Kritik: Brügge sehen… und sterben? (GB 2008)

In_Bruges_Film_Kritik_Trailer

Kommst du mit rauf? – Was gibt’s denn da? – Da gibt’s die Aussicht. – Aussicht auf was? Aussicht auf hier unten? Das sehe ich von hier unten genauso gut.

Die Story:
Nachdem ein Auftrag in London schief geht, sollen sich die beiden irischen Berufskiller Ray (Colin Farrell) und Ken (Brendon Gleeson) auf Anordnung ihres Bosses Harry (Ralph Fiennes) solange, bis sich die Lage wieder normalisiert, in der belgischen Stadt Brügge verstecken und ruhig verhalten. Von „ruhig sein“ haben die beiden allerdings ihre ganz eigene Vorstellung. Treffen mit einem rassistischen Liliputaner gehören hierbei noch zum harmlosesten. Als sich schließlich herausstellt, dass Ken Ray für seinen Fehler in der Ausführung des Londoner Auftrags erledigen soll, überschlagen sich die Ereignisse in der historischen, romantischen Kleinstadt.

Das Rezept:
Man nehme ein paar exzellente Schauspieler: Wie oft bekommt man schon eine Darstellerriege zu sehen, mit der man soviel lacht, weint, mitfiebert und dabei ihre negativen Seiten zu schätzen lernt, alles so wie bei den richtigen Freunden. Solche Charaktere müssen erstmal geschrieben und gespielt werden. Besonders die Chemie zwischen Ray und Ken hat mir dauerhaft ein breites Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Man füge einen großartigen und unvorhersehbaren Plot hinzu: Die Story über Schuld, Sühne, Vergeltung, Vorurteile und Liebe hat es mir echt angetan. Ebenso finden Glaube und Aberglaube ihren Weg auf die Leinwand, wenn hier über das Blut von Jesus oder dort über die Apokalypse „philosophiert“ wird.

Man mische dazu glaubhafte, skurrile Dialoge und realistische Situationen: Das Werk wartet mit bitterbösem Humor und wahnwitzigen Gesprächen auf (da darf natürlich die maximale Anzahl an Flüchen nicht fehlen). Sätze wie „One gay beer for my gay friend, one normal beer for me because I am normal“ wirken so charmant und sympatisch, dass mir jeder Charakter sofort ans Herz gewachsen ist.
Man verlege das Setting des gesamten Films an einen eindringlichen, hypnotisierenden Schauplatz: die Rede ist von Brügge, wo die meisten wohl noch nie waren, geschweige denn davon gehört haben. Die Kamera, Atmosphäre, Ausstattung und alles andere, mit Hilfe welcher ‚In Bruges‘ in Szene gesetzt wurden, sind wunderschön zu bestaunen und können gar nicht genug gelobt werden.

Man lasse den für magische, klassische und einzigartige Melodien bekannten Komponisten Cartel Burwell den Score schreiben: Was entsteht ist ein Soundtrack, welcher die Handlung zauberhaft, romantisch, dramatisch und teils actionreich untermalt. Entstanden ist dabei einer der besten und passendsten musikalischen Untermalungen aller Zeiten.

Ich könnte hier stundenlang erzählen und philosphieren, über den Film schwadronieren, Dialoge zitieren und Hymnen vergießen, das Ergebnis wird trotzdem das selbe bleiben. Nämlich äußerst schmackhaftes bzw. rar gewordenes Kino und die vielleicht beste schwarze Komödie seit Pulp Fiction. Und eines ist ‚In Bruges‘ sicherlich: Einer meiner absoluten Lieblingsfilme!

Fazit: „Let’s go to the pub“, das lasse ich mir nicht zwei Mal sagen! Selten häufen sich bei mir dermaßen Lobeshymnen zu einem Film, wie es bei der meisterlichen schwarzen Romantik-Drama-Gangster-Komödie Brügge sehen… und sterben? der Fall ist. So einen gemütlichen, sympathischen Genrefilm mit fantastischem Setting und einem herrlich bockig spielenden Colin Farrell bekommt man kein zweites Mal zu sehen.

Zum Abschluss noch etwas für das allgemeine Amüsement:
Chloë: „Okay. So, you’ve insulted my home town. You were doing really well, Raymond. Why don’t you tell me some Belgium jokes while you’re at it?“
Ray: „Don’t know any Belgium jokes, and if I did I think I’d have the good sense not to… hang on. Is Belgium with all those child abuse murders lately? I do know a Belgium joke. What’s Belgium famous for? Chocolates and child abuse, and they only invented the chocolates to get to the kids.“

Ach und aus eigener Erfahrung kann ich sprechen: Brügge ist wirklich „beschissen“ großartig, eine Reise dorthin ist jeden Penny wert.

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