"Freunde mit gewissen Vorzügen" (USA 2011) Kritik – Sex ohne Gefühle oder Gefühle ohne Sex?

„Wir können ja Freunde bleiben.“ – „Wirklich?“ – „Nein, fick dich ins Knie!“

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Dylan (Justin Timberlake) und Jamie (Mila Kunis) haben gerade ihre gescheiterten Beziehungen hinter sich gelassen und wollen nun ein neues Leben beginnen. In New York lernen sich beide aufgrund ihrer Berufe kennen und es knistert gewaltig, allerdings nicht nur auf beruflicher Basis. Da die beiden sich jedoch eine gewisse Menschenkenntnis aneignen konnten, ist ihnen schnell klar, dass eine Beziehung kein gutes Ende nehmen würde, deswegen wird Plan B aufgefahren: Sex ohne Gefühle, denn nur weil man keine feste Beziehung haben möchte, heißt es ja nicht, dass man keinen Sex miteinander haben darf. Doch gerade mit dem Sex verkompliziert sich alles enorm. Jamie will in Wahrheit nicht die schnellen Nummern mit Dyan genießen, sondern wünscht sich einen richtigen Traumprinzen, der ihre Seite nicht mehr verlässt, genau wie Dylan, der endlich einen Partner braucht, den er auch mal seiner Familie vorstellen kann. Beide befinden sich in einer Zwickmühle, doch die Gefühle gewinnen immer, wenn man sie denn zulässt…

„Freunde mit gewissen Vorzügen“ ist wieder eine dieser unsäglichen RomComs, die auf Biegen und Brechen versuchen etwas Besonderes zu sein, aber an ihrer immer noch verklemmten und unendlich belanglosen Art ersticken. Das erste Problem offenbart sich schon mit der grauenhaften Charakterzeichnung unserer Hauptfiguren. Jamie ist eine bodenständige und moderne Frau, die sich nicht ins Wort reden lässt, mit beiden Beinen klar im Leben steht und ebenso genau weiß, was sie will. Sie hat gerne Sex, ist nicht auf den Mund gefallen, erfolgreich und hat auch noch ein gutes Herz. Eine echte Traumfrau also? Nicht im Geringsten. Ihre Art ist so furchtbar überzogen und aufgesetzt, dass es jedem Zuschauer, der sich nicht nur Kunis selbst ergötzen will, eine Qual sein wird, ihrem dämlichen Geschwätz zu lauschen. Aber Dylan ist auch nicht besser. Er kommt nach New York, hat gerade eine Beziehung hinter sich, genau wie Jamie, und ist auch ein richtig sympathischer Zeitgenosse, der sich erst mal mit der verbalen Gewalt in New York abfinden muss und auch so einen Menschen brauch, der ihm durch das Leben hilft. Und weil die beiden sich eben so gerne mögen, Jamie mag die Lippen von Dylan und Dylan mag die Kulleräuglein von Jamie, entschließen sie sich einfach mal, Sexfreunde zu werden, denn da haben ja beide etwas davon. Klappt natürlich nicht, irgendjemand verliebt sich ja sowieso immer.

Wer sich nach den ersten 10 Minuten immer noch fragt, wie das Ende von „Freunde mit gewissen Vorzügen“ wohl aussehen mag, hat entweder die letzten 20 Jahre keine einzigen Film mehr gesehen, oder glaubt noch an Überraschungen im RomCom-Brei. Natürlich ist Will Glucks Inszenierung frei von Überraschungen, genau wie sein Film nicht im Ansatz ein Highlight des Genres darstellt, sondern nur auf der seichten Welle des Erfolgs surfen will, die regelmäßig an den Strand der ewigen Vergänglichkeit gespült wird. „Freunde mit gewissen Vorzügen“ ist genauso unterhaltsam, wie die Oma an der Kasse, die ihr Kleingeldsparschwein geköpft hat und jeden Cent zweimal umdrehe muss, um auch wirklich festzustellen, dass es sich nicht um ein 5 Cent Stück handelt, sondern nur um ein 2 Cent Stück. Und wer noch Hoffnungen hegt, das die nicht vorhandene Unterhaltung im Laufe der Geschichte doch noch in eine belustigende Spur findet, der wird sich wundern, denn anstatt Lacher und Spaß, wachsen nur die Kopfschmerzen, die das anstrengende Gespann auslöst ins Unendliche. „Freunde mit gewissen Vorzügen“ ist konventioneller, todlangweiliger und furchtbarer Unfug der plattesten Sorte. Dazu gibt es dann auch noch reichlich Apple-Schleichwerbung, voooll coole Flash Mobs und einen homosexuellen Woody Harrelson, denn schwule Zeitgenossen sind ja nach wie vor totaaaal witzig.