"Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht – Teil 2" (USA 2012) Kritik – Der ewigen Liebe letzter Kampf

„You named my baby after the Loch Ness Monster?“

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Mit „Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht – Teil 2“ geht die Twilight-Saga in die vermutlich letzte Runde. Und auch wenn die Geschichte um die liebeskranken Vampire wohl zu einer der meistgehassten Franchises der letzten Jahrzehnte geworden ist, kann man zumindest unter technischen Gesichtspunkten den Filmen wenig vorwerfen, ganz egal, wie man die kitschige Dreiecksbeziehung zwischen Vampir, Werwolf und Mensch finden mag. Nach Catherine Hardwicke („Dreizehn“), Chris Weitz („Der Goldene Kompass“) und David Slade („Hard Candy“) durfte nun Bill Condon („Dreamgirls“) bei dem zweigeteilten Finale „Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht“ auf dem Regiestuhl Platz nehmen und die Liebesgeschichte zwischen Bella, Jacob und Edward ein für alle Mal zu ihrem wohlverdienten Ende bringen.

Bei der Geburt ihrer Tochter Renesmee wäre Bella (Kristen Stewart) fast gestorben, doch das verhindert Edward (Robert Pattinson) knapp, indem er auch Bella das ewige Leben schenkt. Bella muss sich nun erst einmal in der Welt der Vampire zurecht finden und lernen ihre Instinkte unter Kontrolle zu halten. Doch auch mit ihrer Tochter Renesmee gibt es Probleme, denn anders als andere Kinder, wächst dieses Mädchen in einer beeindruckenden Geschwindigkeit. Als auch noch der Volturi-Clan von dem neuen Familienmitglied der Cullens Wind bekommt, lässt neuer Ärger nicht lange auf sich warten…

Für echte Twilight-Jünger dürfte das große Finale eigentlich bereits mit „Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht – Teil 1“ zu Ende gegangen sein, schließlich wurde bereits dort all das abgehandelt, worauf die Fans seit drei Filmen sehnlichst gewartet hatten: Bellas Hochzeit, Sex mit Edward, die daraus resultierende ungewollte Schwangerschaft und Bellas Verwandlung in einen Vampir. Was sollte denn nun noch groß kommen? Und so ist „Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht – Teil 2“ im Endeffekt leider nicht mehr, als bloße Augenwischerei, der zweite Versuch, Twilight mit einem großen Knall aus den Kinos zu verabschieden, um sich mit den erfolgreichen Fantasy-Reihen der letzten Zeit messen zu können. Denn natürlich gipfelt auch Twilight in einer epochalen Schlacht, bei der nicht nur das Leben von Edward und Bella, sondern auch sämtlicher bekannter Figuren aus dem Twilight-Universum auf dem Spiel steht. Doch war dies bei „Star Wars“, „Herr der Ringe“ und „Harry Potter“ noch die logische Folge aus den vorangegangenen Filmen, scheint in der Twilight-Saga eine schicksalshafte Entscheidungsschlacht in dieser Größenordnung irgendwie fehl am Platz, schließlich standen auch in den vorangegangenen Teilen nie Action, Gewalt oder etwa der Konflikt mit dem Volturi-Clan wirklich im Vordergrund, sondern waren lediglich unterhaltsames Beiwerk.

Action statt Herzschmerz? Die Vielzahl der mitgeschleppten Freunde und zwangsverpflichteter Anhängsel dürfte sich über diesen Schritt freuen, doch irgendwie fühlt sich gerade durch den Verlust der kitschigen Teenie-Romantik „Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht – Teil 2“ nicht wie ein echter Twilight-Film an. Zudem wirkt dieses actionreiche Finale seltsam erzwungen, denn statt einfach die altbekannten Charaktere in einer großen Schlacht um Leib und Leben zittern zu lassen, hat man beschlossen, den Kampf noch einmal künstlich aufzublasen und kurzerhand knapp zehn neue Vampire mit geheimnisvollen Vampir-Kräften einzuführen, die dann an der Seite von Edward und Konsorten in den Kampf ziehen, aber eigentlich doch nur dazu dienen, ein paar CGI-Spielereien auf den Zuschauer loszulassen. Denn als Zuschauer kommt man nicht einmal dazu, sich sämtliche Namen der neuen Vampire zu merken, so wenig Leinwandzeit wird diesen neuen Charakteren eingeräumt und dementsprechend kalt lässt einen dann auch deren Schicksal in der alles entscheidenden Schlacht.

Kommt es nach einer äußerst zähen ersten Hälfte dann endlich zum Kampf, gestaltet sich dieser trotz der markanten Kritikpunkte als überraschend kurzweilig und für „Twilight“-Verhältnisse unerwartet brutal. Kein Wunder, denn schließlich ist der einzig sichere Weg einen Vampir zu töten, ihm den Kopf von den Schultern zu reißen und so rollen hier Vampir-Köpfe, als würde der Hesse aus „Sleepy Hollow“ höchstselbst über das Schlachtfeld reiten. Zwar wird während des gesamten Kampfes kein sichtbarer Tropfen Blut vergossen, dennoch dürften hier einige Schrecksekunden bei Hardcore-Twilight-Fans für einen rasenden Puls und feuchte Augen sorgen. Doch keine Angst: „Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht – Teil 2“ erweist sich letztendlich als echter Fanfilm, bei dem auch garantiert jeder Fan mit einem breiten Lächeln nach Hause gehen kann, auch wenn dies erst durch einen Twist möglich gemacht wird, der eigentlich den gesamten Film überflüssig macht. Die letzten zehn Minuten stehen noch einmal ganz im Zeichen der Fans: Wenn hier noch einmal die schönsten Szenen der Bella-Edward-Geschichte im Schnelldurchlauf gezeigt werden, werden Twilight-Jünger daran sicher ihre helle Freude haben, und alle anderen dürfen zu diesem Zeitpunkt bereits getrost das Kino verlassen.

Fazit: Zwar kann das kurzweilige Ende für die zähe erste Phase des Films entschädigen, nichtsdestotrotz fühlt sich „Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht – Teil 2“ nicht wie ein echter Twilight-Film an, denn im Großen und Ganzen ist der Abschlussfilm der Vampir-Saga nicht mehr als ein krampfhaft aufgeblasenes Finale, das leider nicht mit seinen Vorgängern mithalten kann.

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