Autor: Pascal Reis

Filmkritiken

"Annabelle" (USA 2014) Kritik – Puppenterror aus der Retorte

Autor: Pascal Reis „May God have mercy on your soul!“ Dass James Wan das kontemporäre Horrorkino für sich in Anspruch genommen hat, würde man zu gerne als Schnellschussgerücht herunterbrechen, doch es ist genau die Person des in Malaysia geborenen und in Australien aufgewachsenen Filmemachers, die in den letzten Jahren die kommerziellen Erfolge in diesem doch reichlich abgebrannten Genre einfahren durfte. Nachdem sein spottbillig produzierter Indie-Streifen „Saw“ 2004 auf reichlich Gegenliebe gestoßen ist und ein unsägliches Franchise auf den Plan rief, folgte im Jahre 2010 „Insidious“. Angelehnt an den altmodischen Grusel, wie man ihn in den ehrenvollen 1970er Jahren noch in qualitativer Verlässlichkeit um die Ohren geschlagen bekommen hat, bewies Wan mit „Insidious“ vor allem, dass in ...
Filmkritiken

"Joe – Die Rache ist sein" (USA 2013) Kritik – Kein Neuanfang ohne Gewalt

Autor: Pascal Reis „There's nothing I can do and I hate it.“ Zuletzt beehrte uns mit Jeff Nichols „Mud – Kein Ausweg“ ein Film, der den intrinsischen Direct-to-DVD-Qualitäten um ein Vielfaches überlegen war. Der braungebrannte Matthew McConaughey („Dallas Buyers Club“) verkörperte darin den titelgebenden Mud, der sich auf eine verlassene Insel inmitten des Mississippi Delta zurückgezogen hat und schließlich von den jugendlichen Freunden Ellis (Tye Sheridan) und Neckbone (Jacob Lofland) entdeckt wird. Ellis akzeptiert Mud als eine Vaterfigur und zeigt sich fasziniert von den extremen Pfaden, die Mud bereit war der Liebe wegen einzuschlagen. Im Laufe der Geschichte lässt Jeff Nichols das idealisierte Menschen- und Weltbild von Ellis zerbrechen, er verhilft ihm dafür aber auch, ganz dem C...
Filmkritiken

"Erlöse uns von dem Bösen" (AT 2014) Kritik – In New York fauchen die Dämonen

Autor: Pascal Reis „I've seen some horrible things, nothing that can't be explained by human nature.“ - „Then you haven't seen true evil.“ Manchmal, da packt einen einfach die Lust auf einen guten, mitreißenden Thriller. Überwiegend finden die sich aber in der heimischen Filmsammlung wieder, zumeist in der Reihe, in der die etwas älteren Jahrgänge untergebracht werden. Und mal ehrlich: Wenn es um wirklich starke, originelle Thriller-Kost geht, dann hat der internationale Markt schon lange nichts wirklich mehr zu melden und lässt die Kontinuität vermissen, die in den 1970er, 1980er und auch die 1990er Jahre vorzufinden war. Im letzten Jahr sorgte Denis Villeneuves starbesetzter „Prisoners“ für Aufsehen. Tatsächlich hat der Mann hier einen Psycho-Thriller geboten, der wirklich formidabel...
Filmkritiken

"Sex Tape" (USA 2014) Kritik – Sex im synchronisierten Wolkenreich

Autor: Pascal Reis "Who has sex for three hours? That's the length of the movie Lincoln. You did the full Lincoln." Die Welt steht ja bereits Kopf, wenn über Nacht plötzlich Nacktfotos von irgendeinem Hollywoodsternchen in den Weiten des World Wide Web auftauchen. Man möchte daher wohl auch gar nicht wissen, zu welch medialem Amoklauf geblasen wird, wenn man ein privates Sexvideo von Schauspielgrößen wie etwa Brad Pitt („Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“), Kate Winslet („Der Gott des Gemetzels“) oder auch Mark Wahlberg („Transformers 4: Ära des Untergangs“) vor die Augen bekommt. Aber was für Konsequenzen stecken denn eigentlich hinter so einem Video? Mal abgesehen davon, dass die Phantasien eines jeden dahergelaufene Ottos nun beim nächtlichen Handanlegen no...
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"Blood Ties" (FR/US 2013) Kritik – Nicht noch eine Crime-Saga!

Autor: Pascal Reis „He was my hero.“ Guillaume Canet ist schon ein guter Mann, hat er sein Talent vor und hinter der Kamera doch schon unlängst unter Beweis gestellt. Man sollte von dem Franzosen selbstredend kein Schauspiel der Güteklasse eines Yves Montand („Vier im roten Kreis“) oder die inszenatorische Wucht eines Jacques Audiard („Der Geschmack von Rost und Knochen“) erwarten, doch Canet ist einer der Akteure, die jeden Rollentypus auszufüllen vermögen, vom perfiden Mysterium bis zum stinknormalen Jedermann. Und auch die Projekte, die unter seine Ägide entstanden sind, gefallen dadurch, dass sie gutes Entertainment generieren, sich darüber hinaus aber auch einem gewissen Arthouse-Impact nicht verwehren können und doch tiefer bohren, als man es zu Anfang hätte erwartet (seine Ensembl...
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"Open Grave" (USA 2013) Kritik – Das Zeitalter der Finsternis

