"The Tourist" (USA/FR 2010) Kritik – In Venedig langweilen sich die Stars

„Diese Operation ist offiziell abgeschlossen.“

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Was waren wir Deutschen nicht alle stolz auf Florian Henckel von Donnersmarck, unser Florian, der sich mit seinem Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ in der großen Filmwelt durchsetzte und den Oscar für den Besten fremdsprachigen Film gewinnen konnte. „Wir sind Oscar“. Von Donnersmarck war in aller Munde, jeder wollte sich mit ihm beschäftigten, diesem altschlesischen Adelsgeschlecht, der endlich wieder mal den Goldjungen nach Deutschland holen konnte. „Die Zukunft des deutschen Film steht direkt vor uns.“ Wenn wir in diesen vergangenen Tagen durch das Fernsehprogramm zappten und egal ob wir bei einem Boulevard-Magazin oder der Tagesshow hängengeblieben sind, überall sahen wir unseren Florian, wie er den Oscar breitgrinsend in alle Kameras streckte und verdeutlichte, was er in seiner jungen Karriere schon großes geleistet hat. Aber sind wir ehrlich: „Das Leben der Anderen“ war ein guter Film, sicher, doch etwas Weltbewegendes oder gar unheimlich Beeindruckendes, hat Herr von Donnersmarck damit nicht abgeliefert, interessiert daran, seinen Werdegang zu verfolgen, durfte man dennoch bleiben, denn Qualität und Talent war ohne Frage vorhanden. Natürlich will man nach einem derartigen Erfolg auch die Traumfabrik erobern und von Donnersmarck schickte 2010 sein Remake „The Tourist“ in die Kinos. Das wachrüttelnde Ergebnis: Einer der schlechtesten Filme aller Zeiten.

Frank ist Amerikaner und hat gerade eine äußerst schwere Trennung hinter sich. Um auf andere Gedanken zu kommen, macht er sich auf den Weg nach Italien und will in Venedig, der Stadt der Kanäle, endlich ablenken von seinen Schmerzen. Diese Ablenkung soll Frank auch bekommen, denn im Zug nach Venedig lernt er die hübsche Elise kennen, in die sich Frank ohne Halt verliebt. Allerdings gibt es jetzt schon einen Haken an der Sache, denn Elise hat sich zum Ziel gemacht, die Verfolger ihres Ex-Lovers Alexander Pearce durch Frank vollkommen durcheinander zu bringen. Pearce ist ein Schwerverbrecher, der in ganzen vierzehn Staaten gesucht wird und hat dazu auch noch einen riesigen Batzen Geld in seinem Besitz, den natürlich eine ganz andere Person wiederhaben möchte. Frank befindet sich plötzlich in einer Situation, die er so nicht geplant hat, denn zum einen sind die Gangster hinter ihm her und auf der anderen Seite hat auch ein ganz bestimmter Agent ein Auge auf ihn geworfen…

„Das Leben der Anderen“ konnte nicht nur durch seine authentische Atmosphäre überzeugen, sondern hatte mit Ulrich Tukur, Martina Gedecke, Ulrich Mühe und Sebastian Koch ein starkes Quartett, das den Film mit ihrem ganzen Können getragen hat und über die volle Laufzeit vollkommen überzeugte. In Hollywood angekommen, musste sich Von Donnersmarck natürlich auch den dortigen Umständen anpassen und holt zwei der größten Stars der Gegenwart ins Boot: Angelina Jolie und Johnny Depp. Gebracht hat das allerdings rein gar nichts. Angelina Jolie spielt Elise Clifton-Ward, wobei „spielt“ das falsche Wort ist. Viel mehr schlurft sie von einer Stelle zur nächsten, wird immer wieder in ellenlangen Einstellungen in Szene gesetzt und von Schauspiel kann hier wirklich nur in den wenigsten Augenblicken die Rede sein, dafür ist ihr Auftritt einfach zu statisch und kraftlos. Das Gleiche gilt auch für Johnny Depp als Frank Tupelo, der sich ein paar Kilos anfutterte und jeden Charme in seinem Wohnsitz in Frankreich vergessen hat. Depp trottet ebenfalls vollkommen lustlos und desinteressiert von A nach B, ein Mienenspiel gibt es nicht und Depp setzt den gleichen Gesichtsausdruck durchgehend auf. Die Folge von dieser Arbeitsverweigerung: Es gibt keinerlei Chemie zwischen den beiden Stars und es wirkt so, als würden zwei Fremdkörper gezwungenermaßen Zeit miteinander verbringen, wollten aber eigentlich nur Venedig bei Sonnenschein betrachten.

