Kritik: Sleepless – Eine tödliche Nacht (USA 2017)

© Tobis

Wenn man auf jemanden zielt, muss man auch bereit sein zu töten.

Las Vegas bei Nacht ist immer eine ausladende Kamerafahrt in der Vogelperspektive wert, scheint der sogenannte Stadt der Sünde doch eine Faszination inhärent zu sein, an der man sich offenbar niemals satt sehen kann. Mit dem grellen Lichtermeer direkt unter uns, versucht die Eröffnung von Sleepless – Eine tödliche Nacht indes beinahe der großen Kunst eines Zodiac – Die Spur des Killers nachzueifern, in dem David Fincher die Obersicht ebenfalls wiederholt wählte, um in den daraus resultierenden kartografischen Aufnahmen eine bedrückend-ungeordnete Angst vor dem zu formulieren, was sich dort unten im urbanen Kosmos abspielen könnte. Und irgendwo schließt sich hier, in den ersten Minuten, bereits der Kreis, hat sich Regisseur Baran bo Odar doch in seinem von Kritik und Publikum weitreichende gefeierten Who Am I – Kein System ist sicher merklich am überaus ästhetischen Kino des David Fincher orientiert.

Doch nur weil es einige stilistische Übereinstimmung zu erspähen gibt und gab, ist Who Am I – Kein System ist sicher noch lange kein Fight Club – und noch weniger reicht Sleepless – Eine tödliche Nacht an die horizonterweiternde Brillanz eines Zodiac – Die Spur des Killers heran. Baran bo Odars Hollywood-Debüt rekurriert sich auf den französischen Thriller Sleepless Night – Nacht der Vergeltung, für den es in Deutschland zwar nur zu einer Direct-to-Video-Auswertung gereicht hat, der durch sein ausgeprägtes Verständnis für die dynamische Nutzung von Räumlichkeiten aber eine nicht zu unterschätzende Fanbase aufbauen konnte. Dass es jedoch ein Publikum geben könnte, welches sich aus eigenem Antrieb heraus als Anhängerschaft von Sleepless – Eine tödliche Nacht zu erkennen gibt, scheint beinahe absonderlich, ist Baran bo Odars Abstecher in die Vereinigten Staaten doch nicht mehr als ein formelhafter Abzählreim.

Keine Frage, mit Jamie Foxx (Django Unchained) und Michelle Monaghan (Boston) kann sich Baran bo Odar auf zwei hochkarätige Schauspieler an vorderster Front verlassen. Vor allem die Charakterisierung der von Monaghan verkörperten Jennifer Bryant gefällt durch ihre unbeirrbare Hartnäckigkeit: Eine Frau, die gelernt hat, sich in einem von Männern dominierten Bereich durchzubeißen. Darüber hinaus aber findet man nur wenige Aspekte, die man Sleepless – Eine tödliche Nacht positiv anrechnen möchte. Die verwinkelte Architektur des Casino-Komplex, in dem der Film zum Großteil verortet ist, nutzt bo Odar nicht, um einen atemlosen Wettkampf gegen die Zeit anzustimmen, stattdessen scheint der Regisseur erneut seinen Faible für sterile Oberflächlichkeiten auszuleben. Die schillernden Interieurs glänzen wie Jamie Foxx‘ verspiegelte Sonnenbrille, inhaltlich aber verkommt der Tauschgang ins Schlangennest der Korruption zum antiquierten Malen-nach-Zahlen-Genre-Brei. Frei von jeder Handschrift. Frei von Inspiration.

Sleepless – Eine tödliche Nacht ist ab dem 09. März im Kino zu sehen.