"Der Bomber" (RU 2011) Kritik – Nichts Neues von der Front

„Ihr Deutschen solltet jetzt besser Angst haben!“

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Russland ist nicht nur flächenmäßig das größte Land auf dem Erdball, in das man Deutschland wie einen Krümel unscheinbar verschwinden lassen könnte, sondern auch ein interessantes Exportland für Filme, das es jedoch noch nie leicht hatte, seine Filme auf dem Globus bekannt zu machen und ein wirklich breites Publikum von der sicher vorhandenen Qualität zu überzeugen. Zur Zeit der Sowjetunion machte der Name Andrei Tarkovsky die Runde, der mit seiner unvergleichlichen und ebenso visionären Art die Cineasten und Kritiker begeisterte, gerade durch seine Werke „Stalker“ und „Solaris“, die auch heute noch einen unantastbaren Status als Jahrhundertfilme genießen. Zuletzt war es die „Wächter“-Trilogie, die sich nicht nur zum Bestseller mauserte und Autor Sergei Lukjaneko zu einem der interessantesten Autor der Neuzeit gemacht hat, sondern natürlich auch die gleichnamige Verfilmung schnell den Weg ins Kino fand, wenn auch mit eher enttäuschendem Erfolg. Aber es gibt noch einen anderen Film wichtigen Film, und damit ist nicht „Panzerkreuz Potemkin“ von 1925 gemeint, sondern ein erschütternder Antikriegsfilm, der eher in kleineren Kreisen bekannt ist: „Komm und sieh“ aus dem Jahre 1985. Und genau dieser Film, besser gesagt, das Thema Krieg soll nun als Übergang dienen und ein neues russisches Kriegsepos einleiten: „Der Bomber“ von Vitaliy Vorobyov. Jedoch muss man mit aller Deutlichkeit sagen, das „Der Bomber“ nicht im Ansatz die schockierende Intensivität von „Komm und sieh“ erreicht und auch genauso weit entfernt davon ist, ein ernstzunehmender Genre-Vertreter zu werden.

Mitten im zweiten Weltkrieg: Ein mit 4 Soldaten besetzter sowjetischer Bomber wird über deutschem Gebiet abgeschossen. Ein Mann stirbt, die zwei anderen Männer und die dazugehörige Frau überleben den Angriff, werden jedoch getrennt. Während Linko im Gefangenenlager landet, versuchen sich Andrey und Katya durch die Wälder auf eigene Faust zu schlagen. Dabei treffen sie auf Partisanen, Verräter und deutsche Soldaten, die auf der Jagd nach russischen Flüchtlingen sind. Missgeschick folgt auf Unglück und Linko sieht sich irgendwann dazu gezwungen, auf die Seite der Deutschen zu wechseln, um irgendwie zu überleben, bis er seine alten Freunde wiedertrifft und auch noch einen Sabotage-Komplett aufdeckt. Der Weg in die Heimat wird immer beschwerlicher…

Dafür, dass Russland, oder genauer gesagt, die ganzen Ostländer einen schlechten Ruf tragen müssen und mit dem unrühmlichen Titel „billig“ bestückt werden, was natürlich nur ein banaler und ungerechtfertigter Vorwurf ist, kann sich „Der Bomber“ rein visuell wirklich sehen lassen und ist eines der klaren Gegenbeispiele, die die sinnlose Aussage locker widerlegen. Zu Anfang des Films kann Kameramann Vyacheslav Lazarev sogar einige richtig starke Luftaufnahmen über den Wolken von Russlands zeigen, die sich nicht vor so mancher Hollywoodproduktion verstecken müssen. Auch die Effekte, in der Verbindung mit den Flügen und Flugzeugen selbst, wirken nie schlecht oder auffällig schlecht. Darüber hinaus gibt es solide Kameraschwenks und Bilder der russischen Wälder und Kriegsgefangenschaft, die zwar sicher nichts Besonderes sind, aber das Geschehen mit der nötigen Ruhe festhalten. Der Soundtrack von Roman Korotin setzt zumeist auf zarte Pianoklänge, die die Szenen in ihrer Emotionalität immer antreiben sollen, aber aufgrund der Offensichtlichkeit und dem miesen Schauspiel einfach nicht zünden wollen. Da sind wir dann auch beim nächsten Schwachpunkt: Die Schauspieler. Alle spielen sie im besten Fall auf Laienniveau, doch die meiste Zeit sind die Performances so steif und unglaubwürdig lachhaft, das dem Kriegsgeschehen jeder Ernst verfliegt. Ob es Nikita Efremov als Andrey Grivtsov, Ekaterina Astakhova als Katya oder Alexksandr Davydov als Georgiy Linko ist. Niemand bekleckert sich mit Ruhm und könnte sich auch für andere Produktionen interessant machen.

