Schlagwort: Drama

Filmkritiken

"Contagion" (USA 2011) Kritik – Wer sich die Hände wäscht, der überlebt

"Wenn Sie morgens um 3 aufwachen und sich fragen, warum mache ich diesen Job eigentlich? – Rufen Sie mich an." Nachdem eine Frau (Gwyneth Paltrow) nach einer Auslandsreise an einem mysteriösen Virus stirbt und ähnliche Fälle auf dem ganzen Planeten auftreten, ist schnell klar: eine Epidemie breitet sich aus, die schnell weltweit immer größere Teile der Bevölkerung hinwegrafft. Während die Wissenschaftler des amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention Dr. Ellis Cheever (Laurence Fishburne), Dr. Erin Mears (Kate Winslet) und Dr. Ally Hextall (Jennifer Ehle) versuchen mehr über das Virus herauszufinden und ein Heilmittel zu entwickeln, reist Dr. Leonora Orantes (Marion Cotillard) von der Weltgesundheitsbehörde in Genf nach Hongkong, wo man den Ursprung der Krankheit vermutet...
Filmkritiken

"Elementarteilchen" (DE 2006) Kritik – Die Geschichte zweier Brüder

"Die Wahrheit ist wie ein Elementarteilchen: Sie ist nicht weiter zerlegbar." Als im Jahre 1998 Michel Houellebecqs Roman „Elementarteilchen“ auf dem Markt erschien, war der Aufschrei groß. Houellebecqs sprach in radikal-offensiver und äußerst kontroverser Art und Weise die Zukunft des Menschen in Bezug auf die Sexualität an. Angelehnt an Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“ in dem der britische Autor eine heiß diskutierte Dystopie offenbarte, in der die Sexualität und die Fortpflanzung keinerlei Zusammenhang mehr besitzt. „Elementarteilchen“ mauserte sich schnell zu einem dieser ominösen „Skandalbücher“ und konnte zeitgleich auch den Kultstatus im autobiographischen Bereich genießen. Als der deutsche Filmemacher Oskar Roehler, der, wie sich in der Vergangenheit immer wieder zeigte, auch n...
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"Der Baader Meinhof Komplex" (DE 2008) Kritik – Ein dunkles Kapitel

"Protest ist, wenn ich sage, das und das passt mir nicht. Widerstand ist, wenn ich dafür Sorge, dass das, was mir nicht passt, nicht länger geschieht." Jedes beliebige Land unserer Erde kann ganz eigene dunkle Kapitel der Vergangenheit aufweisen. Treffender als mit dem Satz: „Geschichte wird mit Blut geschrieben“, kann man es wohl kaum zusammenfassen, denn blickt man auf die Menschheits- und Gesellschaftsentwicklungen zurück, so wird man relativ schnell feststellen, das Veränderung zwangsläufig immer mit Toten und Gewalt zusammenhängt. Deswegen ist es nicht verwerflich, sondern unbedingt dienlich, wenn an ein Land sich an die eigene Vergangenheit heranwagt und versucht, diese in seriöser und informativer Art und Weise aufzuarbeiten. Dass das nicht immer der Fall ist, sehen wir zum Beisp...
Filmkritiken

"Homevideo" (DE 2011) Kritik – Ein Schlag in die Magengrube

"Weißt du was? Ich glaube, in 10 Jahren lachen wir beide über die Sache!" Die Zeit der Pubertät ist für jeden Menschen eine schwierige. Der Körper verändert sich, die Eltern nerven, die Schule macht es einem auch nicht unbedingt leicht und man selber muss sich mit den neuen Umständen erst mal so richtig vertraut machen. Man zweifelt an sich, man weiß nicht, in welche Richtung es hier wirklich geht und wenn dazu dann auch noch die Eltern eine ganz eigene Krise bewerkstelligen müssen, dann bekommt man den Kopf gar nicht mehr frei. So geht es auch dem 15-jährigen Jakob, der sich immer weiter zurückzieht und dann auch noch ein Auge auf seine Mitschülerin Hannah wirft. Die komplette Zuneigung schenkt Jakob nur seiner Kamera und da macht er auch vor freizügigen Aufnahmen keinen Halt. Als die ...
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"Der letzte schöne Tag" (DE 2011) Kritik – Abschied und Neubeginn

"Wo ist die Mama jetzt?" Die Sonne scheint, der Himmel ist leicht bewölkt und eine milde Brise weht umher. Ein Tag, so austauschbar und normal wie unzählige andere. Doch nicht heute. Lars, der eigenständig auf dem Bau arbeitet, ist Vater von zwei Kindern: Einmal ist da die pubertierende Maike und dann gibt es noch den kleinen Piet, der die Vorschule besucht. Lars Frau kämpft allerdings schon seit geraumer Zeit still mit ihren schweren seelischen Probleme. Ein letztes Mal greift sie zum Telefon und versucht die Familie anzurufen – ohne durchschlagenden Erfolg. Als Lars nach Hause kommt und seine Frau nicht auffinden kann, macht er sich langsam Sorgen und die schreckliche Gewissheit schlägt gnadenlos auf ihn ein: Sybille ist tot. Selbstmord, irgendwo im Wald. Für jeden der Angehörigen bri...
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"Halt auf freier Strecke" (DE 2011) Kritik – Der Schmerz der Veränderung

