Klassiker-Tipp der Woche "Mississippi Burning" (USA 1988) Kritik – Die brennenden Konflikte

„Wenn Sie ein Schwarzer wären, würde es hier jeden einen Scheiß interessieren, was Sie denken!“

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Alan Parker zählt nicht gerade zu den Regisseuren, die nach den Gesetzen Hollywoods arbeiten. Mit seinem mehrfach Oscar nominierten Western ’12 Uhr mittags‘ konnte Parker auf sich aufmerksam machen. Danach kam das Drama ‚Birdy‘ der den großen Festivalpreis von Cannes gewinnen konnte. 1986 betrat Parker den Pfad des Okkulten und inszenierte mit ‚Angel Heart‘ einen der besten Okkult-Krimis überhaupt. Ein Jahr später konnte er wieder für Aufsehen sorgen und sein Rassismus-Drama ‚Mississippi Burning‘ wurde für ganze 8 Oscar Trophäen nominiert. Darunter auch die zweite Nominierung, nach ’12 Uhr mittags‘, für Parker selbst. Das Ergebnis der Verleihung war für den Film dann aber doch eher enttäuschend und lediglich der Oscar für die beste Kamera sprang dabei heraus. Ob ‚Mississippi Burning‘ wirklich 8 Oscars Wert gewesen wäre, ist klar mit Nein zu beantworten. Ein starker und vor allem eindringlicher Filmbeitrag zum Thema Rassismus ist es aber in jedem Fall.

1964, Mississippi: In einer Südstaaten Kleinstadt verschwinden drei Bürgerrechtler über Nacht. Alle gegen davon aus, dass sie Opfer des Ku-Klux-Klans geworden sind und längst tot. Der intelligente und verantwortungsbewusste FBI Agent Ward und der alte Haudegen Agent Anderson werden in das Kaff geschickt, um den Fall zu lösen. Sie geraten zwischen zwei Fronten, bei der die unterdrückten Schwarzen, die wie Dreck behandelt werden, jeden Tag in Angst leben müssen. Der Verdacht, dass der Sheriff und seine Gehilfen etwas mit dem Verschwinden der drei jungen Männer zu tun haben, bestätigt sich immer mehr und bloße Worte zeigen keine Wirkung. Es müssen andere Saiten aufgezogen werden.

Wenn sich ein Regisseur mit diesem aktuellen Thema beschäftigt, dann besteht die Gefahr, dass der Film zur puren Gefühlsmanipulation verkommt und die Thematik nicht im Ansatz richtig anfasst und behandelt. Wie man das schafft, hat uns Paul Haggis mit seiner Kitsch-Katastrophe ‚L.A. Crash‘ bewiesen, bei der er erschreckend Aussagelos blieb. Wenn sich dieser Regisseur dann noch einer wahren Begebenheit annimmt, dann ist die Gefahr natürlich noch vorstellbarer. Und in diesem Punkt gelingt Parker etwas, woran viele andere Regisseure deutlich gescheitert wären.

Parker zeigt uns hier zwei klare dramaturgische Bereiche. Auf der einen Seite die leidenden schwarzen Menschen, die sich durch die Hilfe der beiden FBI-Agents endlich Besserung und Gerechtigkeit versprechen. Und auf der anderen Seite die Gesetzeshand der Kleinstadt, die sich ihren Vorschriften entzieht und klar vom Rassismus dirigiert wird. Hass ist hier überall beständig. Und dieser Hass muss an der Wurzel gefasst werden und rausgerissen. Dabei werden unsere Gefühle wie Mitleid, Wut und Verständnis klar auf die gegensätzlichen Ansichten verteilt. Wir fühlen mit den Schwarzen, schütteln den Kopf wegen dieser furchtbaren Umstände und schüren immer mehr Wut auf die Rassisten mit Gesetzesstern. Wenn sich die beiden FBI-Agents nur noch mit Gewalt zu helfen wissen, obwohl sie diese eigentlich aus der Stadt vertreiben wollten, gerät nicht nur der Film in einen moralischen Zwiespalt, sondern auch wir als Zuschauer. Ob das Verhalten nun richtig oder falsch ist, spielt in diesem Fall keine Rolle. Wir können das Handeln nachvollziehen und im besten Fall sogar befürwortet. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Auf einem anderen Weg können diese schrecklichen Menschen nicht das bekommen, was sie verdient haben. Dass der Film in diesem Punkt natürlich so gut funktioniert, liegt an Parkers sorgfältiger und umwühlender Inszenierung, die durchgehend fesseln kann.

Den Oscar für die Kameraarbeit hat sich Peter Biziou sicherlich verdient. Seine schwülen, aber kräftigen Aufnahmen sind ganz große Klasse. Der Soundtrack von Trever Jones ist hingegen noch besser. Seine Impulsive und gleichermaßen Intensive Musik bleibt im Kopf und gibt dem Film in seiner ganzen Brisanz die richtige musikalische Begleitung und erzeugt eine unheimlich dichte Atmosphäre.

Mit Gene Hackman hat Parker genau den richtig Mann für den harten, aber auch einfühlsamen FBI Agent Anderson gefunden und Hackman kann durch sein facettenreiches Schauspiel absolut begeistern. Willem Dafoe als FBI Agent Ward ist zwar nicht ganz so stark wie Hackman, geht an seiner Seite aber zu keinem Zeitpunkt unter und bringt ebenfalls eine äußerst starke Leistung. Frances McDormand als Ehefrau des rassistischen Deputys ist toll besetzt und kann in ihrer dramatischen Rolle immer überzeugen. Brad Dourif als widerlicher Deputy Clinton Pell füllt seinen absolut hassenswerten Charakter wunderbar und genau richtig aus.

Fazit: ‚Mississippi Burning‘ ist ein wichtiger, aufrüttelnder und harter Film zum Thema Rassismus. Mit seinen fantastischen Schauspielern, den tollen Bildern und dem eindringlichen Soundtrack, sowie Parkers toller Inszenierung, wird ‚Mississppi Burning‘ zum einem Film, der zwar nicht gänzlich ohne Schwächen auskommt, aber nach wie vor zum Nachdenken anregt und seine volle Wirkung entfalten kann, weil er einfach jedes Jahrzehnt anspricht und immer aktuell bleiben wird.

Bewertung: 8/10 Sternen