Kritik: Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford (US 2007)

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„I’ve been a nobody all my life. I was the baby; I was the one they made promises to that they never kept. And ever since I can recall it, Jesse James has been as big as a tree. I’m prepared for this, Jim. And I’m going to accomplish it. I know I won’t get but this one opportunity and you can bet your life I’m not going to spoil it.“

Drei Jahre ist es her, als ich mir Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford das erste Mal anschaute. Damals lies mich der Film recht unbeeindruckt zurück. Dann probierte ich es letztens auf einen Rat hin noch einmal, kam aber nicht über die erste halbe Stunde hinaus. Der Grund dafür: Dieser Film ist so stimmungsabhängig wie nur wenige Filme, die ich bisher gesehen habe. Nun, alle guten Versuche sind drei. Und diesmal konnte der Film das Zitat „You’re gonna break a lot of hearts“ in die Tat umsetzen.

Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford ist ein tiefgreifendes cineastisches Meisterwerk. Keinen gewöhnlichen Genre-Western bekommen wir präsentiert, vielmehr ein Drama über demokratische Werte, den Übergang zur Moderne und das Menschsein. Jesse James missliche Lage, Robert Fords Charakter, die nebenbei angesprochenen Themen (beispielsweise das Verehren von Stars) und all die Auswirkungen, welche diese im Menschen hervorrufen können, machen dieses Werk mehr zu einer Gesellschaftsstudie, denn zu einem typischen Film.

Der Film selbst entsteht erst durch die außergewöhnliche Atmosphäre, das tolle Setting, die meisterliche Kameraführung von Roger Deakins und den epischen Score. Ganz besonders hervorheben möchte ich aber die komplexen Charakterzeichungen und das damit einhergehende Schauspiel aller beteiligten Personen. Brad Pitt (Fight Club) sehen wir in der vielleicht nennenswertesten Rolle seiner Karriere und auch Casey Affleck (Manchester by the Sea) spielt hier die Rolle seines Lebens. Mit dem Rest der Darsteller bilden sie einen der exquisitesten Casts der 2000er Jahre. Ich kann nur meine Empfehlung aussprechen, dass sich jeder diesen Film anschaut, und, falls es beim ersten Mal nicht klappt, dann probiert es ruhig weitere zwei bis drei Male, denn ist man einmal in der richtigen Stimmung, wird man in eine Atmosphäre gezogen, welche heutzutage im Kino ihresgleichen sucht.

Viel mehr Worte möchte ich gar nicht verschwenden, denn die Eindrücke lassen sich nur schwer in Sätzen formulieren. Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford ist einer der ungewöhnlichsten und gerade auch deswegen besten Western aller Zeiten, welcher sich mit einer der ersten grossen amerikanischen Berühmtheiten, dem titelgebenden Antihelden, welcher zu seiner Zeit durch Überfälle auf Banken und Züge in den Medien von sich Reden machte und damit zu einer Legende des Wilden Westens avancierte, auseinandersetzt. Hier wurde eine visuell und schauspielerisch perfekte Leistung vollbracht. Und wer braucht schon übertriebene Action? Gefühle, Atmosphäre, realistische Geschichten und schöne Landschaften ist das, was die Menschheit braucht, um auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren.

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4 Comments

  • @dexter-morgan: hui, 10 Sterne für den Film! Beachtlich, beachtlich! Ist das einer deiner Lieblingsfilme? So eine hohe Bewertung haut mir echt den Draht aus der Mütze…
    Tobias

    • Also zum Herz fehlt noch ein Tick, aber ansonsten auf jeden Fall unter meinen All-Time Top 50. 😉 Wundert mich nicht, dass du überrascht bist. Der Film wird einfach viel zu sehr missverstanden und auf die Atmosphäre und Dialoglastigkeit reduziert. Das tut dem Film aber absolut unrecht, denn dahinter steckt so viel mehr. Dazu muss man sich halt etwas mit amerikanischer Sozialgeschichte auskennen und vor allem die Kritik hinter all den Dialogen verstehen. Außerdem, allein das Ende ist nur noch brillant. 😀

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