Autor: Pascal Reis

Filmkritiken

"You’re Next" (USA 2011) Kritik – Im Nirgendwo schwingen die Irren wieder ihre Äxte

Autor: Pascal Reis "Sie beobachten uns seit Tagen." Masken jeder Art von Gestaltung und Manifestation sind seit jeher ein fester Bestandteil der generalisierten Filmhistorik. Dabei sind es nicht einmal nur die obligatorischen Kostümfilme, in denen ein rigoroser Ball mit seinem überwältigenden Maskenmeer als unvergesslicher Höhepunkt auf den Zuschauer wartet und diesen in im von blaublütiger Dekadenz getränkten Tanzsaal langsam an sich reißt und mit anmutiger Leichtigkeit verschlingt. Auch aus menschlicher Sicht spielen derartige Verkleidungen eine brisante Rolle für das eigene Seelenkorsett. Das Stichwort dabei ist die 'Identitätssuche', die es einem Menschen ermöglicht, das eigene Sein hinter einer losen Hülle zu verbergen, so seine Sehnsüchte gegebenenfalls konkret zu intensivieren un...
Filmkritiken

"The Act of Killing" (DK/GB/NO 2012) Kritik – Eine Expedition ins dunkle Herz der Menschlichkeit

Autor: Pascal Reis "I believe even God has secrets." Ein Straftat jeder Art beginnt immer mit einer akzidentiellen Variation der folgenschweren Entwendung: Ob es der konkrete Diebstahl ist, der Eigentumsdelikt, in dem das Hab und Gut einer Person gezielt geraubt wird, der unsittliche Voyeurismus, in dem die Privatsphäre eines Menschen miss- und verachtet wird und natürlich der Extremfall Mord, in dem das Leben, alles, was ein Individuum von Grund auf besitzen durfte, zerschlagen und beendet wird. Und hierbei spielt es keine Rolle, von welchen Seiten ein solch radikales Verbrechen legitimiert ab, ob aus politischer, religiöser oder emotionaler Sicht, egal wie affektiert und nachvollziehbar dieser Schritt aus dem menschlichen Blickwinkel auch gewesen sein mag, ein Mord bleibt immer ein Mor...
Kritik: Prisoners (USA 2013) – Wie weit darf ein Mensch gehen?
Drama, Filme, Filmkritiken, Thriller

Kritik: Prisoners (USA 2013) – Wie weit darf ein Mensch gehen?

Pray for the best, but prepare for the worst. Detective Lokis krampfhaftes Blinzeln steht symptomatisch für die psychische Belastung, der er sich Tag für Tag aussetzt. Mal ist es erträglich, oft aber eine zermürbende Tortur. Lokis Verstand funktioniert wie ein sich ständig um die eigene Achse kreisendes Uhrwerk; wie eine Präzisionsmaschine, die winzige Details und Einzelheiten in ihre logische Ordnung bringt. Fehlt jedoch ein winziges Teilchen, wird deutlich, dass Loki längst nicht mehr zu den frischen Ermittlern seines Bundes zählt, sondern in seiner abgekämpften, bis zum Hals tätowierten Hülle dem mentalen Zusammenbruch eher auf die Schliche gekommen ist, als der eigentlichen Auflösung des tiefschürfenden Falles um die zwei vermissten Mädchen. Jake Gyllenhaal gibt diesen Loki mit eine...
Filmkritiken

"Ein MordsTeam" (FR 2012) Kritik – Omar Sy wird zum französischen Axel Foley

Autor: Pascal Reis "Der soziale Frieden hat seinen Preis." „Ziemlich beste Freunde“ war nicht nur stellvertretend für das Jahr 2012 ein echter Kassenschlager, Olivier Nakache und Eric Toledano inszenierte gleichwohl eine Komödie, die zu den kommerziell erfolgreichsten überhaupt zählt und selbst bei den Oscars ein Wörtchen mitsprechen durfte. Warum sich also auch David Charhons Buddy-Komödie „Ein MordsTeam“ auf die großen Leinwände dieser Welt wagen durfte, liegt auf Hand: Die Popularität und die Massensympathien für Omar Sy. Einen ähnlichen Marketingschachzug konnte man zuletzt auch bei Jennifer Lawarence erkennen, die für ihre Performance in David O. Russells „Silver Linings“ noch den Goldjungen entgegennehmen durfte, um kurze Zeit später schon wieder im grauenhaft schlechten „The Hous...
Die 50 besten Filme aller Zeiten – Pascal von CinemaForever stellt seine Lieblinge vor
Filmkritiken

Die 50 besten Filme aller Zeiten – Pascal von CinemaForever stellt seine Lieblinge vor

Autor: Pascal Reis Über zwei Jahre gibt es jetzt schon unseren Blog. Daher dachten wir uns, es sei an der Zeit, unseren Lesern eine aktualisierte Liste unserer Top 50 Lieblingsfilme vorzustellen, damit ihr, unsere Fans, einen noch besseren Eindruck von uns bekommt. Und auf los geht's los: Das sind meine ganz persönlichen 50 Lieblingsfilme. Platz 50: "Zodiac - Die Spur des Killers" (USA 2007) von David Fincher Besser als in „Zodiac – Spur des Killers“ war Regie-Ästhet David Fincher nie. Warum? Weil Fincher – Anders als in seinen ebenfalls großartigen Filmen „Sieben“ und „Fight Club“ - nicht die düstere Sensation sucht, sondern ganze Generationen mit eine detaillierten Finesse wiederbelebt, dass „Zodiac – Spur des Killers“ nicht nur eine hochspannende wie intelligent chiffrierte Kri...
Filmkritiken

