Kritik: No Country For Old Men (USA 2007)

no country for old men review

Llewelyn Moss: If I don’t come back, tell mother I love her.
Carla Jean Moss: Your mother’s dead, Llewelyn.
Llewelyn Moss: Well then I’ll tell her myself.

Stell dir vor, du spazierst durch eine staubtrockene Wüste irgendwo im Niemandsland von Texas und du stößt zufällig auf eine Horde toter Mexikaner. Das Resultat einer misslungenen Drogenübergabe oder was mag wohl der Grund sein. Und schließlich stolperst du über einen Koffer gefüllt mit zwei Millionen Dollar. Würdest du ihn einfach dort liegen lassen oder ein Risiko eingehen und ihn mit nach Hause nehmen? Diesen und anderen Fragen gehen die Gebrüder Coen in ihrem düsteren Neo-Western-Thriller-Meisterwerk No Country For Old Men auf die Spur.

Basierend auf dem Roman von Pulitzer-Preisträger Cormac McCarthy (The Road), erzählt der Film über Schicksale und schafft ein Abbild der Dunkelheit und Einsamkeit der Seele des US-amerikanischen Westens. Ein unbewohnbarer, rauer und dreckiger Landstrich ist Texas in den Augen der Coen-Brüder. Aus dieser Idee schufen sie einen knallharten Thriller, an vorderster Front mit dem brillanten Javier Bardem als Killer Chigurh und Josh Brolin in der Rolle seines Lebens, der um sein Überleben rennen muss. Und mit Tommy Lee Jones, der hier die beste schauspielerische Leistung seiner Karriere bietet.

Was aber zeichnet No Country For Old Men, abgesehen von seinem herausragenden Cast, aus?

Es ist ein weiterer Charakter. Kein Schauspieler, sondern die tödliche Stille und die damit einmalige Atmosphäre, welche durch den meisterlichen Sound und die hervorragende Kameraarbeit von Roger Deakins aufgebaut wird. Zwischenzeitig zeigen die Coens dann, wofür sie berühmt berüchtigt sind. Realismus, schwarzen Humor und einige meiner Lieblingsdialoge. Eine sowohl emotionale, als auch spannungsgeladene Achterbahnfahrt durch die kargen texanischen Landschaften. Unvorhersehbar, bis zum Rand gefüllt mit Wendepunkten und einem Ende, welches einige moralische Fragen an das Publikum stellt. No Country For Old Men regt zum Nachdenken an, ist dabei ultra-spannend, verlangt dem Zuschauer aber auch einiges ab. Für mich ist der Film vielleicht sogar der beste Film von Ethan & Joel Coen. Das ist schwer zu sagen, bei den zahlreichen Meisterwerken, welche die Gebrüder in ihrer bisherigen Karriere als Filmschaffende gedreht haben.

No Country For Old Men ist der klar herausragende Film des Kinojahres 2007. Eine im Grunde genommen simple Story entwickelt sich zur meiner Meinung nach besten Katz- und Mausjagd der Kinogeschichte. Das beeindruckende an diesem Film ist die Art und Weise, wie Spannung nur durch die Geräusche der Natur, den geringen, aber zum richtigen Zeitpunkt brutalen Einsatz von Action, die klasse Naturaufnahmen und vor allem durch die einzigartigen, fantastisch gespielten Charaktere erzeugt wird. Das ist Kino allerhöchster Güte, welches man nur noch sehr selten zu sehen bekommt. Oder wie Roger Ebert schrieb: „No Country For Old Men ist ein Wunder.“

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