"Brothers Grimm" (USA/CZ 2005) Kritik – Heath Ledger und Matt Damon in der Planlosigkeit

„Deine Mutter war eine Kuh ohne Zitzen!“

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Unzählige Eltern, Großeltern und mittelmäßig bezahlte Babysitter dürfen den Gebrüder Grimm wohl in alle Ewigkeiten dankbar sein, denn ohne ihre Geschichten, wären die Kleinen wohl zur Schlafenszeit nicht immer mit den herrlichen Geschichten in das Reich der Träume abgedriftet und langsam eingeschlummert. Mit Märchen wie Rapunzel, Hänsel und Gretel, Aschenputtel, Dornröschen, Rumpelstilzchen, Schneewittchen und Rotkäppchen, haben sie die bekanntesten Kindermärchen aller Zeiten geschrieben, die sich auch heute noch in den verschiedensten Romanen und Filmen neuinterpretiert wiederfinden lassen. Äußerst interessant war die Ankündigung, dass Terry Gilliam 2005 seine ganz eigene Interpretation über die Gebrüder in die Kinos bringen will. Interessant, weil sich Regisseur Gilliam in seiner Karriere als ziemlich eigenwilliger, untypischer und ebenso vielschichtiger Filmemacher bewiesen hat. Vergleicht man seine Filme wie ‚Twelve Monkeys‘, ‚Brazil‘, ‚König der Fischer‘ und ‚Fear and Loathing in Las Vegas‘, ist das vielseitige Können von Gilliam glasklar. In ‚Brothers Grimm‘ hätte Gilliam die Möglichkeit gehabt, seine ganzen Talente, ob von visueller oder erzählerischer Natur, zusammenfließen zu lassen, scheitert dabei aber auf ganzer Linie.

Die Geschichte beginnt im Jahre 1976 in Kassel, wo die Brüder Will und Jake Grimm in einem Streit aneinandergeraten, weil Jake nicht die Medizin für seine Schwester besorgt hat, sondern lieber Zauberbohnen von einem Fremden genommen hat. Dann gibt es einen 15 jährigen Sprung und Deutschland ist in der Hand von der französischen Besatzung. Will und Jake verdienen ihr Geld nun als Geister- und Hexenjäger und ihr nächster Auftrag führt sie nach Karlstadt. Die Wahrheit ist jedoch eine ganz andere, denn in Wirklichkeit sind Jake und Will nur zwei Hochstapler, die die Geister- und Hexenangriffe mit Hilfe ihrer Handlanger Hidlick und Bunst inszenieren. Der Italiener Cavaldi erkennt das und bringt die Beiden zum Militärgouverneur General Delatombe. Dieser gibt den Brüdern allerdings noch eine Chance, die sie direkt in das kleine Dorf Marbaden führt. In Marbaden verschwinden immer wieder junge Mädchen und die Männern bekommen den Auftrag, die Fälle aufzuklären. Zusammen mit Angelika, die ebenfalls ihre beiden Schwestern verloren hat, machen sie sich auf den Weg in den Wald, um den Spuk aufzuklären, bis sie an einen Turm gelangen, der von zwölf Gruften umgeben ist und keinerlei Eingangstür besitzt. Schnell ist den Brüdern klar, dass es sich hier nicht um ein Verbrechen von Menschen handelt, sondern eine echte Hexe hinter dem Ganzen steht, dumm nur, dass Jake und Will nur mit unechten Hexen ihre Erfahrungen gemacht haben und extreme Angsthasen sind…

