"Thor: The Dark Kingdom" (USA 2013) – Der Donnergott lässt es wieder krachen

Autor: Stefan Geisler

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„Hitting does not solve everything.“

Marvels „Phase Two“ ist eingeleitet: Nachdem sich Comic-Fans dieses Jahr mit „Iron Man 3“ bereits an einer Blockbuster-Variante des Polit-Thrillers „Zero Dark Thirty“ erfreuen durften, darf nun wieder Hammerwerfer Thor Gegner im Sekundentakt durch die Leinwand prügeln. Bereits 2011 setzte Kenneth Branagh („Hamlet“) das erste Abenteuer des Donnergotts bildgewaltig in Szene, doch der Shakespeare-Virtuose beließ es bei einem Ausflug in das Marvel-Universum. Als neuer Regisseur konnte Alan Taylor für das Comic-Spektakel gewonnen werden und auch dieser schafft es, den Göttersohn wieder gekonnt in Szene zu setzen. „Thor: The Dark Kingdom“ (Warum bei uns nicht als „Thor: The Dark World“ in die Kinos kommt, versteht wohl auch kein Mensch) schlägt einen deutlich raueren, düsteren Ton an, als sein Vorgänger: Schwere Entscheidungen müssen getroffen, schwere Opfer gebracht werden. Auch in der Kostümgestaltung hat sich einiges geändert, denn die Plastik-Harnische sind Rüstungen gewichen, die aussehen, als würden sie tatsächlich auch mal im Kampfgeschehen zum Einsatz kommen. Auch wenn „Thor: The Dark Kingdom“ ein wenig braucht, um richtig Fahrt aufzunehmen, was hauptsächlich der verworrenen Geschichte geschuldet ist, erreicht der Comic-Actioner spätestens nach einer halben Stunde Betriebstemperatur und bietet von da an beste Unterhaltung, die im einem chaotisch-fulminanten Finale gipfelt.

Ganze zwei Jahre ist es her, dass Göttersohn Thor (Chris Hemsworth) seiner großen Liebe Jane Foster (Natalie Portman) einen Besuch abgestattet hat. Doch der stattliche Hüne mit der goldenen Mähne hatte einfach zu viel zu tun. Aufstände müssen niedergeschlagen und Welten gerettet werden: Ein echter Vollzeitjob für den Hammerschwinger. Erst als der allsehende Torwächter Heimdall (Idris Elba) Jane plötzlich aus den Augen verliert, macht sich Thor auf die Suche nach seiner Angebeteten. Doch währenddessen braut sich auch an einem anderen Ort ein mächtiges Übel zusammen: Die einst von Odin und seinen Mannen vernichtend geschlagenen Dunkelelfen sind aus ihrem Jahrhunderte andauernden Schlaf erwacht und sinnen unter der Führung ihres diabolischen Oberhauptes Malekith (Christopher Eccleston) auf blutige Rache…

Monster, Götter, Sensationen: So lässt sich wohl die erste halbe Stunde von „Thor: The Dark Kingdom“ am besten beschreiben, denn nach einer kurzen Einführung in die mystische Welt des Donnergottes findet sich der Zuschauer auch prompt im göttlichen Schlachtgetümmel wieder. Welche grotesken Gestalten sich hier eigentlich grade mit Thor und dessen schlagkräftiger Gesellschaft in den Haaren liegen, bleibt dabei reine Nebensache. Diesem chaotischen Auftakt folgen wiederholt Sprünge durch Zeit und Raum, was besonders für comicfremde Zuschauer schnell etwas anstrengend werden könnte, denn es ist gar nicht so einfach, die zeitlichen Zusammenhänge und die Vielzahl der Charaktere in der Kürze der Zeit unter einen Hut zu bringen.

Hat man sich aber erst einmal mit dem verworrenen Setting angefreundet, kann die wilde Fahrt losgehen. Denn was einem hier an Comic-Action geboten wird, ist bestes Popcorn-Kino. Besonders die bombastische Schlacht um die Götter-Stadt Asgard fühlt sich an wie ein Film-Hybrid aus „Star Wars“ und „Herr der Ringe“. Denn wenn die faschistoiden Dunkelelfen mit Laserwaffen und Schwarzes-Loch-Granaten gegen die axtschwingenden Hünen aus Asgard antreten, dann trifft technischer Fortschritt auf Muskelkraft, Science-Fiction auf Fantasy. Diesem Action-Feuerwerk steht auch die finale Auseinandersetzung inmitten der Millionen-Metropole London in nichts nach. Besondere Freunde des Konsolen-Hits „Portal“ dürften größte Freude an diesem Showdown haben, denn wenn die Kontrahenten während ihres erbitterten Zweikampfes immer wieder durch Dimensionslöcher fallen und Thor auch schon einmal gezwungen ist, auf die örtlichen Nahverkehrsmittel zurückzugreifen, um wieder in Kampfgetümmel einsteigen zu können, dann ist gute Laune garantiert.

Glücklicherweise darf in „Thor: The Dark Kingdom“ trotz eines düsteren Grundtons auch wieder kräftig gelacht werden. Neben der Quasselstrippe Darcy (Kat Dennings) und FKK-Wissenschaftler Erik Selvig (Stellan Skarsgård) erweist sich besonders das Bruder-Duell zwischen Thor und Loki als humoristischer Leckerbissen. Gerade Loki-Darsteller Tom Hiddleston beweist einmal mehr, warum er für das Marvel-Universum inzwischen zu einem unverzichtbaren Charakter geworden ist, denn der scharfzüngige britische Mime zeigt, dass er keine dicken Waffen braucht, um es so richtig krachen zu lassen.

Fazit: Alan Taylors „Thor: The Dark Kingdom“ ist Popcorn-Kino, wie es zur Zeit nur Marvel hinbekommt. Zwar braucht der Film einige Anlaufzeit bis er richtig in Fahrt kommt, doch diese verzeiht man ihm rückblickend gerne, denn spätestens nach einer halben Stunde hat der Film seinen Rhythmus gefunden und hält dieses Level auch bis zum Schluss.

P.S.: Natürlich lohnt es auch bei „Thor: The Dark Kingdom“ wieder, bis zum Schluss sitzen zu bleiben, denn diesmal warten gleich zwei Szenen auf den geduldigen Zuschauer.