"American Gangster" (USA 2007) Kritik – Die Ballade vom Aufstieg und vom Fall

„Der lauteste in einem Raum, ist auch immer der Schwächste.“

null

Wenn man auf Ridley Scotts Karriere zurückblickt, dann sieht man vor allem eines: hochwertige Filme. Von ‚Alien‘ über ‚Blade Runner‘ bis zum Oscar-Erfolg ‚Gladiator‘. Natürlich hat Scott auch gelegentlich mal etwas daneben getreten, aber trotzdem zählt er zu den ganz großen der Branche. Diesmal gehen wir zurück in das Jahr 2007 und widmen uns dem Cop/Gangster-Epos ‚American Gangster‘. Scott liefert wieder einmal einen grandiosen Genre-Beitrag ab, der leider dann doch nicht ganz das Zeug zum richtigen Meisterwerk hat.

An erster Stelle beeindruckt ‚American Gangster‘ durch seine wirklich perfekte Ausstattung und die grandiosen Kulissen. Das New York der 70er Jahre, insbesondere Harlem, wurde exzellent wiederbelebt und von Harris Savides in eleganten wie kühlen Bildern toll festgehalten. Auch Ridley Sott setzt bei seiner Musik auf passende Songs wie zum Beispiel den wunderbaren Klassiker ‚Across the 110th Street‘ von Bobby Womack. Aber auch Marc Streitenfeld liefert seinen starken Beitrag und unterstreicht den Film mit seinem ausgefeilten Soundtrack. Atmosphärisch kann man sich bei ‚American Gangster‘ einfach nicht mehr wünschen.

Denzel Washington, der auch gerne von Tony Scott engagiert wird, darf als Frank Lucas wieder mal sein ganzes Können unter Beweis stellen und liefert eine seiner besten Leistungen ab. Russell Crowe als Polizist und Assistenzanwalt Richie Roberts arbeitet zum dritten Mal mit Scott zusammen und zeigt ebenfalls eine starke und vor allem facettenreiche Darstellung, die der von Washington in keinem Fall nachsteht. Auch die Nebenrollen sind mit Ruby Dee (Oscar nominiert), Josh Brolin, John Hawkes und Cuba Gooding Jr. gut besetzt.

Auch ‚American Gangster‘ basiert auf einer wahren Begebenheit. Einige Ereignisse wurden hier natürlich ausgelassen oder verbogen, im Großen und Ganzen bleibt die Geschichte aber nah an der Realität. Das lag auch daran, dass der echte Frank Lucas und Richie Roberts beim Dreh immer vertreten waren und Ridley Scott mit reichlich Informationen versorgen und helfen konnten. Dementsprechend ausbalanciert und interessant gestaltet Scott die beiden Hauptfiguren.

Frank Lucas hat in seiner langen Zeit als Chauffeur von Unterwelt-Boss Bumpy so einiges gelernt und kann nach seinem Tod ohne Probleme in seine Fußstapfen treten. Allerdings braucht er trotzdem einen schnelleren Weg, um durch den Heroinhandel an das große Geld zu kommen. Er fliegt nach Vietnam, direkt zur Quelle, umgeht so den Zwischenhändler und kann eine mögliche Streckung verhindern. In Militärsärgen werden die Kilosäcke illegal ins Land geschleust und auf den Straßen hundert Prozent rein zu Billigpreisen verkauft. Lucas versteht es zudem sich immer bedeckt zu halten und nie ins Blickfeld der Polizei zu rücken. So kommen wir auch gleich zum Gegenpart. Richie Roberts ist ein standhafter Polizist, der nebenbei noch als Assistenzanwalt fungiert und mitten im Sorgerechtsstreit um seinen Sohn steckt. Durch seine konsequente Art kriegt er den Auftrag die New Yorker-Drogenszene hochzuheben und den wahren Drahtzieher zu entlarven. Ein Kampf um Leben und Tod, Unrecht und Recht und durchzogen von Korruption beginnt. Ein Kampf, der nur für einen der beiden gut ausgehen kann, obwohl sie sich irgendwann an einem Punkt treffen, an dem sie aufeinander angewiesen sind.

Ridley Scotts Charakterzeichnung zählt hier zu den stärksten seiner Karriere. Frank Lucas, der Chef des Drogenhandels, der nach und nach im Geld schwimmt, seine Familie und seine Ehre dabei aber trotzdem immer an erste Stelle platziert. Im Gegenzug Richie Robert, der durch seine Bodenständigkeit im Job punktet, sein Privatleben allerdings kaum in den Griff bekommt. Dass diese beiden Charaktere erst gegen Ende aufeinandertreffen, treibt die Spannung natürlich immer weiter an. Doch auch die Geschichte an sich und der Blick hinter die Fassade der dreckigen Geschäfte, der Familienwelt, in der keine Fehler geduldet werden und in die der korrupten Menschen, die das Gesetz längst hinter sich gelassen haben, ist mindestens genauso packend. Allerdings kann man auch nicht über seine Schwächen hinwegsehen. Vor allem sind es die gelegentlichen Längen, die bei einer knapp 170 minütigen Lauflänge zu erwarten waren, die die Story immer wieder ausbremsen und verlangsamen. Auch die Geschichte selbst rund um Aufstieg und Fall ist natürlich nichts Neues, dafür aber grandios inszeniert. Wer sich kein Stück für eine solche Geschichte interessiert, wird sich schnell in den Längen verlieren und der Langeweile unterliegen. Man sollte hier kein Action-Feuerwerk erwarten, davon ist der Film nämlich meilenweit entfernt.

Fazit: ‚American Gangster‘ ist ein weiteres Glanzlicht im Schaffen von Ridley Scott. Mit den hervorragenden Darstellern, dem tollen Soundtrack und Scotts ausgezeichneter Inszenierung wird ‚American Gangster‘ zu einem erstklassigem Gangsterfilm, der zwar seine Hänger hat, aber in jedem Fall auch das Zeug zum Klassiker.

„Nie wird ein Scheißnigger das schaffen, was die amerikanische Mafia in hundert Jahren nicht geschafft hat!“

Bewertung: 8/10 Sternen