Rein optisch gibt es bei einem Film von Terry Gilliam ja wie gewohnt wenig zu meckern. Auch hier weiß Kameramann Newton Thomas Sigel seine Aufnahmen mit satter Düsternis und kräftigen Farben zu belegen, die sich vor allem in den klaren Nebelschwaden über den deutschen Wäldern entfalten können. Was ebenfalls überzeugt, ist der Score von Dario Marianelli, der das märchenhafte Feeling in seinen Soundtrack voll einfließen lassen kann und sich sowohl die ruhige und schöne Klänge auszeichnet, als auch durch kraftvoll aufgeladene Musik. Eines der Mankos von ‚Brothers Grimm‘ sind jedoch die Effekte, die viel zu deutlich als solche zu erkennen sind und oft auch furchtbar billig wirken, so dass ihnen die Offensichtlichkeit einfach jede Atmosphäre nimmt. Dazu kommen dann auch noch die verschenkten Schauspieler. Angefangen mit dem blassen Matt Damon als Will Grimm, der sich durch seine trockene Rolle stolpert und zu keiner Sekunde für den Zuschauer ansprechend wirkt. Dann Heath Ledger als Jake Grimm, der zwar besser als Damon spielt, aber größtenteils auch zu unausgeglichen und wackelig spielt, um wirklich überzeugen zu können. Weiter zu Peter Stormare als italienischer Foltermeister Cavaldi, der sich durchgehend zum Affen macht und in seinem nervigen Overacting nur auf den Senkel geht, als wirklich lustig zu sein. Über Monica Bellucci oder Jonathan Pyrce braucht man gar keine Worte verlieren, denn ihre Auftritte sind einfach nur nebensächlich und genauso uninteressant wie der Rest des Films.

Die Idee, aus den Gebrüder Grimm zwei ängstliche Hexenjäger zu machen, die sich mit Lug und Betrug durch die Welt stehlen und dann mit einer echten Hexe konfrontiert werden, hätte sicher eine amüsante sein können. Dazu noch Terry Gilliam auf dem Regiestuhl und die Sache sollte eigentlich geritzt sein. Die Realität sieht natürlich mal wieder anders aus. Das erste große Probleme an ‚Brothers Grimm‘ ist die Tatsache, dass die Handlung des Films sich wirklich in diesem einen Satz zusammenfassen lässt und weder Überraschungen bietet, noch mit Gilliams Ideenreichtum glänzen kann, denn es hat nichts mit Kreativität zu tun, wenn man hier und da mal eine Märchenfigur wie Rotkäppchen und Hänsel oder Gretel stumpf in seinen Film einwirft. Die Story ist erschreckend eindimensional und ihr höhepunktarmer wie simpler Verlauf nach kurzer Zeit vollkommen absehbar, genau wie die Charaktere, die weder versteckte Facetten besitzen, noch dem Zuschauer sympathisch gemacht werden. Das Gilliam sich dann noch auf albernen Klamauk stürzt, der nicht zum Lachen fordert, sondern viel mehr ein Aufruf an das Fremdschämen ist, drückt den Film immer weiter runter Richtung Totalausfall. Gilliam findet einfach keinen festen Halt zwischen der Komik und dem Grusel, denn die Witze sind lächerlich unbeholfen und der wohlige Grusel verfliegt im Angesicht der fehlenden Atmosphäre rasch. ‚Brothers Grimm‘ weiß einfach nicht, in welche Richtung er nun gehen soll und wirkt dabei immer planlos, überzogen, unsortiert und letztlich auch einfach zu austauschbar.

Fazit: Es war alles vorhanden, was man für einen guten Fantasystreifen gebraucht hätte. Ein guter Regisseur, ein starker Cast und eine nette Grundstory, auf die man durchaus aufbauen hätten können. Das Ergebnis ist erschreckend unordentlich und wirr zusammengesteckt. Gilliam ist mit seiner Inszenierung weder Fisch nocht Fleisch, weder lustig und schon gar nicht gruselig. Ein kompletter Totalausfall ist es zwar nicht, dagegen weiß sich die Optik und der fantastische Score zu stützen, doch Spannung gibt es hier wenig bis gar nicht und die Schauspieler wurden zwischen einer langweiligen Geschichte und miesen Effekten kläglich verschenkt.

Bewertung: 3/10 Sternen