"Malavita – The Family" (FR/US 2013) Kritik – Robert De Niro fällt zurück in alte Muster

Autor: Pascal Reis

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„I didn’t kill him, I took him to the hospital.“

Wenn sich drei Titanen der Branche wie Luc Besson („Léon – der Profi“), Robert De Niro („Die durch die Hölle gehen“) und Martin Scorsese („Taxi Driver“) für eine Kollaboration zusammenraufen, dann ist das für den geneigten Filmfreund ein klarer Grund zur Freude. Inzwischen haben die Namen Besson und De Niro zwar reichlich vom Glanz ihrer Hochzeiten eingebüßt und müssen sich der qualitative Kontinuität des sympathische Italo-Amerikaner Martin Scorsese, der hier in Person des Produzenten auftritt, gnadenlos unterordnen. Doch Hoffnungen auf eine positive Überraschung, die damit auch für De Niro und Besson weiterhin als künstlerische Reanimation verstanden werden darf, besteht in der Kinematographie prinzipiell ja schließlich immer. Mit der Familien/Mafia-Komödie „Malavaita – The Family“ bleiben die verheißungsvollen Aussichten allerdings weiterhin vollständig unbestätigt und muss sich als nächster Steinschlag in der Vita Bessons und De Niros geschlagen geben.

Früher war Giovanni Manzoni der gefürchtete Mafia-Pate von New York, heute, nachdem er gegen seinen alten Clan ausgesagt und die Seiten zwangsläufig wechselte, eskortiert ihn, nun unter dem Decknamen Fred Blake unterwegs, und seine Familie das FBI im Dienste des Zeugenschutzprogramms von einem Ort zum anderen. Die Manzonis aka Blakes führt der Weg nach Frankreich in Normandie, doch während nicht nur die Mafia einen gewaltigen Groll auf Giovanni schürt und ihn für seine Denunziation büßen lassen möchte, ist es für die vierköpfige Familie aber ebenfalls gar nicht mal so leicht, sich in ihrem neuen Umfeld zivilisiert einzuleben und unauffällig zu bleiben. Vor allem deswegen nicht, weil der stoische FBI-Agent Stansfield ein besonderes Auge auf die Manzonis geworfen hat…

Es kommt keinen Besetzungsgeniestreich gleich, Robert De Niro in den Rollentypus eines Mafioso zu verfrachten. Selbst diejenigen, die sich nur geringfügig für die Filmwelt und ihre populären Marionetten interessieren, assoziieren De Niro (wie auch Al Pacino) mit zuverlässlicher Sicherheit mit einer Koryphäe des organisierten Verbrechen – „Der Pate 2“, „Es war einmal in Amerika“, „GoodFellas“, „Casino“ sei Dank. Für einen alternden Star ist es inzwischen undenkbar geworden, sich nicht selbstironisch zu präsentieren und ein so penetrant angeheftetes Image zu persiflieren. Natürlich ist De Niro immer noch ein guter und vor allem charismatischer Schauspieler, es scheitert bei ihm in den letzten Jahren nur viel zu oft, wie auch in diesem Fall, an der verwaschenen Charakterzeichnung, die viele Facetten aufbereiten möchte, aber keine kohärente Figur modelliert. Ähnlich unterfordert und entkräftet fungieren Michelle Pfeiffer, Tommy Lee Jones, Dianna Agron und John D’Leo.

Seinen letzten wirklich nennenswerten Film inszenierte (und schrieb) Luc Besson mit dem humorvoll-kreativen Sci-Fi-Actioner „Das fünfte Element“ im Jahre 1997. Seitdem beschränkte sich seine Karriere befremdlicherweise vorwiegend darauf, sämtliche unbedeutende Machwerke („Columbiana“, „Frontier(s)“) zu produzieren und selber als vollkommen uninteressanter Regisseur aufzutreten, der wohl nur noch in der Lage zu sein scheint, triviale Werke wie die „Arthur und die Minimoys“-Trilogie zu fabrizieren. Von der informalen Klasse eines „Léon – Der Profi“ könnte Besson momentan nicht weiter entfernt sein; und der Grund für diesen rigorosen Abstieg lässt sich auch in „Malavita – The Family“ problemlos erkennen: Besson weiß einfach nicht mehr, wie er eine Geschichte erzählen will. Das Endergebnis ist erschreckend unausgegoren und tonal ein einziges Desaster.

„Malavita – The Family“ setzt sich in erster Linie zum Ziel, die filmischen Klischees der Mafia, für die Robert De Niro und sein Œuvre natürlich auch gewissermaßen – aufpassen – Pate steht, durch selbstreferenzielle Pinselstriche aufzubrechen und gleichermaßen zu huldigen. Luc Besson jedoch findet keinen homogenen Zwischenweg indessen, seinen Familienclan als die sympathische Sippe darzustellen, die das Drehbuch anstrebt. Obgleich sich der Gesamteindruck eben als Komödie mit dem ironischen Augenzwinkern auftun möchte, ist die Tonalität derart unausgereift und konfus, dass dem Zuschauer aufgrund der zynischen Gegenentwürfe innerhalb des Szenarios schnell das Lachen vergehen möchte. Wenn Töchterchen Belle – und das ist nur ein Beispiel – mit einem Tennisschläger das Gesicht einer Mitschülerin zertrümmert und damit die gleiche humoristische Resonanz ernten möchte, wie in der gekonnt überspitzten Szene, in der Maggie einen kleinen Laden in die Luft sprengt, dann tritt das konterkarierte und schrecklich konträre Profil des Films in schauderhaftem Dilettantismus seitens Bessons Ägide auf.

Fazit: Luc Besson degradiert sich endgültig zum Schatten seiner Seite. Mit einem zwar namhaften, aber furchtbar unterforderten Cast im Repertoire, lässt der französische Superstar erneut genau die narrative Balance vermissen, die sein Opus magnum „Léon – Der Profi“ so brillant gemacht hat. Sein „Malavita – The Family“ glänzt hingegen mit einer unausgewogenen Erzählstruktur und der befremdlichen Tonalität, die es dem Zuschauer unmöglich macht, hier wirklich Spaß zu empfinden. Der nächste Reinfall, nicht nur für Besson, sondern auch für den wankenden Riesen De Niro.