Kritik: Ben Hur (USA 2016)

© Paramount

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This is your heartbeat!

Es war zwar nicht die erste Verfilmung des 1880 publizierten Romans von Lew Wallace, doch die Verfilmung von William Wyler aus dem Jahre 1959 gilt dennoch als einzigartiges Werk. Kein Wunder, immerhin war der fast vier Stunden lange Film ein enormer Erfolg, war die erste Produktion die elf Oscars gewann und bot alleine mit dem Wagenrennen eine legendäre Szene, die damals Maßstäbe setzte. Nun, nachdem die Geschichte jahrzehntelang nur noch fürs Fernsehen als Mini-Serie umgesetzt wurde, bringt der russische Regisseur Bekmambetow die Geschichte des Judah Ben Hur erneut auf die Leinwand.

Timur Bekmambetow, der mit seinen Wächter der Nacht-Filmen einst seine Eintrittskarte für Hollywood löste und mit Wanted sowie Abraham Lincoln Vampirjäger effektreiche wie teils herrlich irrsinnige Actionorgien inszenierte, setzt diesmal weitaus weniger auf überbrodelnde Aktionen. Sein Ben Hur ist eine grob entschlackte Version des Stoffes, die bereits von Beginn an klar macht, dass das narrative Ziel das große Wagenrennen ist. Bis es zu diesem kommt, müssen aber noch einige narrative Hebel in Bewegung gesetzt werden: Verrat, Missgunst, großes Gezeter. Bekmambetow vertraut weitestgehend darauf und lässt, einmal abgesehen von einer Seeschlacht, die Action ruhen.

Das wäre an sich nicht verwerflich, nur besitzt er leider keinerlei Gespür für Dramaturgie und Progression. Schon lange nicht mehr, war ein Blockbuster im Bereich der Erzählung so unangenehm zäh und bräsig. Sogar Emmerichs Sommer-Debakel Independence Day: Wiederkehr wirkt im Gegensatz zu Ben Hur wie vitalisierendes Kinos. Was Bekmambetow hier vorlegt ist schlicht und ergreifend desaströs und es kommt zu keiner Zeit Begeisterung, Faszination oder Interesse für die Geschichte oder die Figuren auf. Wie auch? Die Charaktere sind stupide Schablonen, die Geschichte kommt selbst dann nicht in Fahrt, wenn es zu Exzessen kommt und trotz einer Verkürzung der Geschichte, erweist sich der Film als unangenehmer Zeitfresser. Der Ben Hur von 1959 wirkt in der Tat um einiges kurzweiliger als dieser hier.

Das liegt auch daran, weil Bekmambetow niemals der Epik der Geschichte vertraut. Wo es damals große Kulissen in sattem Technicolor gab, gibt es nun nur fahle Sets, die mit austauschbaren Effekten vergrößert wurden. Das macht nicht nur wenig her, das macht gar nichts her. Gleiches gilt für die Darsteller, die ihren Figuren zu keiner Zeit eine echte Persönlichkeit einverleiben können. Alles wirkt austauschbar, redundant und – im besten Falle – mäßig. Kurz: Der gesamte Film ist ein Armutszeugnis. Das ändert sich auch nicht im großen Showdown. Dann bekommt die Soundanlage des Kinos zwar ordentlich etwas zu tun, herausreißen tut diese übergroße Actionszene aber auch nichts. Zum einen fehlt ihr der neckische Wahnsinn von Bekmambetows früheren Filmen, zum anderen gelingt ihr es, den Zuschauer nach einer fast zweistündigen Hungersstrecke innerhalb von wenigen Minuten zu übersättigen. Was für eine Katastrophe! Immerhin, das Rennen um den Titel des schlechtesten Blockbuster des Jahres hat mit Ben Hur einen neuen Favoriten bekommen.

Der Film startet am 1. September 2016 in den deutschen Kinos.