Schlagwort: Krimi

Kritiken, Serien

"Orphan Black" 1. Staffel (CA 2013) Kritik – Die Tatiana Maslany Show

Autor: Sebastian Groß „Plato would've thought we were gods. But we're not.“ Bei der letzten Verleihung der Golden Globes, gab es zwei Darstellerinnen die für ihre Leistung als beste Hauptdarstellerin in eine Drama-Serie nominiert waren, die dem deutschen Zuschauer mit großer Wahrscheinlichkeit absolut unbekannt waren: Denn neben Robin Wright, Julianna Margulies und Kerry Washington, durften auch Taylor Schilling und Tatiana Maslany kurz vor der Bekanntgabe des Gewinners in die Kamera lächeln. Am Ende bekam Wright den Award. Schilling, die für die gefeierte Netflix-Produktion „Orange is the New Black“ nominiert war und Maslany gingen leer aus, aber zumindest waren ihre Gesichter kurzzeitig dem internationalen Publikum vorgestellt worden. Immerhin etwas, denn beide Frauen hätten den Preis ...
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"Hannibal" 1. Staffel (USA 2013) Kritik – Geschichte wird mit Blut geschrieben

Autor: Pascal Reis „Who's hungry?“ Wenn literarische Entitäten auf die Leinwand projiziert werden, sind es, logischerweise, die Anhänger jenes Stoffes, deren Welt erst mal einmal ins Wanken gerät, die sich das laute Aufschreien nicht verkneifen und dem Projekt per se jedwede Daseinsberechtigung abzusprechen versuchen. Natürlich ist es ein Ding der Unmöglichkeit, einen Roman bis ins kleinste Detail ganz und gar vorlagengetreu filmisch umzusetzen, würde diese Behandlungsweise doch eigentlich jeglichen zeitlichen wie dramaturgischen Rahmen des Kinos an und für sich sprengen. Wie aber würde der Umgang mit einer Buchvorlage aussehen, wenn man sie in Serie gießt, um ihr so eine enorme künstlerische Spannweite zur Entfaltung entgegenzubringen? Das BBC-Format „Sherlock“ beweist mit ihrer launige...
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"True Detective" 1. Staffel (USA 2014) Kritik – Die Antithese des Buddy-Movies

Autor: Pascal Reis "I don't sleep, I just dream." Menschliche Silhouetten legen sich über den Bildschirm, gespickt, umklammert und gleichzeitig entrückt und verfremdet von Landschaftsfragmenten, maroden Gebäudekulissen, ornamentierten Gegenständen. Alles verschmilzt inmitten motivischer Symbolik, wird eins, um mit dem nächsten Wimpernschlag schon wieder voneinander getrennt zu werden, sich abzustoßen, Grenzen innerhalb dieser Kadrage aufzuweisen, während The Handsome Family mit „Far from Any Road“ das Geschehen musikalisch so passend wie abwegig begleitet. Diese Sequenz, das Opening von „True Detective, lässt Großes erahnen, es nimmt den Zuschauer gefangen, öffnet ihm die Pforten in eine neue Welt. Diese neunzig Sekunden sind in ihrer symbiotischen Stilistik für die Ewigkeit; einprägsam...
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"Zulu" (FR 2013) Kritik – Südafrika fleht um Gerechtigkeit

Autor: Pascal Reis „No brain, no pain.“ Als Kind ist Ali Neumann zusammen mit seiner Mutter den bestialischen Inkatha-Milizen geradeso entwichen, während er mitansehen musste, wie sein Vater gefoltert und bei lebendigen Leibe verbrannt wurde: Ein Schicksal von unzähligen, doch vom Schmerz dieser Tage kann sich Ali bis heute nicht losreißen. Inzwischen als Chef der Mordkommission in Kapstadt tätig, hat Ali seinen Weg gemacht, doch ausgerechnet einer seiner Vorgesetzten gehört zu den Verbrechern jener Tage, die sämtliche Schwarze gefoltert und ermordet haben. Zusammen mit dem weißen Polizisten Brian Epkeen kämpft Ali gegen die stetig steigende Kriminalitätsrate Kapstadts an und stoßen auf die Leiche einer 20-Jährigen, die erst Opfer einer synthetischen Droge und später den Schlägen ihres ...
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"American Hustle" (USA 2013) Kritik – Gähnender Hedonismus à la David O. Russell

Autor: Pascal Reis "You're nothing to me until you're everything." Es ist ja nicht so, als wäre David O. Russell einfach aus dem Nichts emporgestiegen, aber seine RomCom „Silver Linings“ um bipolare Störung und das Suchen und Finden zweier von der Gesellschaft Ausgestoßener hat den Regisseur und Drehbuchautor an einen Punkt in seiner Karriere eskortiert, an dem ihm ein Quäntchen mehr Ruhm und Lobhudeleien von allen Seiten das Genick hätten brechen können. Was natürlich äußerst schade um den Mann gewesen wäre, denn in ihm schlummert ein durchaus talentierter und ebenso spitzzüngiger Zeitgenosse. Wenngleich – und es klingt mal wieder nach Realsatire – gerade „Silver Lining“ dann eine herbe Enttäuschung war und er es mit seinem eigentlich erfrischend-ungenierten und dabei doch ernst zunehme...
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"Choral des Todes" (BE/FR 2013) Kritik – Im nebulösen Zirkel der Vergangenheit