"Ich muss zum Training." In den vergangenen Monaten waren drei ganz bestimmte deutsche Filme im großen Blickfeld der breiten Aufmerksamkeit: David Wnendts Neonazi-Drama „Kriegerin“, Christian Petzolds DDR-Drama „Barbara“ und Andreas Dresens Krebs-Drama „Halt auf freier Strecke“. Allesamt wurden die mit Lob überschüttet, konnten Preise entgegennehmen und erfüllten die deutsche Nation, wie auch alle Beteiligten an den drei genannten Werken mit jeder Menge Stolz. Wer nun der beste Film des Trios ist, lässt sich schlussendlich nur aus der subjektiven Sicht beantworten, wobei „Kriegerin“ sicher, gerade auf Grund der thematischen Brisanz und der damit verbundenen Umsetzung, letztlich den Kürzeren zieht. Wichtig sind hingegen alle drei, denn sowohl die heutige Neonazi-Szene, als auch die Mecha...
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"Killer Joe" (USA 2012) Kritik – Matthew McConaughey wächst über sich hinaus

"Nichts ist schlimmer als Reue." Wenn man sich heutzutage so manche Regisseure anschaut, die zu ihren glorreichen Zeiten festes Inventar der Crème de la Crème in der Filmwelt waren, dann kann man seine tiefe Enttäuschung über den Wandel dieser Personen nicht immer verbergen. Man denke da nur an John Carpenter („Halloween“, „Die Klapperschlange“), Dario Argento („Suspiria“, „Phenomena“) oder auch Jean-Luc Godard („Außer Atem“, „Die Verachtung“), die seit geraumer Zeit nichts Nennenswertes mehr auf die Beine gestellt bekommen haben und ihren angesehenen Ruf schwungvoll mit Dreck bewarfen. Aber es gibt auch die krassen Gegenteile von Regisseuren, deren die Zeit einfach nicht schadet und bei denen sich jeder neue Film ohne Probleme in die Reihe der gefeierten Meisterwerke stellen darf: Mart...
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"The Angels’ Share" (GB 2012) Kritik – Von Problemkindern und Whiskey-Dieben

"Selbst wenn du dich ändern willst, die lassen dich nicht!" Großbritannien erweist sich seit Jahrzehnten als überaus interessant, wenn es um die dortige Filmkunst geht. Steve McQueen ist nur einer der modernen Namen, der mit Filmen wie „Hunger“ und „Shame“ auf sich Aufmerksam gemacht hat und auf der ganzen Welt bereits ein mehr als verdientes Ansehen genießen dürfen. Doch entfernen wir uns mal von der neuen britischen Generation der Filmemacher und widmen uns den „erfahreneren“ Regisseuren, wie zum Beispiel Ken Loach, der dem Mainstream-Publik kaum ein Begriff sein dürfte. Dabei hat Loach schon so einige große Preise abgeräumt (Preis der Jury von Cannes, FIPRESCI-Preise in Cannes & Berlin, die Goldene Palme…) und sich durch seine kritische Umsetzung mit sozialen Konflikten in Filmkreise...
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"Kriegerin" (DE 2011) Kritik – Neonazismus aus der weiblichen Sichtweise

"Du bist verstrahlt wie all die anderen und der Grund warum unser Land zugrunde geht." Es ist immer wieder erstaunlich, wie verschreckt viele Menschen in der heutigen Zeit reagieren, wenn ein Regisseur ankündigt, in seinem neusten Werk die heutigen Formen des Rassismus zu thematisieren und den Ursprung mit den Folgen zu verknüpfen. Da wird dann unüberhörbar gleich von dem beliebten Begriff „Tabuthemen“ Gebrauch gemacht und im schlimmsten Fall die Ohren auf Durchzug gestellt, weil man entweder nicht zugeben will, dass dieses Thema viel zu brisant und ehrlich ist, oder weil man selber den Blick für die Realität verloren hat und sich einredet, dass diese Form von Rassendiskriminierung, in Verbindung mit der Wiederbelebung der nationalsozialistischen Vorstellungen, einfach unmöglich wäre. ...
Kritik: The Help (USA 2011)
Drama, Filmkritiken

Kritik: The Help (USA 2011)

Mut heißt nicht immer, dass man tapfer ist. Mut ist das Wagnis etwas Neues zu tun, obwohl unser Fleisch schwach ist. Jackson, 1962: Aibileen Clark, Minny Jackson und Constantine sind dunkelhäutige Dienstmädchen, die ihre Arbeiten im Haus von weißen, angesehen Frauen verrichten. Ihre Arbeit besteht aus kochen, dem aufräumen und putzen, sowieso dem Hüten und die Erziehung der Kinder. Die eigentlichen Mütter haben längst den Draht zu ihren Sprösslingen verloren und die wahren Bezugspersonen sind die Dienstmädchen. Wahrhaben will das natürlich keiner. Eugenia ist eines der Kinder, die von Constantine aufgezogen wurde und sich zur Journalistin gemausert hat, nicht zuletzt dank der liebevollen Erziehung Constatines. Doch Eugenia findet ihre Heimat als einen Ort der Diskriminierung wieder, in ...