Serien

Kritiken, Serien

"Californication" 1. Staffel (USA 2007) Kritik – David Duchovny zwischen Muschis und Verantwortung

Autor: Pascal Reis „I probably won't go down in history, but I will go down on your sister.“ Es wäre eine Lüge, würde man verlauten lassen, dass der zynische Schriftsteller Hank Moody (David Duchovny) seinen promiskuitiven Lebensstil nicht begrüßen würde. Natürlich tut er das, Hank ist ein Frauenmagnet und nimmt alles mit, was sich ihm widerstandslos vor die Flinte wirft, immerhin hilft ihm das auch, sich von seiner kreativen Durststrecke abzulenken – Seit sieben Jahren hat er keinen Satz mehr geschrieben. Eine Lüge aber wäre es auch, würde man Hank als einen Menschen beschreiben, der sich nicht bewusst darüber ist, welche Konsequenzen die sexuellen Ausschweifungen auf sein privates Umfeld haben könnten. Hank versucht in kindlicher Penetranz seine gescheiterte Beziehung mit Karen (Natasc...
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"Gilmore Girls" Staffel 1 (USA, 2000) Kritik – Eine bessere Welt

Autor: Sebastian Groß „This is not a herbal tea morning, this is a coffee morning.“ Es gibt Serien, die gelten als geschlechtsuniversell. Gerade im aktuellen Serien-Boom wird wenig Zeit darauf verwendet, eine Serie einer weiblichen oder männlichen Zuschauerschaft einzuordnen. Doch noch immer gibt es sie, die episodenhaften, narrativen Produkte der verschiedenen Sender, die sofort mit einem Geschlecht assoziiert werden. Eine Frau schaut „Spartacus: Blood and Sand“?! Da schnellt so manch eine Augenbraue in die Höhe. Ja, die Gender-Schublade wird gerne und oft (sowie vorschnell) geöffnet. Auch meine Brauen schießen fast schon instinktiv in die Höhe, wenn mir ein Freund erzählt, dass er gerne „Desperate Housewives“ oder „Eine himmlische Familie“ sieht. Zum Kanon dieser „Frauenserien“ gehört...
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"Die Brücke – Transit in den Tod" Staffel 2 (SW/DN/D, 2013) Kritik – Hoffnung, die von der Klippe springt

Autor: Sebastian Groß „Die Welt ist größer als wir.“ Das ZDF macht sich. Als einer der ersten Sender Deutschlands überhaupt versuchten sich die Programmverantwortlichen daran, von ihrem Image des „Seniorensenders“ zumindest rudimentär zu trennen. Der Spartenkanal zdf_neo ging on air und auf dem Mainzer Lerchenberg, der Zentrale des zweiten deutschen Fernsehens, versuchte man ein attraktives Programm zu gestalten. Dazu wurden zig hochgelobte Formate eingekauft, die zunächst zwar nur im kleinen neo gesendet wurden, die aber später auch den Sprung ins Hauptprogramm schaften. Noch vor wenigen Jahren wäre es ein Novum gewesen, wenn im ZDF neben „Derrick“, „Ein Fall für Zwei“, „Der Alte“ oder „Siska“ auch Serien wie „Luther“ mit Idris Elba und Ruth Wilson oder „Downton Abbey“ mit Maggie Smith ...
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"Orphan Black" 1. Staffel (CA 2013) Kritik – Die Tatiana Maslany Show

Autor: Sebastian Groß „Plato would've thought we were gods. But we're not.“ Bei der letzten Verleihung der Golden Globes, gab es zwei Darstellerinnen die für ihre Leistung als beste Hauptdarstellerin in eine Drama-Serie nominiert waren, die dem deutschen Zuschauer mit großer Wahrscheinlichkeit absolut unbekannt waren: Denn neben Robin Wright, Julianna Margulies und Kerry Washington, durften auch Taylor Schilling und Tatiana Maslany kurz vor der Bekanntgabe des Gewinners in die Kamera lächeln. Am Ende bekam Wright den Award. Schilling, die für die gefeierte Netflix-Produktion „Orange is the New Black“ nominiert war und Maslany gingen leer aus, aber zumindest waren ihre Gesichter kurzzeitig dem internationalen Publikum vorgestellt worden. Immerhin etwas, denn beide Frauen hätten den Preis ...
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"Hannibal" 2. Staffel (USA 2014) Kritik – Von der Dissonanz zur Komposition

Autor: Pascal Reis „Put your head back. Close your eyes. Wade into the quiet of the stream.“ Die erste Staffel von „Hannibal“ hatte mit erheblichen Startschwierigkeiten mannigfacher Causa zu kämpfen und schmälerte zu Anfang noch die Hoffnungen darauf, erneut in den Genuss eines ähnlich hochkarätigen Formats à la „Game of Thrones“, „Walking Dead“ oder „Mad Men“ zu kommen. Ja, die Qualität von „Hannibal“ blieb vorerst im Verborgenen, der Erzählfluss stagnierte gewaltig und den Charakteren gelang es einfach nicht, ein rechtes Interesse für ihre misslichen Lagen zu generieren. Das Blatt wendete sich schließlich noch, Mads Mikkelsen bewies erneut, warum er inzwischen zu den Besten seiner Zunft gehörte und „Hannibal“ zog die Daumenschrauben von Folge zu Folge, bis zum tollen Finale, gekonnt fe...
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"Hannibal" 1. Staffel (USA 2013) Kritik – Geschichte wird mit Blut geschrieben