Lieblingsregisseure N°6 "David Cronenberg" – Humanist, Analytiker und Schmierfink

Autor: Pascal Reis Während Listen jeder Couleur einen Eindruck der Ordnung suggerieren, ist die Kategorisierung zwischen Gut und Schlecht auch nur ein Resultat des Verlangens nach autarker Kontrolle und Direktion. Geht es dabei aber um persönliche Bereiche, ist es nicht nur das Bedürfnis die alleinige Oberhand zu gewinnen und etwas zu bestimmen, sondern auch ein Ausdruck der tiefen, unverfälschten, rein subjektiven Gefühlsebene. Genau so intim und bedeutungsvoll ist es da auch, seine favorisierten Lieblingskünstler chronologisch in Reih und Glied zu klassifizieren, auch wenn es manchmal so scheint, dass man gar nicht genau verstehen und innerhalb dieses selektierten Kreises differenzieren kann, warum sich Person XY so unumstößlich in das eigene Herz geschlichen hat, während es sich bei ...
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"Violet & Daisy" (USA 2011) Kritik – Hanni und Nanni: Die Todesengel von morgen

Autor: Pascal Reis "Wir sind nicht hier um ihre Badewanne zu schrubben." Es sorgt immer wieder für großes Aufsehen, setzt man Schauspieler auf einen Rollentypus an, der für ihr Alter weder passend, noch aus pädagogischer Sicht in irgendeiner Art und Weise angebracht scheint. Man erinnert sich da an Wes Andersons filmgewordene Prätention „Moonrise Kingdom“, in dem ein Mädchen, mit den Zehen quasi noch in den Kinderschuhen steckend, für ihren Fluchtkumpanen und Herzallerliebsten, ebenfalls noch reichlich bubenhaft, vor idyllischem Strandpanorama als Fotomodell posiert und agiert. Für noch mehr Trubel und Furore zeigte sich Matthew Vaughns in der Realität angesiedelten Comic-Adaption „Kick-Ass“ aus dem Jahre 2011 verantwortlich, in dem sich die damals 11-jährige Chloe Grace Moretz im haut...
Filmkritiken

"Turbo – Kleine Schnecke, großer Traum" (USA 2013) Kritik – Eine glitschige Heldengeschichte

Autor: Pascal Reis "You're a freak of nature!" Theo ist eine herkömmliche Gartenschnecke, nur eine von vielen, doch im Gegensatz zu seinen ihn belächelnden Artgenossen träumt Theo einen ganz großen Traum: Er möchte gegen sein Idol Guy Gagné beim Indy-500-Rennen in Indianapolis antreten und ihm mal zeigen, wer der wahre Chef auf der Rennstrecke ist. Das Problem ist eben nur, das Theo eine Schnecke ist und daher nicht nur ein unbedeutendes Leben unter den Füßen der Menschen führt, sondern auch gähnend langsam in seiner Fortbewegung ist. Als Theo eines Abends von einer Brücke mal wieder den Verkehr beobachtet und durch einen Unfall in das Nitro-Einspritzsystem vom Verbrennungsmotor eines Sportwagens gerät und dadurch seine DNA schlagartig verändert, kommt Theo seinem Traum ein ganzes Stüc...
Filmkritiken

"¡No!" (CE/FR/US 2012) Kritik – Ein pragmatischer Marketingfeldzug durch die Mechanismen der Diktatur

Autor: Pascal Reis "Ein Regenbogen?" Steht das nicht für die Schwuchteln?" Dass das politisch-engagierte Kino nicht nur kontinental große Bestätigung erhält, sondern auch auf dem globalen Filmmarkt immer wieder neuen Zuwachs beim Gedeihen bestaunen darf, zeigt sich an dem internationalen Output. Natürlich sind die 1970er Jahre schon lange vergangen und kinematographische Großkaliber à la „Die drei Tage des Condor“ (Sydney Pollack, 1975), „Die Unbestechlichen“ (Alan J. Pakula, 1976) oder „I wie Ikarus“ (Henri Verneuil, 1979) rühmen sich heute als echtes Kulturgut, dessen Qualitäten nur noch schwerlich erreicht werden – Von der damaligen Kontinuität darf lediglich im stillen Kämmerlein geträumt werden. Aber auch heutzutage gibt es cineastische Genre-Glücksgriffe wie „Carlos – Der Schakal...
Kritik: Take This Waltz (CA 2011)
Drama, Filmkritiken, Komödie

Kritik: Take This Waltz (CA 2011)

I just bought a new melon baller and I'd like to gouge out your eyes with it. Es ist schon ein Trauerspiel: Während seichte Teenie-Romanzen beinahe Schlag auf Schlag das moderne Kino überschwemmen, dürfen wirklich reife Auseinandersetzungen über die Liebe und ihre Auswirkungen nur sporadisch über die Leinwände flimmern. Und werden dann auch noch vom Publikum weitestgehend übergangen, weil entweder die heuchlerischen Posterboy-Illusionen nicht gefüttert werden oder die Geschichte einfach zu real wirkt und dem Zuschauer zu nahe treten könnte, weil er sich wiedererkennen und gegebenenfalls so manches schmerzhaftes Eingeständnis bewerkstelligen müsste. Qualitätsware der Marke Liebe von Michael Haneke oder auch Derek Cianfrance Indie-Meisterwerk Blue Valentine lassen den geneigten Cineasten ...