"Cosby" (Staffel 3) Kritik – Das Spießbürgertum von seiner blindwütigen Seite

Autor: Sebastian Groß

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„Honey, excuse me…“

Von 1984 bis 1992 lief „The Bill Cosby Show“ auf dem US-Sender NBC und zählte zu den erfolgreichsten Sitcoms ihrer Generation. Die Serie etablierte ein neues Bild afroamerikanischer Bürger. Statt diese entweder in ärmlichen Verhältnissen zu zeigen, oder als mit Schmuck und Frauen behangene Kingpins, waren die Huxtables genauso, wie man sich damals eine (weiße) Familie der oberen Mittelschicht vorstellte. Hier galt das Credo „Heile Welt obsiegt immer“. Das war so erfolgreich, dass die 1987 gestartete Sitcom „Eine schrecklich nette Familie“ den absoluten Gegenentwurf dazu darstellte, weswegen die Bundys anfänglich sogar unter dem Titel „Not the Cosbys“ über die Mattscheibe der 1980er Jahre flimmern sollten. Mit der White Trash-Familie rund um Schuhverkäufer Al sowie dem überraschenden Erfolg der Trickserie „The Simpsons“, wurde dann auch das schleichende Ende der „The Bill Cosby Show“ eingeleitet. 1996 kehrte Bill Cosby aber wieder als Star einer Sitcom zurück. Die schlicht „Cosby“ betitelte Serie, lief bis 2000 und umfasste vier Staffeln. Die vorletzte davon ist nun hierzulande auf DVD bei Tiberius Film erschienen. Das ist für Fans sicherlich ein Grund zur Freude. Aber wohl auch nur für die.

Cosby spielt den Pensionär Hilton Lucas, der mit seiner Frau Ruth (wieder mit dabei: Phyllicia Rashad, die bereits in „The Bill Cosby Show“ als Gattin auftrat) in New York City lebt und mit seiner Tochter Erica, dem schusseligen Nachbar Griffin sowie Ruths Freundin Pauline allerhand Menschen um sich schart, die der alte Mann mit seinen Weltsichten, Erfahrungsberichten und Eigenheiten unterhalten, bzw. terrorisieren kann. Wobei terrorisieren, wenn es nach den Machern geht, nicht ganz passt. Hilton ist innerhalb der Serie mehr der Fels in der Brandung, der die guten, alten Werte hochhält und immer wieder mit großem Elan gegen neue Trends anredet. Dass der alte Mann dabei oft verblendet und einseitig vorgeht ist unbestreitbar, doch die Serie tut wenig, um dies klar zu machen. Viel mehr werden seine teils furchtbar engstirnigen Thesen sogar noch narrativ unterstützt.

Andere Sitcoms aus der Cosby-Ära, wie etwa „Full House“ oder „Der Prinz von Bel-Air“, generierten ihre Komik ebenfalls aus konservativen Werten, gepaart mit der Botschaft, der altmodischen Toleranz und des gegenseitigen Respekts. „Cosby“ hingegen zetert unentwegt gegen (damalige) Trends und gesellschaftliche Veränderungen, hat es aber nie nötig diese zu hinterfragen. Nein, wenn Hilton Lucas seine Meinung kund tut, dass diese unabdingbar richtig. Bill Cosby macht also genau dasselbe wie bei seiner früheren Erfolgsserie und feiert eine altgediente Moral und das Spießbürgertum von seiner blindwütigen Seite. Der immer wieder anwesende Versuch, seine Theorien und Ansichten als Übertreibungen und Weltverschlossenheit komödiantisch zu brechen, enden letztlich im Nichts, da die Serie ihre Hauptfigur dann doch zu gerne hat, um ihr zumindest einmal mit voller Konsequenz ihre konservativ-populistische Sturheit aufzuzeigen. Auch in der dritten Staffel kommt es nie zu einem wirklich befreienden Ausbruch. Fans von Bill Cosby werden wohl gerade das großartig finden.

„Cosby“(Staffel 3) ist der höhepunktlose Fortgang einer höhepunktlosen Sitcom. Amüsant ist sie selten und der größte Witz stammt dann auch nicht wirklich von den Autoren, sondern mehr von der Tatsache, dass Bill Cosby gleich in der ersten Episode einem jungen Teenager-Mädchen versucht zu erklären, wie das eigentlich funktioniert mit dem Sex und wenig später ihren Vater in Gebet nimmt, dass dieser sie aufklären soll, immerhin ist die Welt voller böser Menschen. Im Kontext zu den Vorwürfen, denen Bill Cosby seit einigen Monaten massiv ausgesetzt ist, wirkt gerade diese Folge fast schon absurd grotesk und schwarzhumorig.