"Wag the Dog" (USA 1997) Kritik – Robert De Niro und Dustin Hoffman mitten im Medienkrieg

„Ohne Feind kann man keinen Krieg führen. Es ginge schon, aber es wäre ein sehr langweiliger Krieg.“

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Den extremen Medienrummel um eine x-beliebige Person, die einen gewissen Bekanntheitsgrat in der Welt genießen darf, ist man als Außenstehender inzwischen längst gewohnt. Unzählige Schnappschüsse von obsessiven Paparazzi, jede Aussage wird auf die Goldwaage gelegt und der Wunsch eine Leiche im Keller dieser Menschen zu finden, wächst mit jeder neuen Privataufnahme. Geht es aber um den „mächtigsten Mann der Welt“, den Präsidenten der Vereinigten Staaten, dann wird nicht nur aus jeder Mücke ein Elefant gemacht, sondern auch jede Kleinigkeit aus staubiger Vergangenheit immer wieder aufarbeitet und von den Medien bis zum Anschlag ausgereizt oder ausgeschmückt und kann dann durch die schlichten Übertreibungen, sprich Lügen, gleichbedeutend mit dem Karriereaus sein, denn wenn eine Person in der gnadenlosen Öffentlichkeit durchgehend eine gute Figur machen muss, dann ist es Mr. Präsident – Fehltritte sind strikt verboten. Was also tun, wenn es schlagartig zu Negativmeldungen rundum den das Weiße Haus kommt und das auch noch ausgerechnet vor den Wahlen? Genau das zeigt Barry Levinsons Medien-Satire „Wag the Dog“ aus dem Jahre 1997.

In Amerika stehen mal wieder die Präsidentenwahlen an, die Bevölkerung wartet gespannt auf die Entscheidungen und der Präsident? Der vergreift sich an einer minderjährigen Schülerin, die mit ihrer Klasse das Weiße Haus besichtigt hat. Fatal für die Chancen auf eine Neuwahl. Deswegen wird Conrad Brean, der sogenannte „Mr. Alleskleber“ beauftragt, den Medienrummel gekonnt in eine andere Richtung zu lenken. Gesagt, getan. Brean hat schnell eine Idee und möchte einen Krieg in Albanien vortäuschen, den es natürlich zu keiner Zeit gegeben hat, aber von dem schweren Fauxpas des Präsidenten ablengt, denn von nun an ist das Medienthema Nr. 1 der Krieg zwischen Albanien und Amerika, den Brean zusammen mit dem Hollywoodproduzenten Motss inszenierte. Doch auch hier stoßen die zwei Lügenbarone schnell auf neue Probleme…

Dass es nicht immer ausufernde Maße braucht, um einen hochwertigen Film abzuliefern, hat schon Sergio Leone mit seinem Drehbuch zum Western-Klassiker „Spiel mir das Lied vom Tod“ aus dem Jahre 1968 bewiesen. Lediglich 16 Seiten betrug das Drehbuch und wurde zur Grundlage für ein 165 Minuten Meisterwerk, welches zu Recht in so gut wie jeder Bestenliste eingetragen ist. Barry Levinson ist hingegen ein Filmemacher der flinken Sorte, denn nur gute 30 Drehtage wurden benötigt, bis sich die endgültige Fassung von „Wag the Dog“ schließlich im Kasten befand. Aber wen wundert es, hatte Levinson doch zwei der besten Darsteller der Geschichte zur Verfügung: Robert De Niro („The Mission“, „This Boy’s Life“) und Dustin Hoffman („Der Marathon-Mann“, „Die Reifeprüfung“). Besser geht es wohl kaum, denn gibt man diesen beiden Könnern die richtigen Anweisungen und Freiheiten, ist das Ergebnis im sicheren Regelfall hervorragend. De Niro sehen wir in der Rolle des Conrad Brean, ein Profi in Sachen Hetze und Manipulation. Mit ungepflegtem Bart und einem staubtrockenem Humor, zeigt sich der einst unantastbare Method Actor gewohnt großartig. Genau wie sein Kompagnon Dustin Hoffman als aufgedrehter Produzent Motss. Hoffman geht in die humoristische Offensive, darf befreit nach Herzenslust aufspielen und bereitet jedem Zuschauer eine reine Freude damit, ihm bei der Arbeit zuzusehen. Dazu gibt es dann noch Anne Heche („Donnie Brasco“), Kirsten Dunst („Spider-Man“) und Woody Harrelson („The Messenger“) in den namhaften Nebenrollen.

Natürlich ist die formale Geschichte, die „Wag the Dog“ in gut 100 Minuten erzählt, reine Fiktion und den Federn von Beinhart, Henkin und Mamet entsprungen. Wenn man allerdings aus heutiger Sicht auf die 1990er Jahre zurückblickt und zum Beispiel mit dem Skandal rundum Bill Clinton vertraut ist, wird man einsehen, dass „Wag the Dog“ eigentlich, rein aus diesem Blickwinkel, nicht wirklich realitätsfremd ist. Der Präsident wird mit der Verführung einer Minderjährigen in Verbindung gebracht und die brisante Story muss schnell mit einer neuen Story verdeckt werden, die den Präsidenten wieder in dem richtigen Licht erstrahlen und selbstbewusst zur Neuwahl antreten lässt. Im Fall von „Wag the Dog“ wird ein Krieg gegen/in Albanien angezettelt und der Sensationshunger des Volkes ist der Vorteil des professionellen Manipulators. Sicher erzählt Levinson in seiner geschwätzigen Kurzweiligkeit keine Neuigkeiten – Lügen, Suggestion und Agitation sind Standards in der medialen Kriegsführung. Und in einer solchen Schlammschlacht des erzwungenen Scheins, sind alle Schritte erlaubt, die das Image des Präsidenten aufrechterhalten. Doch dafür schlägt Levinson mit seiner schwarzhumorigen Inszenierung genau den richtigen Ton an, entfaltet dadurch eine Symbiose aus Skurrilität und Tatsachen und mündet in einer satirischen Polit/Medien-Karikatur, die den außenstehenden Zuschauer konsequent als skandalsüchtigen Voyeur offenbart.

Fazit: „Wag the Dog“ ist eine spitzzüngige, intelligente und durchgehend unterhaltsame Medien-Satire, die die Macht der medialen Mechanismen wunderbar zum Ausdruck bringt, aber auch gleichzeitig sicher nichts Neues erzählt. Mit Robert De Niro und Dustin Hoffman hat Regisseur Levinson zwei der stärksten Darsteller überhaupt zu bieten, die sich wie gewohnt in grandioser Verfassung zeigen und „Wag the Dog“ zu einem überaus gelungenen wie starken Ausflug hinter die Kulissen der Medien-Manipulation machen.