"Red Eye" (USA 2005) Kritik – Ödes Psycho-Duell

„Jetzt warten wir erst mal auf die Taschentücher und das Wasser und wenn wir wieder unter uns sind, können wir das Geschäftliche klären.“

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Die glorreichen Jahre des Wes Craven sind lang vorbei. Ähnlich wie John Carpenter verliert sich Craven zunehmend im Genre-Einheitsbrei. Mit Filmen wie ‚Hügel der blutigen Augen‘, ‚Nightmare on Elm Street‘ und ‚Scream‘ schuf er drei absolute Klassiker. Danach kam aber einfach nichts Besonderes mehr. Jetzt begeben wir uns in das Jahr 2005, in dem Cravens Psycho-Thriller ‚Red Eye‘ in die Kinos kam. Leider inszeniert er damit ein völlig höhepunktarmes und durchschnittliches Thrillerchen von der Stange.

Der Film spielt fast über die gesamte Laufzeit im Flugzeug. Klaustrophobische Stimmung kommt auf dem engen und ausweglosen Raum aber eher selten auf. Yeamans verleiht seinen Bildern einen klaren Glanz, die aber die eigentlich düstere Stimmung rein gar nicht unterstreichen kann. Soundtechnik kommt auch nichts rüber, denn es gibt mal wieder den inzwischen beliebten Ton-Knall. Das heißt, wenn wir uns erschrecken sollen, wird einmal ein lauter Knall rausgefeuert und fertig. Das erzeugt natürlich keinerlei Feeling. Der weitere Score von Marco Beltrami ist zwar nett anzuhören, spielt im Film aber keine nennenswerte Rolle.

Mit Rachel McAdams als Lisa Reisert hat Craven sich zwar ein hübsches Gesicht für die Hauptrolle ausgesucht, doch ihr Charakter geht nie über den Prototyp der verzweifelten Frau in Not aus. Der tolle Cillian Murphy als Gegenspieler Jackson Rippner hat zwar in jedem Fall das Zeug für eine facettenreiche Darstellung, darf aber auch nicht über den Rand des Standard-Psychopathen hinaus blicken. Genug Charisma und Ausstrahlung hat er aber um das Nötigste aus seiner flachen Rolle zu holen. Brian Cox als Lisas Vater Joe ist leider völlig verschenkt und hat die meiste Zeit damit zu tun, seine Tochter zu fragen, ob es ihr wirklich gut geht.

Nachdem Lisa am Bahnhof schon die Bekanntschaft mit dem charmanten Jackson gemacht hat, sitzen sie auch noch im Flieger nach Miami nebeneinander. Doch gerade auf halber Höhe offenbart Jackson sein wahres Gesicht. Er ist ein Teil einer Gruppe, die einen Anschlag auf seinen Politiker planen und der soll sich im Hotel, in dem Lisa arbeitet, aufhalten. Lisa soll beantragen, dass dieser Politiker in ein anderes Zimmer umzieht um vom Anschlag erwischt zu werden. Sollte Lisa sich weigern die Terrorgruppe zu überstützen, stirbt ihr Vater.

Craven versteht es an erster Stelle Lisa mit genügend Sympathien auszufüllen und dem Zuschauer etwas näher zu bringen. Gerade kommt sie von einer Beerdigung und will nur noch nach Hause. Dass sie eine innige Beziehung mit ihrem Vater führt, wird uns unmissverständlich klargemacht. So fällt es uns auch nicht besonders schwere ihre Panik, im Angesicht des Todes von ihrem Vater, abzukaufen. Es gibt aber viel größere Probleme, an denen ‚Red Eye‘ gänzlich scheitert.

Das fängt erst mal mit dem Psychopathen Jackson und Lisa selbst an. Jackson macht einen völlig kaltblütigen und durchtriebenen Eindruck, der vor nichts zurückschrecken würden. Dementsprechend naiv ist Lisas Glaube, dass Jackson wirklich nur diesen einen Gefallen von ihr will und dann direkt wieder verschwindet. Lisa will ihm diesen Wunsch natürlich nicht erfüllen und versucht durch verschiedenste Wege immer irgendwie aus dieser brenzligen Situation zu fliehen. Ideen hat sie einige und kurz bevor diese Ideen aufgehen, funkt Mr. Psycho ihr dazwischen. Das klappt vielleicht einmal, aber wenn wir das nochmal und nochmal und NOCHMAL zu sehen bekommen, natürlich immer in anderen Ausführungen, dann ist das nicht nur unglaubwürdig, sondern auch furchtbar langweilig.

Schade ist nur, das Craven zu Anfang sogar ein zügiges Tempo einschlägt und durchaus unterhalten kann. Der Geschlechterkampf wird ausgebaut und das hat leider schnell, wegen der genannten Gründe, sein Ende gefunden.

Noch schlimmer ist aber die Tatsache, dass wir einen solchen Film schon gefühlte 100 Mal gesehen haben und davon auch geschätzt 80 Mal besser. ‚Red Eye‘ ist zu keiner Sekunde wirklich durchdacht oder mit intelligenten Einzelheiten ausgestattet. Alles bleibt auf dem gleichen belanglosen Level und wird von Anfang bis Ende uninspiriert runtergespult. Dazu kommt auch, dass man wirklich jede weitere Szene des Films ohne Probleme voraussagen kann und von einer kleinen Überraschung ist nicht im Ansatz etwas zu finden.

Wenn Lisa es dann doch irgendwie schafft aus den Fängen von Jackson zu entwischen (wer hätte das gedacht) will der Film noch mit einem polternden Finale auffahren. Also kommt es zu Zweikämpfen und Verfolgungsjagend, quer durchs Haus des Vaters, in dem er dann auch eine schwerwiegende Rolle spielen wird. Das Craven es gegen Ende nochmal krachen lassen will ist also nicht nur absolut unnötig, sondern auch noch schlecht inszeniert und er greift auch noch auf schreckliche Genreklischees zurück. Das Handy funktioniert nicht, bla bla bla. Fesseln tut das schon lange niemanden mehr und das Desinteresse leuchtet aus den müden Augen des Zuschauers.

Fazit: ‚Red Eye‘ ist einer der Filme, wie man ihn von einem Debütanten erwarten würde, der sich hier zum ersten Mal in der Filmwelt versucht und noch nicht wirklich weiß, was er überhaupt will. Aber doch nicht von einer einstigen Horror-Ikone wie Wes Craven. Der Film ist absolut unausgegoren und größtenteils furchtbar uninteressant. Die Schauspieler sind ok, aber nicht wirklich gut, Bilder und Score bewegen sich auf dem gleichen Grat und können keine Atmosphäre erzeugen. Nee, Mr. Craven, das war richtig schlecht.

Bewertung: 3/10 Sternen