"Unbreakable – Unzerbrechlich" (USA 2000) Kritik – Bruce Willis und Samuel L. Jackson im Netz der Gegensätzlichkeiten

„Wissen Sie, was das Allerschlimmste ist? Nicht zu wissen, wo man in dieser Welt hingehört. Nicht zu wissen, warum man hier ist.“

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Wenn man sich zurück an das Jahr 1999 erinnert und die Themen wie Millennium und Weltuntergangstheorien mal konsequent beiseite lässt, um sich wirklich voll und ganz auf den filmischen Output zu konzentrieren, dann stellt man schnell fest, das 1999 ein wirklich qualitativ hochwertiges Jahr gewesen ist. Man denke dabei nur an David Finchers „Fight Club“, Paul Thomas Andersons „Magnolia“, Tim Burtons „Sleepy Hollow“ und „Matrix“ von Andy und Lana Wachowski. Allesamt werden sie heute schon als moderne Klassiker betitelt, vollkommen zu Recht, doch es gab noch einen anderen Regisseur der in diesem Jahr seinen ganz großen Durchbruch feiern konnte: Der Inder M. Night Shyamalan, der nach seinen ersten beiden Filmen „Praying with Anger“ und „Wide Awake“ keinerlei Aufsehen geschenkt bekam, bis die 6 Millionen-Dollar-Produktion „The Sixth Sense“ in die Kinos nahm, alle Erwartungen sprengte und beeindruckende 670 Millionen Dollar weltweit in die Kassen spülte. Shyamalan war in aller Munde, Lobeshymnen von allen Seiten und die Hoffnungen auf einen erneuten Geniestreich wuchsen mit jedem neuen Tag, seitdem Shyamalan 2000 „Unbreakable – Unzerbrechlich“ ankündigte. Das Ergebnis selbst kann „The Sixth Sense“ nicht das Wasser reichen, bleibt aber dennoch ein sehenswerter Film.

Bei einem schrecklichen Zugunfall kommen alle Insassen auf den Schienen ums Leben – bis auf David Dunn, der nicht mal eine kleine Schürfwunde vorweisen kann. Kurze Zeit später lernt David Elijah Price kennen, ein passionierter Comic-Fan, der selber ein Museum für die großen Künste der Graphic Novels besitzt. Während David sich Gedanken darüber macht, ob er auch nur einmal in seinem Leben krank oder verletzt war, ist Elijah das komplette Gegenteil, denn Elijah leidet unter der schlimmen Glasknochen-Krankheit und kam bereits mit gebrochenen Armen und Beinen zur Welt. Elijah hält David für unzerbrechlich und erklärt ihm, dass er ein realer Superheld sein könnte, fernab der kunstvollen Mythologie, doch David zeigt sich unbeeindruckt und winkt ab, bis er immer deutlicher feststellen muss, dass Elijahs Worte nicht so verrückt sind, wie er anfangs noch dachte…

In „The Sixth Sense“ konnte sich M. Night Shyamalan noch auf das Duo Bruce Willis und Haley Jole Osment verlassen, die den Film, zusammen mit der hervorragenden Atmosphäre, zu dem Highlight machen konnte, welches es schlussendlich wurde. In „Unbreakable“ sehen wir Bruce Willis erneut in der Hauptrolle, dieses Mal natürlich nicht als Psychologe Malcolm Crowe, sondern als Sicherheitsbeamter David Dunn, der in einem Footballstadion für Ordnung sorgt. Wer nun denkt, Bruce Willis wird wieder in seine alte Rollensparte gedrückt und darf das Image als harter Actionheld ausfüllen, der täuscht sich auf ganzer Linie. Willis beweist wiederholt sein Talent für gefühlvolle und unaufgeregte Zwischentöne, hat keinerlei Pseudo-Coolness nötig und überzeugt als David Dunn vielmehr als Charakter-Darsteller. Neben Willis zeigt sich auch Samuel L. Jackson („Unthinkable“) als Elijah Price in starker Verfassung. Während sich Jackson seit der Jahrtausendwende in jedem gefühlten zweiten Streifen blicken ließ, ist sein Elijah eine der wirklich markanten Figuren, die er durch seine leidende Undurchsichtigkeit glänzend entfalten kann. Neben den beiden Schwergewichten bleibt dementsprechend kaum Platz für die Nebenfiguren wie Robin Wright Penn („Verblendung“) und Spancer Treat Clark („Mystic River“).

In Deutschland ist die immense Comic-Liebe der Vereinigten Staaten natürlich kaum nachvollziehbar, was wohl auch ein Teilproblem von „Unbreakable“ sein dürfte, denn auf seine ganz eigene Art huldigt Regisseur M. Night Shyamalan den Comicbüchern natürlich auch hier. Shyamalan legt den Interessenschwerpunkt seiner etwas anderen Superhelden-Geschichte auf die personifizierte Gegensätzlichkeit: David, der Mann aus Stahl und Elijah, der Mann, dem man mit einem leichten Schulterklopfer selbige brechen könnte. Dabei versteht es Shyamalan wieder einmal wunderbar, die ruhige Atmosphäre kontinuierlich zu entfalten und dabei die nötige Tiefe in das Geschehen einzubringen, ohne sich auch nur einmal im Verlauf der Handlung zu überschlagen oder seine strikten Grenzen zu übertreten. Wer von „Unbreakable“ also einen handfesten Actioner im Comic-Gewand erwartet, der wird enttäuscht sein, vielmehr bekommt es der Zuschauer hier mit einem bedachten Charakter-Drama zutun, das die offensichtlichen Schwächen und ungeahnten Stärken seiner Figuren behandelt, aber mit dem ständigen inszenatorischen Wunsch nach Seriosität und Realismus gelegentlich in die falsche Richtung rudert und so ein ungewolltes Schmunzeln nicht verhindern kann. Das obligatorische Shyamalan-Markenzeichen ist natürlich auch wieder vorhanden, und auch wenn diese Szene vollkommen unnötig ist, so mildert es den Endeindruck eines durchaus sehenswerten Filmes kein Stück.

Fazit: „Unbreakable“ hätte das Zeug zu einem ganz besonderen Film haben können und die Hoffnungen auf eine Trilogie, wie Shyamalan sie sich gewünscht hat, wären in einem durchaus hohen Bereich angesiedelt worden. „Unbreakable“ punkte vor allem durch seine interessante Charakterzeichnung, die sich mit der ruhigen Inszenierung wunderbar verknüpfen kann, aber durch das unbedingte Pochen auf Realismus ab und an den ernsten Ton in die entgegengesetzte Richtung lenkt. Sehenswert ist „Unbreakable“ allemal, doch einen wirklich großen Treffer hat Shyamalan nach seinem Kracher „The Sixth Sense“ nicht abgeliefert.

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