"The Expendables" (USA 2010) Kritik – Silvester Stallone lässt es wieder krachen

„Nur Licht ist schneller als ich!“

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Das gute alte Actionkino ist nicht mehr das, was es vor allem in den 80er Jahren war. Da gab es noch die Helden, die nicht viele Worte verloren, sondern ihre Waffen sprachen ließen, egal wer vor ihnen stand. Mit Zigarre im Mundwinkel, großer Sonnenbrille und Gewehr im Anschlag haben wir uns so manches Mal gemeinsam auf die Jagd gemacht und die Fetzen fliegen lassen. Die goldenen Jahre des Actionkinos, in denen man sich nicht um politische Korrektheit gekümmert hat und die Filme nicht durch uninteressante Liebesgeschichte ausgebremst wurden, sondern nur der knallharte Mann im Mittelpunkt stand, der quasi mit einem Freifahrtschein ganze Reihen von Gegnern umlegen durfte. Heute ist das schon anders geworden, Old-School-Action wird spärlicher, es wird auf lieblose CGI-Effekte gesetzt und ein Star aufpoliert, der keine Ecken und Kanten haben darf und jedem Zuschauer schmackhaft gemacht werden muss. Aber 2010 konnten die Actionfans wieder aufatmen, denn ein alter Bekannter dieses Genres, Silvester Stallone, nahm sich der guten alten Zeit an und ließ sie in ‚The Expendables‘ mal wieder richtigaufleben.

Nachdem die knallharte Söldnertruppe, genannt The Expendables, die Geiseln aus den dreckigen Händen der somalischen Piraten gerettet haben, steht schon wieder der nächste brutale Auftrag vor der Tür. Die Männer sollen den Diktator vom kleinen Inselstaat Garza stürzen, denn der wird in seinem groben Vorgehen von einem Amerikaner mit CIA-Verbindungen finanziert und setzt das Volk mit seiner Brutalität in Angst und Schrecken.

Das größte Schmankerl des Films ist jedoch der Cast, denn der lässt jedes Fanherz höher schlagen. Silvester Stallone als Ross, Jason Statham als Christmas, Jet Li als Yin Yang, Terry Crews als Ceaser, Randy Couture als Road, Dolph Lundgren als Gunnar und Mickey Rourke als Tool. Das muss man sich erst mal auf der Zunge zergehen lassen. Schauspielerisch kommt da natürlich recht wenig und der Schwerpunkt liegt auf der Gewalt, aber die Männer machen ihre Sache gewohnt gut und spannen die Muskeln an. Auf der Gegenseite haben wir einen schmierigen Eric Robert, David Zayas als schmutziger General Garza und den Mann fürs Grobe Steve Austin. Außerdem darf man sich noch über zwei Gastauftritte der ganz besonderen Art erfreuen, denn wenn Arnold Schwarzenegger eine Kirche betritt und sich dort mit Bruce Willis und Silvester Stallone trifft, dann ist das fast schon ein magischer Moment.

Silvester Stallone hat sein Talent als Regisseur im neuen Jahrtausend schon gleich zweimal bewiesen, in dem er zwei totgeglaubte Reihen wieder zum Leben erweckte. Da war einmal die Geschichte des Boxer Rocky, den er mit ‚Rocky Balboa‘ zurück auf die Leinwände brachte und endlich wieder zurück zur alten Stärke fand und ‚John Rambo‘, der zu den eindrucksvollsten Kritiken am Krieg gehört und seine Sinnlosigkeit mit brutaler Kompromisslosigkeit aufzeigte. An dieser offenen Gewalt haben sich natürlich viele gestoßen und gar nicht verstanden, worauf Stallone damit eigentlich hinauswollte. Aber nichtsdestotrotz, Stallone hatte zwei Filme auf seiner Seite, die klar für ihn als Regisseur sprachen und auch zeigten, dass er als Schauspieler noch nicht zum alten Eisen gehört. In ‚The Expendables‘ macht er genau dort dann weiter. Zur Begrüßung sehen wir unsere Männer, wie sie einer Gruppe somalischer Soldaten den Hals umdrehen und die ohne viele Gerede zur Sache kommen. Schnell sollte dem Zuschauer dann klar sein, dass es hier nicht zimperlich hergeht. Und Stallone blieb sich treu. Wir machen uns dann mit den Expendables auf zum fiktiven Inselstaat Garza, wo der widerliche General Garza sein Unwesen treibt und die Bürger durch seine Truppe drangsaliert und foltert. Also schnappen sich die Söldner ihr Gepäck und legen los und lassen dabei natürlich keinen Stein auf den anderen, denn hier bekommt jeder, was er verdient.

Stallone macht endlich wieder so Actionkino, wie wir lange drauf warten mussten: gradlinig, gnadenlos, äußerst blutig und schnörkellos wird hier alles und jeder auseinandergenommen. Die Kamera wackelt ab und an und auch die schnellen Schnitte werden eingesetzt, doch das interessiert hier herzlich wenig, denn die handgemachte Action steht im Mittelpunkt und verkommt nicht zum herzlosen Effektegewitter. Stallone hatte Freude beim Dreh, das merkt man dem Film an und er kann den Zuschauer schnell anstecken. Jeder seiner Actionstars bekommt mindestens eine starke Szene zugesprochen und macht dabei einen gewohnt verboten coolen Eindruck. Wenn Stallone dann jedoch das Fuß vom Gas nimmt und Mickey Rourke über Einsamkeit sprechen lässt, passt das nicht ganz ins Bild, bremst den Film selbst aber nur kurz aus. Die Feinde werden auch als solche gezeichnet und müssen ihre Strafe einfach bekommen, so stehen wir immer hinter den Handlungen der Expendables. Zarte Gemüter die kein Blut sehen können und auch ein Problem mit politischer Unkorrektheit haben, sollten sich von ‚The Expendables‘ fernhalten, denn hier will Stallone sich nicht in irgendwelche vorgegebene Muster drücken lassen. Auseinandersetzungen werden nicht mit Worten gelöst, soviel sollte jedem klar sein, hier wird durch Schusswaffen und Messer gesprochen und die müssen möglichst große Löcher reißen und schön laut sein.

Fazit: Zurück in die goldenen Zeiten mit einer Handvoll Actionstars, Berge von Kugeln und Litern von Blut. Knallhart knurren Stallone & Co. einen Spruch nach dem anderen raus und machen keine Gefangenen. So muss es sein. ‚The Expendables‘ ist kein Film über den man nachdenken sollte, sondern einfach abschalten, dem Geschehen folgen und jede Menge Spaß haben.

Bewertung: 7/10 Sternen