"Eclipse – Bis(s) zum Abendrot" (USA 2010) Kritik – Eine leichte Verbesserung

„Ich werde um dich kämpfen bis dein Herz aufhört zu schlagen“

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Das nächste Jahr zwischen dem zweiten und dritten ‚Twilight‘-Film durfte vergehen und die anspruchsvollen Zuschauerreihen mussten sich erneut von dem schweren Schock nach dem grauenhaften ‚New Moon‘ erholen. Was Chris Weitz aus Stoff gemacht hat, war wirklich in jedem Punkt eine Katastrophe, aber auch die Erinnerungen an Catherine Hardwickes Scheitern in ‚Twilight‘ sind mit Sicherheit auch keine schönen. Nun stellte sich die schwere Frage, ob man nach den zweifachen Nullnummern wirklich nochmal etwas Qualität in die Reihe bringen konnte, oder ob alle Züge schon abgefahren sind. So viel sei zu Anfang gesagt: ‚Eclipse‘ aus dem Jahr 2010 ist tatsächlich die beste Verfilmung der ersten drei Roman, doch was heißt das in diesem Fall schon? Nichts, denn schlecht ist der Film trotzdem.

Bella und Edward haben wieder zueinander gefunden, das schmeckt dem Werwolf-Bubi Jacob aber gar nicht. Dazu will Bella nun auch noch zum Vampir verwandelt werden, was natürlich für Jacob bedeutet, einen Feind mehr auf der anderen Seite zu haben. Doch es droht noch eine viel größere Gefahr, denn die Vampirin Viktoria will Bella töten und den Tod ihres Mitstreiters rächen. Sie erstellt eine Armee aus jungen Vampiren, die stärke sind als die, die schon länger zu den Untoten gehören und pfeift zum Angriff. Nun sind die Cullens auf Jacob und seine Wolfbande angewiesen und müssen zusammen den schweren Kampf aufnehmen. Bella steht zwischen zwei Fronten…

Und auch das dritte Wiedersehen mit den ausdruckslosen Gestalten war gekommen. Robert Pattinson als Edward Cullen, Kristen Stewart als Bella Swan und Taylor Lautner als Jacob. Das sind die Namen, die die Filmwelt heute in Angst und Schrecken, oder in quiekendes Gekreische und Euphorie treiben. Verändert hat sich an ihrem Schauspiel aber überhaupt nichts. Pattinson bleibt weiter ein dumpfer Schatten, der es jetzt aber auch mal mit einem anderen Blick zwischendurch probiert, Stewart will ihre Unschlüssigkeit irgendwie verpacken, weiß aber eigentlich gar nicht wie man so etwas darstellt und Lautner ist viel zu beschäftigt damit, sein T-Shirt zu zerreißen und seine glänzenden Muskeln ins Bild zu halten. Alles bleibt beim Alten, darüber werden sich viele freuen, aber die, die hier wirklich eine annehmbare Darstellung der Charaktere erwarten, werden erneut ohne Gnade enttäuscht.

‚Eclipse‘ ist die dritte Verfilmung der Meyer-Buchreihe und das bedeutete auch gleichzeitig wieder ein neuer Regisseur auf dem Stuhl. Doch dieses Mal fiel die Wahl auf einen interessanten Mann: David Slade. Interessant, weil er vorher Erwachsenenfilme wie den Psycho-Thriller ‚Hard Candy‘ und den blutigen Vampirschocker ’30 Days of Night‘ drehte. Sicher waren das keine Meisterwerke, aber in jedem Fall akzeptable und gut inszenierte Vertreter. Zwei Filme, die sich entweder durch Brutalität und Düsternis, oder durch ein schweres Thema auszeichneten. Wie würde dieser Regisseur in die ‚Twilight‘-Filme passen? Überhaupt nicht. ‚Eclipse‘ sollte sich durch große Kämpfe zwischen Vampire und Werwölfe auszeichnen, doch davon ist nicht mehr viel übrig geblieben. Wir knüpfen wieder genau an das Ende des Vorgängers an. Edward kam wieder zurück zu Bella und mischte sich in die Angelegenheiten zwischen Bella und Jacob ein. Das mag der Wolfsjunge gar nicht und würde Edward nur zu gerne die Meinung mit seinen spitzen Zähnen geigen. Doch die beiden müssen ihre Probleme noch ein wenig beiseiteschieben, denn Viktoria, eine böse Vampirin, will Bellas Tod und die Cullens müssen sich mit den Werwölfen vereinen, während Bella, Jacob und Edward in die Isolation flüchten und dort ihre kleinen Problemchen ausbaden. Ins Zentrum rücken wieder Kummer und Sorgen, Liebe und Zorn, aber ausgereift wurde die Bandbreite an Emotionen kein Stück. ‚Eclipse‘ wird auch unter Slades Hand zur leblosen und verstellten Dudelei, die weder berührt, noch auf irgendeine Weise beim Zuschauer ankommen mag. Alles bleibt so ungreifbar und fern.

Was ‚Eclipse‘ seinen beiden Vorgängern voraus hat, ist die Tatsache, dass Slade es stellenweise verstand, dem Film eine Atmosphäre zu verleihen. Die dunkle Stimmung, die grauen Grundtöne und die düsteren Ansätze der Melancholie machen schon etwas her. Dazu ist Eclipse auch nicht so zähflüssig wie ‚Twilight‘ und ‚New Moon‘, doch mit 130 Minuten immer noch zu lang geraten. Der ironische Ton, den der Film manchmal anschlägt, hilft ihm auch und Sätze wie „Kann er sich kein T-Shirt leisten?“ lockern die Lage auf. Slades Inszenierung ist dennoch durchzogen von Längen und könnte sich wohl als eckig und unrund bezeichnen lassen, denn seine abgeharkte Führung treibt den Film von einem Schlagloch in das Nächste. Emotionen werden immer noch gänzlich vermisst, die Charaktere plappern nicht mehr ganz so viel, sind aber nach wie vor ein dämlicher Dorn im Auge. Aufgesetzte Feinfühligkeit und gewollter Style, vor allem in den knappen Actionszenen, die als ultimative Kämpfe verschrien wurden, sind grausig choreografiert worden. Kopfschmerzen bekommt man dieses Mal zwar nicht und so mies wie die zwei anderen Teile ist es auch nicht, doch richtig schwach ist das herzlose Spektakel trotzdem noch.

Fazit: Es geht aufwärts! Wenigstens ein kleines Stückchen. Uninteressant und unausgegoren bleibt es dennoch. Die Schauspieler sind furchtbar, das Drehbuch ist schlecht und Slades Inszenierung weder Fisch noch Fleisch. Der Score von Shore und die Atmosphäre, die gelegentlich wirklich überzeugt, retten ‚Eclipse‘ vor dem Totalausfall, trotzdem kann man sich den Film gerne sparen.

Bewertung: 3/10 Sternen