Das Positive an „The Tourist“ direkt vorweg: Kameramann John Seale leistet gute Arbeit und die prächtigen Aufnahmen von Venedig will man sich direkt an die Wohnzimmerwand hängen. Das allein macht allerdings keinen Film aus, was „The Tourist“ dann auch zu dem macht, was er schlussendlich ist: Eine pure Katastrophe, an der einfach rein gar nichts stimmt und jede Minute nur Vergeudung der eigenen Lebenszeit ist. Das beginnt bei der mangelhaften und laienhaften Charakterzeichnung, die mit zu den langweiligsten überhaupt zählt und dem Zuschauer nicht nur mit der bloßen Langeweile empfängt, sondern damit auch dauerhaft begleitet, denn es eröffnen sich weder neue Facette, noch will das Schauspiel von Depp und Jolie irgendwelche Besonderheiten ausweisen und die beiden Darsteller stolpern ausdruckslos durch das ermüdende Geschehen. Warum Florian Henckel von Donnersmarck unbedingt ein Remake vom französischen Krimi „Anthony Zimmer“ machen wollte, der auch im Original schon eher schlecht als recht war, sei mal dahingestellt, in jedem Fall war es wohl seine dümmste Idee, denn einen miesen Film noch dümmer zu verkaufen, war wohl nicht die Absicht des Adelsmannes.

Als Zuschauer fragt man sich über die gesamte Laufzeit, was uns „The Tourist“ hier eigentlich erzählen will. Der Grundgedanke, eine Hommage an die 50er Jahre zu inszenieren, ist mit Sicherheit keine schlechte Idee, doch Von Donnersmarck lässt nicht an die goldenen Jahre erinnern, sondern zieht sie in seiner selbstgefälligen Art schamlos durch den dilettantischen Dreck der filmischen Beleidigungen. Für eine Komödie fehlt jeglicher Pepp, die unterhaltsame Spritzigkeit und einfach der Spaß, denn so stocksteif wie uns das Geschehen hier gezeigt wird, ist alles was bleibt, nur die abschreckende Arroganz des Regisseurs, der sich selbst eindeutig etwas zu sehr überschätzt hat. „The Tourist“ ist ein sinnloses, belangloses, inhaltloses und ebenso lustloses Machwerk der untersten Schublade. Eine Story, die so hanebüchen ist, dass sie sich selbst nicht mal ihr richtungsloses Gefasel abkauft und von einem unsortierten Drehbuch begleitet wird, welches mit aufgesetzten und lachhaften Dialoge nur so um sich wirft. „The Tourist“ ist ein substanzloses Hochglanzdebakel, dem jeglicher Charme und Esprit in den unendlichen Weiten der Selbstüberschätzung verloren gegangen sind.

Fazit: Etwas Gutes hat es an sich, dass „The Tourist“ eine solch extreme Bauchlandung geworden ist, denn so findet sich Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck wieder auf dem Boden der Tatsachen wieder und legt sich beim nächsten Mal etwas mehr ins Zeug, denn nur den Oscar auf dem Regiestuhl polieren reicht nicht aus, um einen ansprechenden Film zu inszenieren. Die Schauspieler haben keine Lust auf ihre Rollen und machen daraus keinen Hehl, die Krimigeschichte ist selbst für ZDF-Verhältnisse eine Frechheit und so wirr zusammengesteckt, dass einem schon die Wort fehlen und das Drehbuch ist eine Katastrophe. Einzig die schönen Bilder der italienischen Kanalstadt wissen durchaus zu überzeugen, doch die allein bewirken rein gar nichts, denn „The Tourist“ ist ein furchtbar schlechter Film, bei dem rein gar nichts richtig gemacht wurde und den man bereits während des Abspanns wieder vergessen hat – zu Recht.

Bewertung: 1/10 Sternen