Autor: Pascal Reis "Das Konzert kann beginnen." Den intellektuellen Status eines Cormac McCarthy („All die schönen Pferde“) trägt der international gefragte Bestsellerautor Jean-Chistophe Grangé nicht inne, nicht einmal in seiner französischen Heimat würde man ihn zu dem literarischen Phänomen erklären, für das ihn viele Fans der wahrhaft gelungenen Verfilmung seines Kassenschlagers „Die Purpurnen Flüsse“ im Nachhinein leichtfertig bezeichneten. Aber bei einer wenig differenzierten Kollision der Medien sind derartige Superlativen seit jeher Gang und Gäbe. Grangé aber versteht etwas von seinem Handwerk und weiß, wie er diverse Nebenstränge innerhalb seiner fokussierten Handlung kohärent unter einen Hut bekommt und das Finale gekonnt zur großen Klimax, anstatt zur lachhaften Enthüllung ver...
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"The Paperboy" (USA 2012) Kritik – Die Stars und ihr verkrampfter Imagewechsel

Autor: Maria Engler "Hillary ist nicht so schlecht - und ich bin nicht so gut." Der junge College-Abbrecher Jack ist wieder im Haus seiner Eltern untergekommen und muss herausfinden, was seine Zukunft bringen soll. Bevor der stickige Sommer und die zu erwartende Lethargie über ihn hereinbricht, trifft auch sein älterer Bruder Ward in der heimatlichen Kleinstadt ein. Dieser ist auf dem besten Wege ein erfolgreicher Journalist zu werden und untersucht mit seinem ehrgeizigen Kollegen einen Mordfall in der Stadt. Der Täter wurde seinerzeit zum Tode verurteilt, doch die beiden Reporter glauben an Polizeiwillkür, unzureichende Beweise und vor allem an eine gute Story. Der inhaftierte Hillary van Wetter ist jedoch alles andere als handzahm und viel mehr an seiner attraktiven Verlobten interess...
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"Alphaville – Lemmy Caution gegen Alpha 60" (FR/IT 1965) Kritik – Godard und die gegenwärtige Zukunft

Autor: Pascal Reis "I refuse to become what you call normal." Jean-Luc Godard spaltet die Gemüter mit provokativer Vorliebe. Dabei stellt er für den Großteil der Filmliebhaber so etwas wie den eindrucksvollsten Virtuosen der Filmgeschichte dar, der durch sein gezieltes Vorstoßen gegen herkömmliche Sehgewohnheiten nicht nur an die Fiktion der Illusion des Kinos erinnert und dadurch auf jede tradierte Regel gepfiffen hat, sondern auch durch sämtliche (Re-)Zitierungen und Referenzen aus den verschiedensten Kunstbereichen seinen Platz als unantastbarer Visionär im Herzen der Cineasten gesichert hat. Auf der anderen Seite steht allerdings ein Haufen stirnrunzelnder Zweifler, die Godards filmhistorische Bedeutung ohne Wenn und Aber in ihrem vollem Ausmaß akzeptieren, die Gegenliebe des Publi...
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"Broken City" (USA 2013) Kritik – Mark Wahlberg und Russell Crowe im Kampf der Egomanen

Autor: Pascal Reis "There are some wars you fight and some wars you walk away from, this is the fighting kind." Geschwister auf dem Regiestuhl gibt es in Hollywood ja zu genüge: Joel und Ethan Coen („No Country for Old Men“), Andy und Lana Wachowski („Matrix“) und Bobby und Peter Farrelly („Verrückt nach Mary“). Zugegeben, der anhaltenden Qualität der sagenumwobenen Coen-Brothers kann kein Geschwister-Pärchen in der heutigen Zeit das Wasser reichen, es ist aber auch der Fall, dass man sich die Gebrüder aus Minnesota gar nicht mehr als individuelles Unikat vorstellen kann, denn dafür sind ihre Rollen als Künstler in der Branche bereits untrennbar legiert. Ein ganz anderes Doppel hat die Nabelschnur der Zusammenarbeit im Jahre 2013 jedoch durchtrennt und den Versuch gewagt, sich einmal ges...
Kritiken

Regisseure im Fokus: Entfremdung, Liebe und die (Schein)Realität – Drei Werke des Michelangelo Antonioni

"Die Nacht" (IT 1961) Ein Jahr bevor Michelangelo Antonioni mit „L'eclisse“ die Liebe als unerreichbare Begierde darstellte, als unstillbare Sehnsucht, sklavisch schweifend zwischen Hingabe und Pein, knöpfte sich der prägende Filmemacher mit „La Notte“ eine zerbrochene Ehe vor. Giovanni (Marcello Mastroianni) und Lidia (Jeanne Moreau) haben sich nichts mehr zu sagen – die Kommunikation, die soziale Interaktion der einstigen Liebenden, der wichtigste Aspekt in einer fundamentierten Beziehung, ist auf dem Nullpunkt angekommen. Antonioni komprimiert sich dabei vollständig auf die Entfremdung von Giovanni und Lidia. In Lidias Augen spiegelt sich die tiefe Trauer, die ganze Enttäuschung, während Giovanni Anteilnahme heuchelt und sich in Wahrheit als verständnisloser, längst mit der Ehe abges...