"Der Schaum der Tage": Unser Interview mit Michel Gondry und Audrey Tautou

nullAutor: Stefan Geisler

Am 3. Oktober startet Michel Gondrys verträumtes Romantik-Drama „Der Schaum der Tage“ in den deutschen Kinos. Ich hatte die Möglichkeit, bereits im Vorfeld einmal mit Regisseur Michel Gondry und Hauptdarstellerin Audrey Tautou über den Film zu sprechen.

Wie groß ist der Erwartungsdruck, wenn man einen Roman der französischen Schriftsteller-Legende Boris Vian verfilmt?

Michel Gondry: Natürlich war der Erwartungsdruck groß. Ich weiß, dass die Leute eine sehr persönliche Bindung zu diesem Buch haben, sie erwarten vielleicht Dinge, die sie gar nicht zu sehen kriegen. Außerdem weiß ich, dass Boris Vian während einer Vorführung eines Films starb, der auf einem Buch von ihm basierte und den er absolut nicht ausstehen konnte. Da wollte ich natürlich nicht, dass er wegen mir noch ein zweites Mal sterben muss.

Wie hast du die einzelnen Szenen für „Der Schaum der Tage“ entwickelt? Es muss eine unvorstellbare Arbeit gewesen sein, all diese verspielten und verschnörkelten Szenen zu entwerfen.

Michel Gondry: Ich habe mich in einigen Szenen direkt an meinen ersten Eindruck gehalten, also an die Bilder, die mir während der ersten Lektüre des Romans in den Kopf gekommen sind. Andere Szenen zeichne ich erst einmal vor und versuche dann aus diesen Zeichnungen etwas zu entwickeln. Eigentlich entstehen Szenen meist ganz spontan, manchmal reicht es auch schon, dass mir irgendjemand sagt „Nein, so kannst du das nicht machen, das ist nicht möglich“. Das ist dann immer ein zusätzlicher Anreiz für mich, schließlich ist es ja auch mein eigentlicher Job, den Technikern zu widersprechen (lacht). Ich denke, wenn man dem Buch von Boris Vian wirklich Tribut zollen will, dann sollte man versuchen, auch bei der technischen Realisation die eigenen Grenzen zu brechen, schließlich hat Vian in seinen Werken auch mit vielen Regeln der klassischen Literatur gebrochen.

Kann man sagen, dass du Kino für Tagträumer machst?

Michel Gondry: Auf jeden Fall. Kino für Zuschauer, die alle Aspekte des Lebens sehen wollen. Ich mache halt Filme im Rahmen meiner Möglichkeiten.

Die Spezialeffekte in deinen Filmen unterscheiden sich doch immer recht stark von den Spezialeffekten in anderen Filmen, allein schon dadurch, dass sie meist handgemacht sind. Warum spielt die Mechanik in „Der Schaum der Tage“ eine so große Rolle?

Michel Gondry: Boris Vian war ein Ingenieur. Er war ein sehr geschickter Handwerker, hat viele seiner Möbel selber gestaltet, dementsprechend war der Einsatz vieler mechanischer Spezialeffekte letztendlich auch ein Tribut an diesen begnadeten Künstler. Außerdem würden auch viele der Effekte zu schlicht und einfach wirken, wenn sie nicht handgemacht wären und dadurch ihre Wirkung verlieren.

nullÄhnlich wie „Die wunderbare Welt der Amelié“ ist auch Michel Gondrys „Der Schaum der Tage“ ein äußerst surrealistischer Film. Stehst du gerne für solch verrückt-surrealistische Werke vor der Kamera?

Audrey Tautou: Ja, natürlich. Es macht großen Spaß bei solchen Filmen vor der Kamera zu stehen, was aber auch meist mit der Literatur zu tun hat, auf der diese Filme basieren. Es gibt in diesen Werken einfach keine Grenzen, an die man sich halten muss, man kann so frei sein in seiner Kreativität und der so Fantasie und Poesie einfach ihren Lauf lassen.

War es für dich also bereits nach dem ersten Lesen des Romans klar, dass du unbedingt in die Rolle der Chloé schlüpfen willst?

Audrey Tautou: Ganz so war es dann doch nicht. Ich hatte bereits Michel zugesagt, dass ich die Rolle übernehmen würde, bevor ich überhaupt das Buch gelesen hatte. Zwar war mir das Buch schon noch bekannt, ich hatte es aber zum letzten Mal mit 15 Jahren gelesen.

Du hattest das Buch also zum ersten Mal als Teenager gelesen. Hat es dich damals sehr beeinflusst?

Audrey Tautou: Ja, auf jeden Fall. Als Teenager war „Der Schaum der Tage“ ein ausgesprochen wichtiges Buch für mich. Bis dato hatte ich noch relativ wenig Literatur für mich entdeckt und dieses Buch war so anders, verrückter als alles, was ich bis dahin gelesen hatte.

Ist es nicht ein enormes Risiko für einen Schauspieler eine Rolle zu übernehmen, die bereits seit Jahren in den Köpfen der Leser existiert? Muss man nicht befürchten, die Erwartungshaltung der Zuschauer zu enttäuschen?

Audrey Tautou: Na klar. Wenn man eine größere Rolle in einer Buch-Adaption übernimmt, muss man immer damit rechnen, Fans in der ein oder anderen Weise zu enttäuschen. Schließlich entwickelt jeder einen eigenen Film in seinem Kopf, während er solch ein Buch liest. Man sollte nur immer im Hinterkopf behalten, dass ich nicht die Chloé von Boris Vian spiele, sondern die von Michel Gondry.

Möchtest du auch gerne in Hollywood noch einmal richtig durchstarten und für eine Big-Budget-Produktion vor der Kamera stehen?

Audrey Tautou: Die Dimension eines Films ist für mich nicht der ausschlaggebende Grund, warum ich eine Rolle annehme. Momentan bin ich sehr glücklich als Schauspielerin in Frankreich und vermisse Hollywood nicht. Sollte aber doch mal wieder eine Anfrage eintreffen, wäre ich natürlich nicht abgeneigt. Ich hoffe ja immer noch, dass Michel mich einmal mit Alexander Payne bekannt macht.

Michel Gondry: Das ist der wahre Grund, warum sie mit mir zusammengearbeitet hat (lacht).

Vielen Dank für das Interview!