„Seid bereit, für die Ideologien von Stalin und Lenin zu kämpfen!“

Man merkt „Der Bomber“ schnell an, das hinter der Geschichte eigentlich eine 8-teilige Mini-Serie steckt, die einen Umfang von über 400 Minuten hatte und im Film nun auf 180 Minuten verkürzt wurde. Sinn macht das natürlich nicht, denn den Zuschauer beschleicht die ganze Zeit das gerechtfertigte Gefühl, dass einfach irgendwelche wichtigen Dialoge, Handlungen und Szenen gestrichen wurden, die den Figuren und dem Geschehen Tiefe verliehen hätten und auch dem Film wenigstens einen klaren Zusammenhang. So hastet sich „Der Bomber“ von einer leeren Bestandaufnahme zu anderen, die Protagonisten bleiben Schablonen, die zu keiner Sekunde irgendwelche Sympathie auf ihre Seite ziehen können, einfach weil der nächste Schnitt schon wieder getätigt wird und man bereits in einem ganz anderen Handlungsstrang gefangen ist. Das nächste Problem, was vor allem auf das Konto der Schauspieler geht, ist die Tatsache, dass der Film einfach viel zu oft unfreiwillig komisch ist und man sich das Lachen über das Verhalten der Russen und Deutschen nicht verkneifen kann. Man findet sich also in einer zusammenhanglosen und vorhersehbaren Geschichte mit historischem Hintergrund wieder, die Opportunismus, Saboteure, Partisanen und stolze Rotarmisten verknüpfen will, eine belanglose Liebesgeschichte unterrührt und den Zuschauer gleichzeitig in ein Tal der Langeweile schickt, denn packen kann diese abgeharkte Szenerie in keinem Moment wirklich. Die deutschen Soldaten sind natürlich mal wieder gefühlskalte Bestien, die eigentlich nur rumschreien, beliebig Gefangene umbringen und auch nicht vor ihren eigenen Männern haltmachen, während die Russen sich als Helden erweisen und nur die Leute umbringen, die es auch wirklich verdient haben. Wer hier wirklich eine lehrreiche Geschichtsstunde erwartet, der wird aufs extremste enttäuscht.

Fazit: „Der Bomber“ ist ein unsinniger, uninteressanter und zuweilen lächerlicher Kriegsfilm, der weder lehrreichen Stoff bietet, noch in seiner Geschichte fesseln kann, was eben auch daran liegt, dass man hier aus einer Mini-Serie einen Film machen wollte. Alles wirkt wirr, unausgearbeitet und abgehastet. Die Russen werden zu Helden stilisiert, die Deutschen verteufelt und jeder kriegt was er verdient. Dabei können die Flugszenen und die Optik selbst durchgehend überzeugen, allerdings sind die Schauspieler die meiste Zeit ein fataler Totalausfall und auch der Score ist viel zu unbedacht eingesetzt und unterstreicht nicht die Emotionalität, sondern die aufgesetzte Erzwungenheit. „Der Bomber“ kann gerne vergessen werden und man sollte wohl besser zur gleichnamigen Serie greifen, denn von der hat man sicher etwas mehr. Die deutsche Synchronisation ist ebenfalls eine bodenlose Frechheit, denn hier wurde sich nicht mal die Mühe gemacht, die Stimmen den Figuren anzupassen oder gehörige Versprecher auszubessern. Originalton mit Untertiteln ist wieder der bessere Weg, macht das Geschehen aber auch nicht wirklich erträglicher.

Bewertung: 2/10 Sternen