Autor: Pascal Reis „Who's hungry?“ Wenn literarische Entitäten auf die Leinwand projiziert werden, sind es, logischerweise, die Anhänger jenes Stoffes, deren Welt erst mal einmal ins Wanken gerät, die sich das laute Aufschreien nicht verkneifen und dem Projekt per se jedwede Daseinsberechtigung abzusprechen versuchen. Natürlich ist es ein Ding der Unmöglichkeit, einen Roman bis ins kleinste Detail ganz und gar vorlagengetreu filmisch umzusetzen, würde diese Behandlungsweise doch eigentlich jeglichen zeitlichen wie dramaturgischen Rahmen des Kinos an und für sich sprengen. Wie aber würde der Umgang mit einer Buchvorlage aussehen, wenn man sie in Serie gießt, um ihr so eine enorme künstlerische Spannweite zur Entfaltung entgegenzubringen? Das BBC-Format „Sherlock“ beweist mit ihrer launige...
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"True Detective" 1. Staffel (USA 2014) Kritik – Die Antithese des Buddy-Movies

Autor: Pascal Reis "I don't sleep, I just dream." Menschliche Silhouetten legen sich über den Bildschirm, gespickt, umklammert und gleichzeitig entrückt und verfremdet von Landschaftsfragmenten, maroden Gebäudekulissen, ornamentierten Gegenständen. Alles verschmilzt inmitten motivischer Symbolik, wird eins, um mit dem nächsten Wimpernschlag schon wieder voneinander getrennt zu werden, sich abzustoßen, Grenzen innerhalb dieser Kadrage aufzuweisen, während The Handsome Family mit „Far from Any Road“ das Geschehen musikalisch so passend wie abwegig begleitet. Diese Sequenz, das Opening von „True Detective, lässt Großes erahnen, es nimmt den Zuschauer gefangen, öffnet ihm die Pforten in eine neue Welt. Diese neunzig Sekunden sind in ihrer symbiotischen Stilistik für die Ewigkeit; einprägsam...
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"Game of Thrones" 3. Staffel (USA 2013) Kritik – Fleisch, Stahl und Stagnation

Autor: Sebastian Groß „The Winter is coming... slowly.“ Die TV-Adaption von George R. R Martins literarischer Fantasyreihe gehört zu den erfolgreichsten fiktionalen Stoffen, die aktuell von einem Fernsehsender (in dem Falle der Pay-TV Sender HBO) in Auftrag gegeben und ausgestrahlt wird. Neben „Breaking Bad“, “Mad Men”, „Sons of Anarchy“, „Boardwalk Empire“, „Shameless“ oder „Banshee“ gehört „Game of Thrones“ zur Speerspitze neuer US-Serien, die mit teils komplexen Geschichten, vielschichtigen Figuren und anti-adoleszenten Inhalten nicht nur in Amerika für zufriedene Zuschauer sorgt –und für massive Downloads. Vor allem außerhalb der USA gehören diese Serien zu den am meisten legal wie illegal beschafften Unterhaltungsprodukten, was hierzulande auch daran liegen mag, dass viele Serien eh...
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"Camelot" (GB 2011) Serienkritik – Eva Green als Lady Morgan

König Artus ist eine der größten Legenden der britischen Geschichte. Zig Mythen ranken sich um den Mann, so dass man inzwischen nicht mehr weiß, was sich davon wirklich zugetragen hat. Antoine Fuqua versuchte sich 2004 auf historischer Ebene der Persönlichkeit zu nähern, wobei er sich dabei in einer dummen Schlachtenplatte verlor. Nun nimmt sich die Miniserie "Camelot" der Beziehung zwischen Artus und seiner Stiefschwester Morgan an und macht so aus der britischen Sage ein zehnstündiges, kurzweiliges Familiendrama. Das ist jedoch in Zeiten von "Game of Thrones" zu wenig und es ist schade, dass so viel Potential auf der Strecke liegen gelassen wurde. Sehr hübsch photographiert, größtenteils hervorragend besetzt, auch wenn Jamie Campbell Bower als Artus sehr gewöhnungsbedürftig ist, mit t...
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"Sons of Anarchy" 2. Staffel (USA 2009) Kritik – Es geht in die zweite Runde

"This is my path." Die Lage innerhalb des MCs ist nicht nur angespannt, sie droht zu zerbrechen. Ein schwerwiegender Fehler, veranlasst von Clay, durchgeführt von Tig, zieht seine harten Folgen wie einen Rattenschwanz hinter sich her. Die Verhältnisse, vor allem zwischen Clay und Jax, graten ins Wanken. Das Vertrauen ist verloren und Jax‘ Wunsch nach Veränderungen treibt ihn weiter an. Er muss seiner Vaterrolle gerecht werden, ein Gleichgewicht finden und seine Beziehung zu Tara pflegen. Doch nicht nur die persönlichen Probleme stehen ihm dabei im Weg, sondern auch die Arier, die Charming mit ihrer White Power-Bewegung beziehen, das ATF, besonders Agent Stahl, und die weiteren Gangs wie die Mayans. Alles scheint auf ein schweres Ende hinauszulaufen… In Staffel 1 wurde uns schon eine v...