat dieser schäbige Schandfleck von Film nicht gestört, ebenso wenig waren finanzielle Verl...
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"The Equalizer" (USA 2014) Kritik – Denzel Washington sorgt für ein fragwürdiges Gleichgewicht

Autor: Pascal Reis „Wer um Regen betet, muss auch den Matsch verkraften.“ Seine Reputation in der Filmwelt verläuft in einem doch eher überschaubaren Rahmen; in Fan-Kreisen, speziell auf den Comic-Markt bezogen, darf sich der von Marvel ins Leben gerufene Punisher hingegen höchster Wertschätzung erfreuen. Frank Castle, so sein bürgerlicher Name, hat sich auf die Agenda geschrieben, die Stadt von jeglichem Gesocks der Unterwelt zu befreien. Und da ihm der Polizei- wie Justizapparat in ihren Mitteln nicht angemessen genug erscheinen, nimmt der Mann im ikonischen Totenkopf-Shirt die Dinge nun mal gerne selber in die Hand. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre gab es eine amerikanische Fernsehserie zu begutachten, die sich einer ähnlichen, unter ethischen Voraussetzungen nicht minder beden...
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"Ruhet in Frieden – A Walk Among The Tombstones" (USA 2014) Kritik – Wie schwer wiegt die Schuld?

Autor: Pascal Reis „Let her go or you'll to be looking behind you for the rest of your worthless life.“ Als Drehbuchautor hat sich Scott Frank unlängst in Hollywood etabliert und seine Skripts zu Barry Sonnenfelds „Schnappt Shorty“ oder Steven Spielbergs „Minority Report“ veranschaulichen sein Talent in Sachen Plot-Konstruktion und Charakter-Entwicklung wohl vorbehaltlos. Mit seiner ersten Regiearbeit „Die Regeln der Gewalt“ von 2007 stellte Frank dann simultan zu seinen Fähigkeiten als Schreiberling unter Beweis, dass er auch als Regisseur nicht unbedingt hilflos agiert, sondern mindestens dazu in der Lage ist, einen überdurchschnittlichen Thriller um Schuld und Sühne zu modellieren. Danach sollten sieben lange Jahre ins Land streichen, bis sich Scott Frank wieder dazu entschlossen hat,...
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"Katakomben" (USA 2012) Kritik – Das Knochenlabyrinth unter den Straßen von Paris

Autor: Pascal Reis „According to mythology, that is the inscription over the Gates of Hell.“ In manchen Kreisen sorgt man bereits für kollektive Ermüdungserscheinungen, wenn man die Worte 'Found-Footage' nur ausspricht. Nachvollziehen kann man diese vorherrschende Unterwältigung ja schon irgendwie, verlaufen doch sämtliche Filme, die sich dieser Ästhetik bekräftigen, doch nach dem gleichen Muster und tauschen ihren Anspruch auf Realitätsnähe schnellstmöglich gegen die simpelsten Retorten-Schocks aus. Wirklich plastisch war in letzter Zeit eigentlich nur Ti Wests Jonestown-Reflexion „The Sacrament“, in dem es die Regie-Hoffnung verstand, eine beklemmende Atmosphäre nicht nur zu behaupten, sondern fühlbar auf den Zuschauer zu übertragen und die Extremsituation filmisch immer weiter zu ve...