Autor: Pascal Reis „We were here to help. But we failed.“ Es sind keine Wirbelstürme an Kreativität, die Gonzalo Lopez-Gallego auf das mehr oder weniger cinephile Publikum eindreschen lässt. Der Spanien beherrscht es hingegen, in seinen Filmen mit einer schroffen, partiell gar naturalistischen Atmosphäre aufzuwarten, die den handelsüblichen Genre-Kolportagen, wie sie den internationalen Markt allmonatlich heimsuchen, dahingehend einen groß Schritt voraus sind. Da wäre beispielsweise der brüske Thriller „King of the Hill“ von 2007, in dem sich ein Mann irgendwo in einem verworrenen Waldgebiet plötzlich im Fadenkreuz eines augenscheinlich Wahnsinnigen wiederfindet. Eigentlich ein Film, der maximal für den hohlen Zahn taugt, seine atmosphärische Suggestion, die ganz auf ein realitätsnahes K...
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"Rampage – Capital Punishment" (CA/DE/US 2014) Kritik – Uwe Boll ruft auf zum Massenmord

Autor: Pascal Reis "Kill the rich!" Für nicht wenige Menschen (und dazu gehören nicht nur Uwes Vasallen!) zählt der 2009 veröffentlichte „Rampage – Rache ist unbarmherzig“ zum Besten, was Uwe Boll Zeit seiner Karriere jemals auf die Beine gestellt hat. Aber mal ehrlich, was bedeutet das schon? Nicht viel, so viel ist sicher. „Rampage – Rache ist unbarmherzig“ hatte eben das Glück, dass er unter dem handwerklichen Aspekt nicht gänzlich vom Dilettantismus seines Regisseurs übermannt wurde. Die Handkamera im Schleudergang nämlich hat sich so manches Mal bezahlt gemacht und den Action-Sequenzen nicht die Dynamik geraubt, sondern tatsächlich dann und wann akzentuiert. Dass sich sein exploitativer Reißer aber darüber hinaus wirklich als ein von gesellschaftskritischer Relevanz geschwängertes W...
Filmkritiken

"Serena": Erster Trailer zu Susanne Biers Ehe-Drama mit Jennifer Lawrence und Bradley Cooper

Autor: Pascal Reis Wie mir der Trailer gefällt: Dass die dänische Regisseurin Susanne Bier ("Nach der Hochzeit") schon seit einigen Jahren ihren Biss verloren hat, ist kein Geheimnis mehr. Trotzdem schafft es die Dame immer noch, solide Filme abzuliefern. Mit "Serena" könnte sie sich allerdings mal wieder etwas mehr Lob einheimsen, denn ihr Period Picture verspricht nicht nur großartiges Schauspielkino (Lawrence und Cooper mal wieder vereint), sondern auch eine intensive, brillant fotografierte Geschichte um Liebe und Eifersucht. Deutscher Kinostart ist der 18. Dezember 2014.
Filmkritiken

"Beziehungsweise New York" (FR 2013) Kritik – Amerika soll das persönliche Chaos beenden

Autor: Pascal Reis "Ich fand immer, dass mein Leben nicht einfach war. Und jetzt in New York wird mir klar, dass mein Leben vorher extrem einfach war." Unser erstes Treffen mit dem französischen Volkswirtschaftslehre-Studenten Xavier (Romain Duris) im Jahre 2002 führte uns damals mit „L'auberge espagnole“ nach Barcelona, wo er sich für seinen angestrebten Job die nötige Erfahrung mit der spanischen Wirtschaft aneignen wollte. Drei Jahre später beschenkte uns Regisseur und Drehbuchautor Cédric Klapisch dann mit dem Nachfolger „L'auberge espagnole – Wiedersehen in St. Petersburg“, in dem sich Xavier längst in der Arbeitswelt hat festgesetzt und seinem Traum, ein renommierter Autor zu werden, noch inmitten von larmoyanten Skripten zu schäbigen Fernsehserien umzusetzen versucht. Das ehemal...
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"Sin City: A Dame to Kill For" (USA 2014) Kritik – Gescheiterte Wiedererweckung

Autor: Sebastian Groß "Your gonna suck me dry, and you'll never ever stop!" Neun Jahre. Neun Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Das 3D-Kino etablierte sich im Multiplex, neue Stars wie Jennifer Lawrence und Christoph Waltz kamen auf und Marvel erbaute sich ein filmisches Imperium. Comicfilme sind aktuell das Nonplusultra am Box Office. Eigentlich die perfekte Zeit das langersehnte Sequel zu „Sin City“ in die Lichtspielhäuser zu bringen. Immerhin war die Fortsetzung seit dem der erste Teil 2005 seinen blutigen Fußspuren in den Köpfen vieler Filmfans hinterließ einer der Filme, über den gefühlt jede Woche eine andere Neuigkeit publiziert wurde. Aber Gerüchte und Ideen (wie etwa Angelina Jolie mitwirken zu lassen) machen eben noch keinen fertigen Film. Und so mussten wir warten. Neun Jah...