"Jack and the Giants" (USA 2013) Kritik – Mit Nicholas Hoult auf Riesenjagd

Autor: Stefan Geisler

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„Fee Fi Fo Fum. Ask not whence the thunder comes. For between Heaven and Earth is a perilous place. Home to a fearsome giant race.“

Stolze 200 Millionen US-Dollar hat Bryan Singers neustes Werk „Jack and the Giants“ gekostet, eine ansehnliche Summe, vor allem wenn in Betracht zieht, dass das Projekt von Anfang an unter keinem guten Stern stand. So musste nicht nur Regisseur D. J. Caruso („Disturbia“) den Stuhl für Bryan Singer räumen, der dann auch gleich das Drehbuch einer gründlichen Generalüberholung unterziehen ließ, sondern auch der geplante Starttermin (15. Juni 2012) wurde um ganze neun Monate nach hinten verschoben. Ein drastischer Schritt, der in Fachkreisen als schlechtes Omen gilt und natürlich in erster Linie dazu dienen sollte, nicht in Konkurrenz mit anderen Blockbustern zu geraten und die Spezialeffekte noch einmal ordentlich zu überarbeiten. Doch auch die Werbetrommel wurde im vergangenen Jahr kräftig gerührt: Ganze 100 Millionen US-Dollar sollen die Marketingkampagnen gekostet haben. Ausgezahlt hat sich der Mammon nicht, denn bereits die ersten Einspielergebnisse machen deutlich: „Jack and the Giants“ könnte der erste große Flop dieses Kinojahres 2013 werden. Dabei hat Singers Märchenadaption gute Ansätze, scheitert letztlich jedoch daran, dass er sich auf keine Zielgruppe einlassen kann und zwischen kinderfreundlichen Blödeleien und zynischen Einlagen unentschlossen hin- und herpendelt.

Jeden Abend vor dem zu Bett gehen hört der Bauernjunge Jack von seinem Vater die Legende vom tapferen König Erik, der die aus dem Himmelsreich Gantua herabgestiegenen Riesen mit Hilfe einer magischen Krone bezwang. Viele Jahre später ist Jack (Nicholas Hoult) zu einem jungen Mann herangewachsen, der nach dem Tod seines Vaters auf dem Gut seines Onkels (Christopher Fairbank) arbeitet und diesen mit seiner ewigen Tagträumerei langsam in den Wahnsinn treibt. Als das Geld knapp wird, wird Jack losgeschickt um Pferd und Wagen auf dem Markt für ein paar Goldmünzen zu verkaufen, doch leider ist der einfältige Bauernjunge auch an diesem Tag nicht ganz im Hier und Jetzt, denn zuerst lässt er sich den Wagen stehlen und anschließend tauscht er auch noch das Pferd gegen ein paar „magische“ Bohnen. Noch ahnt Jack nicht, dass ihn die Zauberbohnen bald in ein Abenteuer von gigantischen Ausmaßen führen werden…

Wie gerne Warner Bros. Bryan Singers „Jack and the Giants“ als einen Fantasyfilm für die ganze Familie verkauft hätte, ist dem Film deutlich anzumerken: Jugendliche Helden, cartooneske Nebenfiguren und ein paar müde Rotz- und Furzwitze sollen besonders das jüngere Publikum ansprechen und doch ist „Jack and the Giants“ letztendlich kein Abenteuerfilm für Kinder. Dass Bryan Singer seinen Fantasy-Kracher für ein reiferes Publikum konzipiert hatte, verrät schon der amerikanische Ursprungs-Titel „Jack the Giant Killer“. Und tatsächlich geht es hier an einigen Stellen ganz schön zur Sache, wenn sich Jack beispielsweise mit einem riesigen Schlachtermesser auf einen Riesen herabfallen lässt, ihm dieses tief in den Rücken rammt und der Hüne, während des verzweifelten Versuchs sich dessen wieder zu entledigen, sich quasi selbst exekutiert. Das ist sicher keine familienfreundliche Unterhaltung. Auch in anderen Momenten offenbart der Film seine bitterböse-zynische Fratze: Wenn herausgequetschte Augen auf den Zuschauer zufliegen oder sekundenlang ein panisch schreiender Riese gezeigt wird, der durch einen dummen Fehltritt bedingt, hoffnungslos Richtung Erdboden segelt, dann sind das Szenen, die so gar nicht in ein familienfreundliches Fantasyabenteuer passen wollen.

Neben der Frage nach der eigentlichen Zielgruppe des Films, lassen auch die mittels Performance-Capture-Verfahren animierten Riesen zu wünschen übrig. Diese wirken ähnlich künstlich, hölzern und leblos wie die Figuren in Robert Zemeckis Performance-Capture-Filmen wie „Der Polarexpress“ und „Disneys Eine Weihnachtsgeschichte“. Welche Möglichkeiten sich durch dieses Verfahren ergeben können, hat erst 2011 Steven Spielberg in „Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn“ unter Beweis gestellt. Doch immerhin die menschlichen Akteure wissen zu überzeugen: Allen voran natürlich Shooting-Star Nicholas Hoult, der den modern-nerdigen Helden von nebenan mimt, der ganz ohne Glanz und Gloria, dafür aber mit einer Menge Köpfchen und einem sympathischen Lächeln jede Situation zu meistern vermag.

Kann man sich jedoch mit den seltsam künstlichen Riesen und der äußerst einfach gehaltenen Geschichte anfreunden, erwartet einen ein kurzweiliges Fantasiespektakel in bester 3D-Optik. Besonders die furiosen Schlachtszenen um die Stadt Cloister lassen kaum Wünsche übrig, denn wenn die Riesen Burgmauern mit Kirchenglocken, brennenden Baumstämmen und gigantischen Felsklumpen bombardieren, dann ist das bestes Popcorn-Kino, das man unbedingt auf großer Leinwand gesehen haben sollte.

Fazit: Familien-Fantasy oder doch eine gigantische Schlachtplatte im Märchengewand? Bryan Singers „Jack and the Giants“ hätte in beide Richtungen funktionieren können und steht sich letztendlich selbst im Weg. Wer dennoch Lust auf kurzweilige Fantasy-Kost hat, die nach Kinobesuch sofort wieder vergessen werden kann, der ist hier genau richtig.